Schuldig in 114 Fällen
Manchester City vor dem Absturz: Droht der Fall bis in die 5. Liga?
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von Jonas Bellermann:newstime
Milliarden-Betrug bei Manchester City
Videoclip • 10:33 Min • Ab 12
Vom Abstieg in die dritte Liga bis zum Gewinn der Champions League: Manchester City hat einen beispiellosen Aufstieg hinter sich. Doch schwere Vorwürfe wegen möglicher Finanzverstöße überschatten die Erfolge. Eine unabhängige Kommission hat den Klub in 114 von 115 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Nun stehen mögliche Sanktionen bis hin zum Ausschluss aus der Premier League und Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe im Raum. Wie konnte es so weit kommen – und was droht den Skyblues?
Manchester City gehört zu den erfolgreichsten Fußballvereinen der Welt. Mehrere englische Meisterschaften, nationale Pokalsiege und der Triumph in der Champions League 2023 haben den Klub unter Trainer Pep Guardiola an die Spitze Europas geführt. Doch hinter den sportlichen Erfolgen steht ein Verfahren, das den Verein schwer belasten könnte.
Im Zentrum stehen Vorwürfe, wonach Manchester City über Jahre gegen die Finanzregeln der Premier League verstoßen haben soll. Eine unabhängige Kommission hat den Klub in 114 von 115 vorgeworfenen Regelverstößen schuldig gesprochen. Manchester City wehrt sich gegen die Vorwürfe und geht in Berufung. Welche Konsequenzen drohen dem Verein? Und könnte der englische Meister tatsächlich aus der Premier League ausgeschlossen werden?
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Vom Abstiegskandidaten zum Weltklub
Die Geschichte von Manchester City beginnt 1880. Damals wird der Verein unter dem Namen West Gorton Saint Marks gegründet. 1894 erhält er seinen bis heute bekannten Namen Manchester City F.C.
Ende der 1960er-Jahre erlebt der Klub seine erste große Erfolgsphase. 1968 gewinnt City die englische Meisterschaft, zwei Jahre später folgt mit dem Europapokal der Pokalsieger ein internationaler Titel. In den folgenden Jahrzehnten kann der Verein daran jedoch lange nicht anknüpfen.
Während Stadtrivale Manchester United immer erfolgreicher wird, kämpft City mit sportlichen Rückschlägen. 1998 steigt der Verein sogar in die dritte englische Liga ab. Ein Jahr später gelingt zwar die Rückkehr in die zweite Liga, 2002 folgt der Wiederaufstieg in die Premier League.
Doch die sportliche Ausgangslage bleibt zunächst weit von der Spitze entfernt. Das ändert sich grundlegend, als internationale Investoren auf den Verein aufmerksam werden.
Der Einstieg von Abu Dhabi verändert alles
2007 übernimmt der thailändische Geschäftsmann und ehemalige Premierminister Thaksin Shinawatra den Verein. Der entscheidende Einschnitt folgt allerdings am 1. September 2008: Die Abu Dhabi United Group unter Scheich Mansour übernimmt die Kontrolle über Manchester City.
Mit dem neuen Eigentümer verändern sich die finanziellen Möglichkeiten des Klubs grundlegend. City verpflichtet hochkarätige Spieler und investiert massiv in den Kader. Zu den frühen prominenten Neuzugängen gehört der Brasilianer Robinho, der von Real Madrid kommt. Weitere Stars folgen.
Schon 2011 gewinnt Manchester City mit dem FA Cup den ersten großen Titel seit 35 Jahren. Ein Jahr später schreibt der Klub englische Fußballgeschichte: Am letzten Spieltag der Saison 2011/12 erzielt Sergio Agüero in der Nachspielzeit das entscheidende Tor zum 3:2 gegen die Queens Park Rangers. City wird erstmals seit 1968 wieder englischer Meister.
In den folgenden Jahren baut der Verein seine Stellung weiter aus. 2016 übernimmt Pep Guardiola das Traineramt. Unter dem Spanier entwickelt sich City zu einer der dominierenden Mannschaften Europas. Der Höhepunkt folgt in der Saison 2022/23 mit dem Gewinn der englischen Meisterschaft, des FA Cups und der Champions League.
Doch mit dem rasanten Aufstieg rückt zunehmend eine andere Frage in den Mittelpunkt: Wie wurde das Wachstum des Vereins finanziert – und wurden dabei die geltenden Regeln eingehalten?
Football Leaks: Wie die Vorwürfe bekannt wurden
Eine wichtige Rolle bei der öffentlichen Aufarbeitung spielen die sogenannten Football Leaks. Dabei handelt es sich um eine große Sammlung vertraulicher Dokumente aus dem internationalen Fußballgeschäft. Dazu gehören unter anderem Verträge, E-Mails und interne Vereinbarungen.
Der Portugiese Rui Pinto beschaffte ab 2015 zahlreiche Daten aus der Fußballbranche. Später gelangten umfangreiche Dokumente an den "Spiegel" und weitere internationale Medien, die das Material auswerteten.
Die Recherchen warfen auch Fragen zur Finanzierung von Manchester City auf. Im Mittelpunkt standen unter anderem Sponsorenverträge und der Verdacht, dass Einnahmen anders dargestellt worden sein könnten, als sie tatsächlich zustande kamen.
Die Premier League leitete schließlich 2019 Ermittlungen gegen Manchester City ein. Im Februar 2023 machte die Liga die Vorwürfe öffentlich und verwies auf mutmaßliche Verstöße gegen ihre Finanzregeln über mehrere Spielzeiten hinweg.
Welche Regelverstöße werden Manchester City vorgeworfen?
Die Vorwürfe sind umfangreich und betreffen unterschiedliche Bereiche der Vereinsfinanzen. Sie lassen sich in mehrere zentrale Komplexe einteilen.
1. Sponsoring-Einnahmen sollen falsch dargestellt worden sein
Ein zentraler Vorwurf betrifft die Einnahmen aus Sponsorenverträgen. Dabei geht es unter anderem um die Vereinbarung mit der Fluggesellschaft Etihad Airways.
Die Premier League wirft Manchester City vor, Finanzinformationen nicht korrekt angegeben zu haben. Im Kern steht die Frage, ob bestimmte Sponsorengelder tatsächlich von den angegebenen Unternehmen stammten oder ob Geld aus dem Umfeld des Klubbesitzers zur Finanzierung beigetragen haben könnte.
Für die Finanzregeln ist diese Unterscheidung entscheidend: Werden Einnahmen aus Sponsoring künstlich erhöht oder falsch zugeordnet, kann das die wirtschaftliche Situation eines Vereins besser erscheinen lassen, als sie tatsächlich ist.
2. Gehälter und Zahlungen sollen verschleiert worden sein
Ein weiterer Vorwurf betrifft die Vergütung von Trainern und Spielern. Die Liga wirft Manchester City vor, Informationen über bestimmte Zahlungen nicht vollständig offengelegt zu haben.
Ein besonders bekanntes Beispiel ist der frühere Trainer Roberto Mancini. Neben seinem offiziellen Vertrag bei Manchester City soll er über eine separate Vereinbarung mit einem Klub aus Abu Dhabi zusätzliche Zahlungen erhalten haben.
Die Vorwürfe drehen sich darum, ob die tatsächlichen Kosten für den Verein vollständig in den relevanten Unterlagen auftauchten. Auch hier gilt: Entscheidend ist, welche Zahlungen nachweisbar waren und wie sie im Verfahren bewertet wurden.
3. Informationen gegenüber der UEFA sollen falsch gewesen sein
Auch die Finanzregeln der Europäischen Fußball-Union UEFA spielen in der Affäre eine Rolle. In diesem Zusammenhang wurde unter anderem die Agentur Fordham Sports Management bekannt.
Über die Agentur sollen Bildrechte von Spielern vermarktet worden sein. Die entsprechenden Einnahmen stehen im Zusammenhang mit Vorwürfen, wonach Manchester City Finanzinformationen nicht korrekt dargestellt haben könnte.
Die Frage dahinter: Wurden tatsächliche wirtschaftliche Einnahmen erzielt – oder wurden Zahlungsströme so organisiert, dass die finanziellen Kennzahlen des Vereins günstiger erschienen?
4. Verstöße gegen die Finanzregeln der Premier League
Darüber hinaus geht es um die sogenannten Profitability and Sustainability Rules, kurz PSR. Diese Regeln sollen verhindern, dass Fußballvereine dauerhaft Verluste in einer untragbaren Höhe anhäufen.
Für den maßgeblichen Zeitraum gilt grundsätzlich eine Verlustgrenze von 105 Millionen Pfund über drei Jahre, sofern die geltenden Bedingungen erfüllt sind. Bei der Berechnung gelten allerdings bestimmte Vorgaben und zulässige Abzüge.
Die Premier League wirft Manchester City vor, die geforderten Finanzinformationen nicht ordnungsgemäß vorgelegt zu haben. Der Fall betrifft dabei nicht nur die Höhe möglicher Verluste, sondern auch die Frage, ob die Liga über die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse des Vereins korrekt informiert wurde.
5. Die Zusammenarbeit mit den Ermittlern
Ein weiterer Vorwurf betrifft die Kooperation mit der Premier League. Die Liga wirft Manchester City vor, bei den Ermittlungen über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend mitgewirkt zu haben.
Die Bewertung dieser Vorwürfe ist von den finanziellen Anschuldigungen zu unterscheiden. Sie betreffen die Frage, ob der Verein den zuständigen Stellen die angeforderten Informationen vollständig und rechtzeitig zur Verfügung gestellt hat.
114 von 115 Vorwürfen: Was hat die Kommission entschieden?
Nach jahrelangen Ermittlungen wurde der Fall einer unabhängigen Kommission vorgelegt. Diese bewertete die vorgebrachten Vorwürfe anhand der vorliegenden Beweise.
Die Entscheidung fiel in zahlreichen Punkten zulasten von Manchester City aus. Die Liga hatte dem Klub Verstöße in verschiedenen Bereichen vorgeworfen, darunter die Finanzberichterstattung und die Offenlegung von Vergütungen.
Manchester City weist die Vorwürfe zurück und bestreitet ein Fehlverhalten. Der Verein kündigte an, sich gegen die Entscheidung zu wehren. Deshalb muss zwischen den Feststellungen der Kommission, den noch offenen rechtlichen Schritten und möglichen späteren Sanktionen unterschieden werden.
Der Fall ist auch deshalb so bedeutend, weil er einen der wirtschaftlich stärksten Vereine der Welt betrifft. Die Entscheidung könnte Auswirkungen darauf haben, wie die Premier League ihre Regeln künftig durchsetzt.
Welche Strafen drohen Manchester City?
Sollten Sanktionen verhängt werden, kommen unterschiedliche Maßnahmen infrage. Welche Strafe angemessen wäre, hängt von der rechtlichen Bewertung der einzelnen Vorwürfe und den einschlägigen Regeln ab.
Zu den möglichen Konsequenzen zählen:
Punktabzug: Manchester City könnte in der Premier League Punkte verlieren. Je nach Umfang der Sanktion hätte das erhebliche Auswirkungen auf die Tabellenposition und den Kampf um die Meisterschaft.
Geldstrafe: Die Liga könnte eine hohe finanzielle Sanktion verhängen.
Einschränkungen oder weitere sportliche Maßnahmen: Je nach Rechtsgrundlage könnten weitere Sanktionen geprüft werden.
Ausschluss aus der Premier League: Als besonders weitreichendes Szenario steht die Frage im Raum, ob ein Ausschluss aus der höchsten englischen Spielklasse möglich wäre.
Dabei handelt es sich um mögliche Konsequenzen, nicht um eine bereits feststehende Strafe. Auch ein Ausschluss aus der Premier League würde nicht automatisch bedeuten, dass Manchester City in der zweiten Liga weiterspielen dürfte. Eine Neueinstufung im englischen Ligensystem wäre von weiteren Entscheidungen und den geltenden Regeln abhängig.
Ein Absturz bis in die sogenannte Non-League, also in den Bereich unterhalb der vier höchsten englischen Ligen, wäre ein extremes Szenario. Es darf deshalb nicht mit einer bereits beschlossenen oder zwangsläufigen Folge des Verfahrens verwechselt werden.
Manchester City geht in Berufung
Der Verein bestreitet die Vorwürfe und geht gegen die Entscheidung vor. Die Berufung ist für die weitere Entwicklung des Falls entscheidend, weil sie Einfluss darauf haben kann, welche Feststellungen Bestand haben und welche Konsequenzen letztlich folgen.
Manchester City hat die Anschuldigungen als unhaltbar zurückgewiesen. Der Klub kann damit versuchen, die Bewertung der Kommission überprüfen zu lassen. Solange die entsprechenden rechtlichen Schritte nicht abgeschlossen sind, bleibt die endgültige Entwicklung offen.
Für den Verein steht viel auf dem Spiel: Neben dem sportlichen Erfolg geht es um den internationalen Ruf, mögliche finanzielle Belastungen und die langfristige Stellung in der Premier League.
Drohen zusätzliche Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe?
Die möglichen sportlichen Sanktionen sind nicht das einzige finanzielle Risiko. Auch Schadensersatzforderungen rivalisierender Vereine könnten für Manchester City erhebliche Folgen haben.
Nach Medienberichten haben unter anderem Manchester United, Liverpool, Arsenal und Tottenham mögliche Entschädigungsansprüche geltend gemacht beziehungsweise geprüft. Im Raum stehen Forderungen, die sich auf jeweils hohe zweistellige oder dreistellige Millionenbeträge in Pfund belaufen könnten.
Die Argumentation dahinter: Sollten Regelverstöße nachgewiesen sein und anderen Vereinen dadurch wirtschaftliche Nachteile entstanden sein, könnten diese versuchen, Schadensersatz zu verlangen. Denkbar wären beispielsweise entgangene Einnahmen oder Nachteile im Wettbewerb.
Allerdings ist eine solche Klage kein Selbstläufer. Die betroffenen Vereine müssten die rechtlichen Voraussetzungen erfüllen und nachweisen, dass ihnen tatsächlich ein ersatzfähiger Schaden entstanden ist. Auch die Höhe eines möglichen Schadens müsste begründet werden.
Deshalb sind die genannten Summen zunächst als mögliche Forderungen und nicht als bereits zugesprochene Entschädigungen zu verstehen. Ob und in welcher Höhe Manchester City tatsächlich zahlen müsste, hängt von den jeweiligen Verfahren ab.
Auch in den News:
Was bedeutet der Fall für den englischen Fußball?
Die Affäre betrifft längst mehr als einen einzelnen Verein. Sie stellt auch die Frage, wie konsequent die Premier League ihre Finanzregeln durchsetzt und ob wirtschaftlich besonders starke Klubs denselben Maßstäben unterliegen wie ihre Konkurrenten.
Sollten empfindliche Sanktionen folgen, könnte das ein Signal an andere Vereine sein. Gleichzeitig müsste eine Entscheidung rechtlich belastbar sein, damit sie einer möglichen Überprüfung standhält.
Für Manchester City geht es um die Zukunft des Vereins und die Bewertung seiner sportlichen Erfolge. Für die Premier League steht die Glaubwürdigkeit ihrer Regeln auf dem Spiel.
Der Fall ist damit zu einer Grundsatzfrage für den modernen Fußball geworden: Wie lassen sich finanzielle Fairness und sportlicher Wettbewerb in einer Liga gewährleisten, in der enorme Summen bewegt werden?
Wie schwer die Konsequenzen für Manchester City tatsächlich ausfallen, ist noch offen. Klar ist aber, dass die Affäre den englischen Fußball noch lange beschäftigen dürfte.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
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