Vor Wismar
Gestrandeter Buckelwal in der Ostsee: Keine Reaktion auf Boot
Aktualisiert:
von Anne Funk:newstime
Wal-Drama in der Ostsee
Videoclip • 01:21 Min • Ab 12
Weiter blicken alle Richtung Ostsee: "Die Überlebenschancen werden nicht besser", so eine Meeresschutz-Expertin. Wird es der gestrandete Buckelwal erneut schaffen, sich freizuschwimmen?
Der an der Ostseeküste gestrandete Buckelwal hat sich nicht befreien können - und er lebt noch. Das Tier liege noch immer in der Bucht vor Wismar, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei in Wismar der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
"Ja, der ist noch da. Die Situation ist noch so wie gestern." Das Tier habe sich nicht von der Stelle bewegt. Gleichzeitig habe es weniger Wasser gegeben. Das mache die Lage ein bisschen schwieriger.
Wie es nun weitergeht, konnte der Sprecher nicht sagen. Das müssten die Expert:innen entscheiden, wenn sie sich ein Bild von der Lage gemacht haben.
Wie die aktuelle Lage ist und welche möglichen Rettungsaktionen geplant sind, dazu nehmen am Montag (30. März) ab 13 Uhr Umweltminister Till Backhaus und Burkhard Baschek, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Stellung. Verfolge die Pressekonferenz aus Wismar LIVE auf Joyn!
Wal hat reduzierte Atemfrequenz
Dazu sind Beamt:innen der Wasserschutzpolizei gemeinsam mit Meeresbiologen von Greenpeace kurz nach 7 Uhr mit einem Schlauchboot zu dem Wal gefahren, wie ein Sprecher des Umweltministeriums von Mecklenburg-Vorpommern der dpa sagte. "Um zu sehen, wie sich der Zustand des Wals darstellt."
Wie es dann weitergeht - ob also der Wal weiter seine Ruhe bekommen oder er für einen Aufbruch aus eigenem Antrieb angestupst werden soll - hänge von der Situation ab. Aktuell ist es in der Wismarer Bucht recht windig und regnet.
Das Tier sei in der Nacht durchgängig beobachtet worden und habe auch geatmet. In der Nacht war die Polizei für die Bewachung zuständig. "Es wurde ein Schichtsystem eingerichtet, um zu gewährleisten, dass der Wal nicht unbeobachtet ist." Am Sonntag (29. März) hatte das Deutsche Meeresmuseum davon gesprochen, dass der Wal sehr geschwächt und die Atemfrequenz reduziert sei.
Auch in den News:
Auch eine Meeresschutz-Expertin der Organisation Greenpeace äußerte sich zum Zustand des Wals. Er sei weiterhin allgemein geschwächt und liege "nach wie vor unverändert hier in der Bucht, und er atmet auch weiterhin", sagte Franziska Saalmann im ZDF-"Morgenmagazin".
Als das Team am Montagmorgen (30. März) mit einem Schlauchboot in die Nähe des Tieres gefahren sei, habe der Wal nicht viel Reaktion gezeigt. "Der Wasserstand ist auch noch etwas gesunken, was es für ihn jetzt erschwert, sich zu befreien."
Zudem sei nicht klar, ob er dann überhaupt den Weg zurück in die Nordsee finden werde. "Wir wissen nicht genau, was für Krankheiten er eventuell hat. Und ob und inwiefern seine Orientierung und sein Allgemeinzustand so sehr geschwächt sind, dass er jetzt auch durch menschliche Einflüsse und die verbliebenen Netzreste, die er noch im Maul hat, so geschwächt ist, dass er einfach nicht richtig klarkommt und sich nochmal verirrt."
Das Experten-Team will die Hoffnung auf ein Überleben und Freischwimmen nicht aufgeben, wie Saalmann weiter sagte. "Die Überlebenschancen werden leider nicht besser, (...) wenn er in der Ostsee weiter bleibt, allein wegen des Salzgehalts und weil es einfach nicht seine natürliche Heimat ist."
Der Wal müsse eigentlich dringend die Ostsee verlassen. "Wir hoffen, dass er die Kraft zusammenkriegt, und wir beratschlagen auch darüber, welche Maßnahmen wir anschließen können, um ihn bestmöglich zu unterstützen."
Wal seit Anfang März an Ostseeküste unterwegs
Seit Anfang März war der Wal den Angaben zufolge immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich demnach in einem Netz verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.
Am 23. März war der Meeressäuger dann auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand bei Lübeck entdeckt worden. Eine umfangreiche Rettungsaktion startete, und in der Nacht zu Freitag (27. März) befreite sich der Buckelwal dann selbst durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne. Am Samstag (28. März) war der Wal dann allerdings wieder gestrandet - und zwar in der Wismarbucht.
Seitdem hält das Drama um den Buckelwal an. In der Nacht zu Sonntag (29. März) konnte sich der Meeressäuger bei steigendem Wasserstand zunächst selbst von einer Sandbank vor der kleinen Insel Walfisch in der Wismarbucht freischwimmen. Doch wenig später lag er erneut fest - ganz in der Nähe, an einer etwa zwei Meter tiefen Stelle. Augenscheinlich regungslos lag er am Sonntag dort, nur ab und zu stieß er eine Wasserfontäne in die Luft.
Zahlreiche Schaulustige am Wochenende - Sperrgebiet im Wasser
Die Behörden haben ein Sperrgebiet im Umkreis von 500 Metern rund um den Wal gezogen, in das kein Schiff oder Boot hineinfahren darf. Zahlreiche Schaulustige standen am Wochenende auf der Seebrücke, um einen Blick auf das Tier erhaschen zu können.
Der Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, Burkard Baschek, sagte, der Wal liege in einer Wassertiefe, die etwa der in der Nacht zu Sonntag entspreche, als sich das Tier selbst befreit habe. Er beschrieb die jüngste Situation deshalb nicht als Strandung, sondern als "Leibaufsetzen" des Wals.
Der Ernährungszustand des Wals ist gut, wie Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover am Wochenende sagte. Buckelwale könnten wochenlang ohne Nahrung auskommen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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