Wrack im Europäischen Nordmeer
Gesunkenes russisches Atom-U-Boot "Komsomolez" noch immer hochradioaktiv
Aktualisiert:
von Momir TakacDas sowjetische, mit Atomenergie betriebene U-Boot "Komsomolez" in der Marinebasis in St. Petersburg.
Bild: picture-alliance / dpa | Tass Museum Rubin Central Design Bureau of Sea Technology
Vor 37 Jahren sank in der Nähe Norwegens das sowjetische Atom-U-Boot "Komsomolez". Forscher wiesen am Wrack eine hohe Strahlendosis nach.
Das Wichtigste in Kürze
1989 sank zur Zeit des Kalten Kriegs ein sowjetisches Atom-U-Boot im Europäischen Nordmeer.
Forschende haben am Wrack eine hohe radioaktive Strahlung nachgewiesen.
Für die Flora und Fauna in der Umgebung des Wracks ist die Strahlung aber offenbar bedenkenlos.
Das 1989 im Europäischen Nordmeer gesunkene sowjetische Atom-U-Boot "Komsomolez" weist noch immer hohe Radioaktivität auf. Bei Messungen am Wrack wiesen Forschende eine um 400.000 Mal höhere Dosis des radioaktiven Isotops Strontium-90 nach, als in dem Seegebiet üblich ist. Caesium-137 lag sogar um das 800.000-fache darüber.
Gesunkenes sowjetisches Atom-U-Boot "Komsomolez" strahlt immer noch
Auch Meeresbewohner haben in der Umgebung des U-Boots radioaktives Cäsium aufgenommen, schreibt eine Gruppe um Justin Gwynn von der Norwegian Radiation and Nuclear Safety Authority in Tromsø im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" ("PNAS"). Sie wies allerdings darauf hin, dass sich die Radioaktivität wegen der Meeresströmungen in dem fischreichen Gebiet schnell verflüchtigt.
Das sowjetische, atomgetriebene U-Boot "Komsomolez" war am 7.4.1989 während des Kalten Kriegs mit einer 69-köpfigen Besatzung im Nordmeer vor der Küste Norwegens unterwegs. Etwa 180 Kilometer südwestlich der Bäreninsel brach in etwa 400 Metern Tiefe ein Feuer aus. Die Crew schaffte es noch, das mit zwei nuklearen Sprengköpfen bestückte U-Boot an die Wasseroberfläche zu bringen.
U-Boot-Wrack wird regelmäßig untersucht
Doch das Feuer verursachte offenbar ein Leck und sank auf den Grund in rund 1.700 Meter Tiefe. "Es wird vermutet, dass die Leitung zum Backbord-Ballasttank versagte, wodurch Hochdruckluft in Schott 7 eindrang und das Feuer sich explosionsartig ausbreitete", schreiben die Autoren. Nur 27 Besatzungsmitglieder überlebten das Unglück, 42 starben.
Russland dichtete 1994 den Torpedoraum der "Komsomolez" zunächst notdürftig ab, später kamen auch Titanplatten zum Einsatz. Das Wrack steht seit 2013 unter Beobachtung Norwegens. 2019 ergaben entnommene Proben, dass die Titanversiegelungen noch intakt sind. "Wir haben keine Hinweise auf Plutonium aus den Atomsprengköpfen in der Umgebung des beschädigten vorderen U-Boot-Teils gefunden", berichten die Forschenden.
Atomreaktor der "Komsomolez" gibt weiter Radioaktivität ab
Dennoch gibt der Atomreaktor der "Komsomolez" nach wie vor radioaktives Material an das Meerwasser ab. Am Lüftungsgitter des Reaktorraums wiesen die Forschenden erhöhte Plutoniumwerte wie auch erhöhte Werte der radioaktiven Abbauprodukte Cäsium-137 und Strontium-90 nach.
Proben des Sediments in der Umgebung des U-Boots waren hingegen unauffällig. "Es gibt wenig Belege für eine Anreicherung von radioaktiven Substanzen in der nahen Umgebung", heißt es im Bericht. Das Team empfiehlt, die "Komsomolez" weiter zu beobachten. Zuletzt geriet ein anderes russisches U-Boot in die Schlagzeilen. Nach einem technischen Defekt musste die "Novorossijsk" abgeschleppt werden.
Verwendete Quellen:
pnas.org: "Status of the sunken nuclear submarine Komsomolets in the Norwegian Sea"
Nachrichtenagentur dpa
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