Klimaphänomen im Pazifik
Neues El-Niño-Ereignis möglich: Was auf die Welt zukommen könnte
Veröffentlicht:
von Benedikt RammerEin neues El-Niño-Ereignis könnte schwere Hitzewellen auslösen.
Bild: Rebecca Noble/FR172322 AP/AP/dpa
Mehrere Wettermodelle zeigen Anzeichen für ein neues El-Niño-Ereignis im tropischen Pazifik. Fachleute warnen: Sollte sich das Meer deutlich erwärmen, könnten Dürren, Starkregen und Hitzewellen weltweit zunehmen.
Das Wichtigste in Kürze
Wettermodelle von NOAA und europäischen Diensten zeigen, dass sich im tropischen Pazifik ein neues El-Niño-Ereignis aufbauen könnte.
Ein starkes El Niño würde Dürren, Starkregen und Naturkatastrophen insbesondere in den Tropen wahrscheinlicher machen und die globale Temperatur zusätzlich erhöhen.
Europa ist indirekt betroffen, etwa durch mögliche Kälteeinbrüche, Hitzewellen in Südeuropa und wirtschaftliche Folgen wie Ernteausfälle.
Im tropischen Pazifik deutet sich laut verschiedenen Wettermodellen ein neues El-Niño-Phänomen an. Daten der US-Behörde NOAA und europäischer Klimadienste zeigen laut dem Bayerischen Rundfunk (BR), dass sich das Oberflächenwasser entlang des Äquators in den kommenden Monaten erwärmen könnte. Wie stark der Pazifik tatsächlich wärmer wird, ist bisher unklar. Entscheidend sei der Blick auf die sogenannten Niño-3.4-Werte, erklärt die Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College London dem Bayerischen Rundfunk (BR). Dabei werde gemessen, wie stark die Temperatur der Meeresoberfläche vom langjährigen Mittel abweiche. Sind diese Werte deutlich erhöht, spricht man von El Niño, bei niedrigeren Werten von La Niña.
Die Chancen für ein starkes El-Niño-Ereignis lassen sich derzeit nur grob abschätzen. Friederike Otto nennt gegenüber dem BR eine Wahrscheinlichkeit von rund 20 Prozent. Das klinge zunächst nicht besonders hoch, sagt sie. Gleichzeitig warnt sie jedoch: Steigen die Ozeantemperaturen weiter, nehme auch dieses Risiko zu. Es sei deshalb "eine reale Gefahr, mit der man rechnen müsse".
Was El Niño im Pazifik verändert
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im Pazifik mit teils massiven Folgen. Der Name stammt aus Peru: Dort beobachteten Fischer, dass sich das Meerwasser in manchen Jahren um die Weihnachtszeit ungewöhnlich stark erwärmte und die Fänge einbrachen. Sie nannten das Phänomen nach dem Christkind "El Niño" – allerdings eines, "das keine schönen Geschenke brachte".
Normalerweise treiben Passatwinde warmes Oberflächenwasser von Südamerika nach Westen, Richtung Australien und Indonesien. Bei El Niño schwächen sich diese Winde ab, stoppen oder kehren sich sogar um. Das warme Wasser staut sich dann vor der südamerikanischen Küste. Die Folge sind dort Starkregen, Wirbelstürme und Überschwemmungen, während auf der anderen Seite des Pazifiks Dürren und Waldbrände zunehmen.
Von einem besonders starken Ereignis ist oft als "Super-El Niño" die Rede. Klimaforscher:innen weisen laut dem BR aber darauf hin, dass dies kein offizieller Standardbegriff ist. Gemeint ist damit ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis mit besonders hoher Erwärmung der Meeresoberfläche. Ob sich ein solches Extrem entwickelt, ist laut Expert:innen noch offen.
Die Klimaforscherin Daniela Matei vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg erinnert im BR daran, dass Prognosen täuschen können: Bereits 2014 schienen viele Hinweise auf ein starkes El-Niño-Ereignis hinzudeuten, "und dann kühlte sich das Meerwasser ab". Eine zuverlässige Vorhersage sei erst in einigen Monaten möglich. Alle Prognosen zeigten zwar aktuell auf El Niño, dennoch bleibe Unsicherheit.
Zusätzlicher Wärmeschub für eine ohnehin heiße Erde
Die größten Auswirkungen eines starken El Niño würden Fachleuten zufolge in den Tropen erwartet. Friederike Otto verweist etwa auf eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für Dürren im Amazonasgebiet. Dort kam es bereits Anfang 2024 zu einer extremen Dürre mit starken Hitzewellen und Waldbränden. In anderen Regionen drohen dagegen Starkregen, Überschwemmungen und schwere Naturkatastrophen.
El Niño verschiebt also nicht nur die Temperaturen im Pazifik, sondern verändert Wetterlagen weltweit. Manche Regionen leiden unter ausbleibendem Regen, andere bekommen plötzlich viel zu viel davon. Damit verstärkt das Phänomen bestehende Risiken für Landwirtschaft, Wasserverfügbarkeit und die Infrastruktur vieler Länder.
Auch in den News:
Brisant ist, dass ein starkes El-Niño-Ereignis die Erde zusätzlich zum menschengemachten Klimawandel erwärmen würde. Friederike Otto warnt laut dem BR, El Niño könne die globale Temperatur "noch einmal um einige Zehntelgrad" anheben. Auf die bereits laufende Erderwärmung käme damit ein weiterer Wärmeschub obendrauf.
Dadurch steigt auch die Wahrscheinlichkeit für extreme Niederschläge und Hitzewellen weltweit. El Niño wirkt dann wie ein natürlicher Verstärker in einer Welt, die durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas ohnehin schon aufgeheizt ist.
Folgen für Europa: Kälte, Hitze, Ernteausfälle
Europa liegt zwar nicht im Zentrum des El-Niño-Geschehens, könnte die Folgen aber durchaus spüren. Daniela Matei erklärt, im Zeitraum Januar bis März könne es zu Kälteeinbrüchen kommen, im Sommer vor allem zu Hitzewellen in Südeuropa. Indirekt spürt Europa El Niño zudem über wirtschaftliche Folgen: Ernteausfälle in von Dürre betroffenen Regionen der Welt können sich auch in europäischen Supermärkten bemerkbar machen.
Friederike Otto mahnt im Gespräch mit dem BR zur Einordnung. Man müsse natürliche Klimaschwankungen und menschengemachten Klimawandel zusammendenken. Gegen El Niño selbst könne man nichts tun, gegen den Klimawandel jedoch schon. Für sie ist wichtig, El Niño "weder zu dramatisieren noch zu verharmlosen". Das Phänomen gehe vorbei. Die menschengemachte Erwärmung dagegen bleibe. Solange weltweit weiter fossile Energien verbrannt werden, steige auch das Risiko, dass natürliche Klimaschwankungen wie El Niño auf einer immer heißeren Erde gefährlicher wirken.
Verwendete Quellen:
br.de: "Warnung vor Super-El-Niño: Droht ein globaler Hitzeschub?"
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