Wissenschaftlicher Durchbruch
Forscher entdecken neue Pinguinart – nach mehr als 100 Jahren
Veröffentlicht:
von Damian Rausch:newstime
Kaiserpinguine jetzt offiziell gefährdet
Videoclip • 02:16 Min • Ab 12
Eine neue Pinguinart sorgt für eine wissenschaftliche Überraschung. Genanalysen zeigen, dass Eselspinguine in vier eigenständige Arten unterteilt werden können.
Das Wichtigste in Kürze
Forschende haben auf den Kerguelen-Inseln die neue Pinguinart Pygoscelis kerguelensis identifiziert.
Genomdaten von 64 Tieren zeigen deutliche Unterschiede zwischen den vier Arten von Eselspinguinen.
Die neue Einteilung könnte Folgen für den Artenschutz haben, da drei der vier Arten Lebensraum verlieren könnten.
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Pinguine in einem Zoo. Forschende haben Eselspinguine genetisch neu untersucht und dabei eine bislang unbekannte Pinguinart identifiziert.
Bild: Sarah Knorr/dpa
Auf den abgelegenen Kerguelen-Inseln im südlichen Indischen Ozean haben Forschende eine bislang nicht beschriebene Pinguinart identifiziert. Der Südöstliche Eselspinguin trägt den wissenschaftlichen Namen Pygoscelis kerguelensis. Die Entdeckung ist Teil einer umfassenden Neubewertung der Eselspinguine, die lange als eine einzige Art galten.
Wie "t-online" berichtet, beendet die Untersuchung zugleich eine mehr als 100 Jahre alte wissenschaftliche Debatte über die Einordnung der Tiere. Ein internationales Forschungsteam kommt zu dem Ergebnis, dass Eselspinguine in vier eigenständige Arten unterteilt werden sollten.
Grundlage der im Fachjournal "Communications Biology" veröffentlichten Studie sind unter anderem Genomdaten von 64 Pinguinen aus zehn Brutkolonien. Hinzu kamen Untersuchungen von Körpermerkmalen, Lebensräumen und evolutionären Anpassungen. Die Forschenden identifizierten vier deutlich voneinander getrennte Entwicklungslinien: eine nördliche, südliche, östliche und südöstliche.
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Äußerlich sind die Unterschiede gering
Die neu beschriebene Art lebt auf den Kerguelen-Inseln und ist äußerlich nur schwer von anderen Eselspinguinen zu unterscheiden. Nach Angaben der University of California, Berkeley gibt es zwar leichte Unterschiede bei Größe und Lautäußerungen, besonders deutlich wird die Abgrenzung jedoch im Erbgut. Wissenschaftler sprechen deshalb von einer "kryptischen Art" – einer eigenständigen Art, die einer anderen äußerlich stark ähnelt.
Die genetischen Unterschiede entstanden über lange Zeiträume. Die geografische Isolation der verschiedenen Populationen sowie unterschiedliche Umweltbedingungen spielten dabei eine wichtige Rolle. In den Genomen fanden die Forschenden unter anderem Hinweise auf unterschiedliche Anpassungen bei Wärmeregulierung, Sauerstofftransport und Stoffwechsel.
Bereits frühere Untersuchungen hatten Zweifel daran geweckt, dass sämtliche Eselspinguine tatsächlich derselben Art angehören. Wie die University of Tasmania berichtet, hatte ein Forschungsteam schon 2020 vorgeschlagen, die Tiere in mehrere Arten aufzuteilen. Die neue Untersuchung kombiniert nun umfangreiche Genomdaten mit anatomischen Merkmalen, ökologischen Modellen und Evolutionsanalysen.
Einteilung könnte für Artenschutz wichtig werden
Die Neubewertung hat auch Konsequenzen für den Schutz der Tiere. Denn die vier Populationen entwickeln sich regional sehr unterschiedlich. Auf der Antarktischen Halbinsel breiten sich Eselspinguine teilweise aus, während Bestände in anderen Regionen zurückgehen. Auf den Falklandinseln wurden die Tiere in den vergangenen Jahren beispielsweise stark von der Vogelgrippe getroffen, berichtet die University of Tasmania.
Auch der Klimawandel könnte die einzelnen Arten unterschiedlich treffen. Modellierungen der Studie prognostizieren für drei der vier Entwicklungslinien erhebliche Verluste geeigneter Lebensräume. Der südliche Eselspinguin könnte sein Verbreitungsgebiet dagegen ausweiten.
Die Forschenden sprechen sich deshalb dafür aus, die vier Arten künftig getrennt zu betrachten und ihren jeweiligen Gefährdungsstatus einzeln zu bewerten. Allerdings ist die taxonomische Neubewertung noch nicht das letzte Wort: Entsprechende Fachgremien müssen die vorgeschlagene Einteilung prüfen.
Verwendete Quellen:
t-online: "Erstmals seit 100 Jahren – Forscher entdecken neue Pinguinart"
Communications Biology: "Integrative evidence reveals adaptive divergence and speciation in gentoo penguins" DOI
University of Tasmania: "Meet the four gentoos: new research rewrites penguin family tree"
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