Parlamentarischer Untersuchungsausschuss

Magdeburger Todesfahrer: Ex-Kollegin schaltete Betriebsrat ein

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von dpa

Blumen liegen neben einer Gedenkplatte an den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt, bei dem sechs Menschen getötet und mehr als 300 verletzt wurden. (Archivbild)

Bild: Simon Kremer/dpa


Verhielt sich Taleb A. schon an seinem Arbeitsplatz auffällig? Eine ehemalige Kollegin und ein Vorgesetzter berichten von einer angespannten Zusammenarbeit voller Konflikte.

Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt ist erneut deutlich geworden, dass der Todesfahrer in seiner Tätigkeit als Arzt unzuverlässig war und seine fachliche Qualifikation in Zweifel gezogen wurde.

Eine ehemalige Assistenzärztin sagte am Morgen im Ausschuss, viele Kolleg:innen seien genervt gewesen, weil man dem Psychiater oft hinterhertelefonieren musste. Der Arzt habe sich geweigert, bestimmte Dinge zu übernehmen. Andere hätten dann seine Aufgaben übernommen.

Zu Diagnosen und Therapien habe es teils unterschiedliche Auffassungen gegeben, dann habe sie um Fallbesprechungen gebeten, sagte die Ex-Kollegin als Zeugin aus. "Ich habe seine Qualifikation hinterfragt." Sie sagte, sie habe sowohl die ärztliche Leitung als auch den Betriebsrat eingeschaltet. Die Führungsebene habe beschwichtigend und vermittelnd reagiert. Vom Betriebsrat habe sie keine Rückmeldung bekommen, bis sie ausgeschieden sei.

Schon bei vorigen Zeug:innenvernehmungen im Untersuchungsausschuss war deutlich geworden, dass Kolleg:innen an der fachlichen Kompetenz des Mannes gezweifelt hatten.

Der Ärztliche Direktor des Maßregelvollzugs Bernburg sagte als Zeuge im Ausschuss, es habe fachliche Schwierigkeiten gegeben. Die Inhalte seiner Therapiegruppen seien eher einfach gehalten gewesen. Ihn hätten hin und wieder Beschwerden und Klagen über den Arzt erreicht, so der Zeuge. "Es war eher eine unzufriedene Stimmung, ohne dass ich das konkret fassen konnte." Es sei häufig nicht richtig festzumachen gewesen, was der Auslöser des Konflikts war.

Leitung wollte Arbeitsverhältnis nicht beenden

Besonders problematisch für den ehemaligen Ärztlichen Direktor waren die zunehmenden Fehltage des späteren Todesfahrers. Er habe ihn aufgefordert, seine außerberuflichen Tätigkeiten zu reduzieren. Der Zeuge sprach von überzogenem Aktivismus. 2023 habe er dann angeregt, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Die Einrichtungsleitung habe dem aber eine Absage erteilt, wollte bis Jahresende 2024 die Entwicklung beobachten. Die Personalsituation im Maßregelvollzug sei angespannt gewesen, so der Zeuge.

Taleb A. war im Dezember 2024 mit einem PS-starken Mietwagen über den Magdeburger Weihnachtsmarkt gefahren. Sechs Menschen wurden getötet, mehr als 300 wurden zum Teil schwerst verletzt.

Derzeit läuft am Landgericht Magdeburg der Prozess gegen den Mann aus Saudi-Arabien. Er arbeitete bis zur Tat im Maßregelvollzug in Bernburg (Salzlandkreis) beim Gesundheitsunternehmen Salus als Stationsarzt, sein Aufgabengebiet umfasste die psychiatrische Betreuung von Straftätern. Er soll in Saudi-Arabien Medizin studiert haben, in Deutschland erwarb er die Facharztanerkennung.

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