Sonderregelung
Drohender Antibiotika-Engpass: Gesundheitsministerium spricht von Versorgungsmangel
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von dpaArzneimittel mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin werden knapp.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Wichtige Antibiotika für die Langzeitbehandlung von Streptokokken-Infektionen sind aktuell in Deutschland kaum verfügbar. Trotz des kritischen Lieferengpasses spricht das Bundesgesundheitsministerium von einem funktionierenden Engpass-Management.
Das Wichtigste in Kürze
Antibiotika mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin sind aktuell von einem drohenden kritischen Lieferengpass betroffen.
Das Bundesgesundheitsministerium hat seine Strategien zum Lieferengpass-Management vorgestellt.
Generell sei die Arzeimittelversorgung in Deutschland jedoch "überwiegend stabil".
Wegen drohender kritischer Lieferengpässe bei bestimmten Antibiotika greifen für sie jetzt Sonderregeln zum Sichern der Versorgung. Das Bundesgesundheitsministerium gab bei Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin, die gespritzt werden, einen Versorgungsmangel bekannt. Diese Feststellung erlaubt nun befristet Abweichungen von Vorgaben, um ein leichteres Ausweichen auf importierte Produkte zu ermöglichen.
Konkret geht es um Antibiotika, die etwa zur Langzeitbehandlung von Streptokokken-Infektionen angewendet werden, um rheumatische Herzentzündungen zu verhindern, wie das Ministerium auf Anfrage erläuterte. Eine einmalige Injektion sei auch Standard in der Therapie von Syphilis. Zwar gebe es jeweils therapeutische Alternativen. Sie seien aber in der Wirksamkeit häufig unterlegen, weshalb die nun betroffenen Depot-Penicilline besonders bei einem hohen Risiko für Rückfälle oder in der Vorbeugung unverzichtbar seien.
Import von Präparaten aus dem Ausland
Aufgrund aktueller Informationen, dass noch vorhandene Bestände in absehbarer Zeit vollständig aufgebraucht sein werden, seien nun die Voraussetzungen eines Versorgungsmangels eingetreten, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Mit der Bekanntgabe könnten jetzt etwa Präparate aus dem Ausland eingesetzt werden, die keine deutschen Kennzeichnungen haben. So könne nach Verkauf des Restbestandes die Versorgung gewährleistet werden.
Dem Ministerium lagen demnach seit dem vergangenen Sommer Informationen zu einem absehbaren Einbruch der Verfügbarkeit des einzigen in Deutschland zugelassenen Präparats ab dem ersten Quartal 2026 vor. Grund dafür sei die Verzögerung von Umstellungen in der Produktion. Die Zulassungsinhaber:innen habe daher vorsorglich einen Überbrückungsbestand mit absehbarer Reichweite bis zum ersten Quartal 2026 angelegt.
Lieferengpass vs. Versorgungsmangel
Die aktuelle unmittelbare Bekanntmachung des Versorgungsmangels sei also Ergebnis eines gut funktionierenden Lieferengpassmanagements, erläuterte das Ministerium. Auf Basis frühzeitiger und transparenter Informationen aller Beteiligten könne eine kontinuierliche Versorgung sichergestellt werden.
Ein Versorgungsmangel geht über häufiger auftretende Engpässe hinaus. Als ein Lieferengpass gilt eine mehr als zwei Wochen lange Unterbrechung einer üblichen Auslieferungsmenge, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte allgemein erläuterte. Dann sind in der Regel auch andere wirkstoffgleiche Mittel lieferbar. Derzeit gibt es nach amtlichen Daten rund 550 Lieferengpassmeldungen - bei insgesamt 100.000 zugelassenen Arzneimitteln.
Arznei-Versorgung ist "überwiegend stabil"
Eine kritischere Liefersituation gibt es bereits bei den Antibiotika-Wirkstoffen Cefuroxim, Clindamycin, Cotrimoxazol und Erythromycin. Das Ministerium hatte dazu ebenfalls einen Versorgungsmangel festgestellt. Solche Fälle sind generell selten. Seit 2015 kam dies nach amtlichen Angaben weniger als 20 Mal vor.
Allgemein stelle sich die Versorgungslage mit Arzneimitteln derzeit überwiegend als stabil dar, erklärte das Ministerium. Insbesondere bei Kindermedikamenten wie Fiebersenkern habe sich die Versorgung weiter verbessert und sei sehr stabil.
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