"Er ist noch da"
Buckelwal Timmy liegt noch vor Insel Poel - Vorbereitungen zur Bergung
Aktualisiert:
von Anne Funk:newstime
Kaum Hoffnung für verirrten Wal
Videoclip • 01:10 Min • Ab 12
Es gibt kaum noch Hoffnung: Der Buckelwal liegt weiterhin in der Wismarer Bucht vor der Insel Poel fest. Expert:innen gehen davon aus, dass der Wal dort stirbt.
Das Wichtigste in Kürze
Die Rettungsversuche für den in der Ostsee erneut festsitzenden Buckelwal "Timmy" sind eingestellt.
Das Tier ist geschwächt, ihn erneut zu animieren würde man als Tierquälerei empfinden, so der Direktor des Deutschen Meeresmuseums.
Nun werden Maßnahmen getroffen, um im Fall seines Todes des Kadaver abtransportieren zu können.
Der in der Ostsee festliegende Buckelwal Timmy hat sich auch in der Nacht nicht von der Stelle bewegt. Der Meeressäuger lag am Donnerstagmorgen (2. April) an unveränderter Position in der Kirchsee-Bucht.
"Er ist noch da", sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei am Morgen. Die Hoffnungen, dass er sich doch aus eigenem Antrieb befreit und den Weg ins tiefere Wasser findet, wurden nicht erfüllt.
Ob Timmy noch lebt, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen. "Die Bootsbesatzung heute Nacht war nicht nah genug dran, um zu sehen, ob er noch atmet oder nicht." Auf den Livebildern aus der Bucht waren gegen 6:30 Uhr aber noch regelmäßig kleine Wasserfontänen zu erkennen. Es ist das vierte Mal, dass sich der Wal in den vergangenen Wochen an der Ostseeküste festschwamm.
Am Donnerstagmittag teilte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) mit, dass nun bereits Vorbereitungen für den Tod des Tieres getroffen werden. Ein Vermessungsboot erkundete die Umgebung des Wals. "Dabei handelt es sich um vorbereitende Maßnahmen, um den Tierkörper später bergen zu können. Die Vermessung wird so schonend wie möglich unternommen, um das Tier nicht zu stören."
Das gute Wetter und die glatte Wasseroberfläche seien optimal für die Messungen gewesen, sagte ein Sprecher des Ministeriums der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das Boot sei "extrem langsam und möglichst geräuschlos" an den Meeressäuger herangefahren. Der Wal lebe, er atme aktuell im Abstand von rund fünf Minuten. Immer wieder waren seine Fontänen zu sehen gewesen.
Weiterhin werde das Tier bewacht, die Situation in täglichen Lagebesprechungen kontinuierlich bewertet und abgewogen, sagte Backhaus. "Bis zur letzten Minute werden alle ernstzunehmenden Hinweise, die dem Tier helfen könnten, entgegengenommen und geprüft."
Planungen für Obduktion des Wales laufen
Unterdessen laufen am Deutschen Meeresmuseum zusammen mit den Behörden die Planungen für eine wissenschaftliche Obduktion, sollte der Wal sterben, wie das Museum mitteilte. Nach seinem Tod soll das Tier zur Insel Dänholm transportiert und dort von externen und unabhängigen Expert:innen obduziert werden. All dies werde umfassend dokumentiert.
Neben Untersuchungen zu möglichen Krankheiten und zur Todesursache sollen auch der Körper und die Organe des Wals vermessen, gewogen und beprobt werden. Die Proben sollten später der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden, hieß es. Ein Großteil des Walkörpers soll fachgerecht durch ein spezialisiertes Entsorgungsunternehmen behandelt werden.
Aktuell werde zudem ein Angebot zur wissenschaftlichen Sicherung des Walskeletts geprüft, dass dem Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock vorliege. Damit könnte das Skelett für Forschung, Lehre und öffentliche Bildungsarbeit genutzt werden.
Am Mittwoch (1. April) war beschlossen worden, keine Rettungsversuche mehr zu unternehmen. Das Tier soll in Ruhe gelassen werden, hatte Backhaus mitgeteilt. Der Politiker sprach von einem emotionalen Tag.
Laut Backhaus sei eine Sperrzone eingerichtet worden, der Wal solle zur Ruhe kommen – und schließlich das Zeitliche segnen. "Wir haben alles unternommen, um ihm seine Chance zu geben. Das ist eine einzigartige Tragödie. Die hat er sich aber so ausgesucht", erklärte Backhaus.
Experte gibt Tier kaum Überlebenschance
Der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, gibt dem Tier kaum eine Überlebenschance. Man gehe davon aus, dass das Tier sterbe. Aussichten, dass der geschwächte Wal erneut freikomme, bezeichnete er als sehr gering.
Baschek sprach von einer unregelmäßigen Atemfrequenz. "Die Reaktion auf uns, auf unsere Präsenz, war quasi null", so der Experte. Zudem seien die Brustflossen nah am Körper angelegt gewesen und die Bedingungen in der Bucht schlecht. Schon jetzt liege das Tier deutlich freier und der Wasserstand werde noch weiter sinken.
"Wir müssten ihn so massiv animieren, was aussichtslos wäre, weil er die Kraft nicht mehr hat. Und die Erfolgschancen sind so gering, dass wir das als reine Tierquälerei empfinden würden", so der wissenschaftliche Direktor des Meeresmuseums. "Der Ansatz der maximalen Ruhe und der Respekt vor der Natur gebietet es auch, irgendwann dann mal ihn gehen zu lassen." Seine letzte Chance am Montagmorgen habe der von Medien "Timmy" getaufte Wal nicht nutzen können.
Tier liegt in flachem Wasser
Buckelwal Timmy liegt noch immer vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns in flachem Wasser. Das hatte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei erklärt. Zwei Polizisten waren demnach am Mittwochmorgen zum Wal gefahren, um zu überprüfen, wie es ihm geht.
Das Tier liege derzeit in der Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht. In der Nacht ist der Wal laut dem Sprecher "sehr aktiv" gewesen. Einzelheiten konnte er dazu nicht nennen.
Seit Dienstag sitzt der Wal erneut fest. Das teilten Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) und die Umweltschutzorganisation Greenpeace bei einer Pressekonferenz mit. Er habe sich leider nicht an die Route gehalten, sagte Backhaus.
Die Pressekonferenz von Umweltminister Till Backhaus und Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace kannst du dir hier noch einmal anschauen:
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Zuletzt war er nach seinem zwischenzeitlichen Abtauchen erneut in der Ostsee vor Wismar gesichtet worden. Er schwamm zunächst frei, hatte das Deutsche Meeresmuseum mitgeteilt. Das war auch auf Bildern einer Live-Kamera zu sehen, auf denen sich das Tier bewegt.
Der Buckelwal lag seit mindestens Samstag (28. März) in der Bucht vor Wismar in flachem Wasser und wurde von Schaulustigen abgeschirmt. Am Montagabend (30. März) hatte sich der Wal mit steigendem Wasserstand bewegt und war dann abgetaucht.
"Die Ruhe, die wir dem Wal gegeben haben, hat sich ausgezahlt. Er hat genug Kraft getankt, um auf die Motivation durch unser Boot zu reagieren und loszuschwimmen", sagte der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD) am Montag. Leider habe der Wal zunächst die falsche Richtung – Richtung Hafen – eingeschlagen. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei war das Tier später am Abend dann aber seewärts unterwegs.
"Der Wal kämpft - aber er ist angeschlagen", so Backhaus zuvor. Jetzt müsse er sich selber helfen. Der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, sagte: "Wir haben uns mit internationalen Experten ausgetauscht, die uns geraten haben, den Wal mit Lärm zu aktivieren. Dafür haben wir die richtige Situation abgewartet."
Sandra Schöttner von der Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete die Aktion als "guten ersten Schritt auf dem Weg", auch wenn der Weg des Wals noch weit sei. Die Wasserschutzpolizei wird eigenen Angaben zufolge die ganze Nacht im Einsatz sein.
Der Zustand des vor der Ostseeküste liegenden Buckelwals hatte sich dem Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern zuvor gebessert. Das Tier habe auf die Annäherung eines Bootes reagiert, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montagbend. Auch habe das Tier agiler als zuvor gewirkt.
Auch in den News:
Kaum Reaktion auf Schlauchboot am Montag
Auch eine Meeresschutz-Expertin der Organisation Greenpeace äußerte sich zum Zustand des Wals. Er sei weiterhin allgemein geschwächt und liege "nach wie vor unverändert hier in der Bucht, und er atmet auch weiterhin", sagte Franziska Saalmann im ZDF-"Morgenmagazin".
Als das Team am Montagmorgen (30. März) mit einem Schlauchboot in die Nähe des Tieres gefahren sei, habe der Wal nicht viel Reaktion gezeigt. "Der Wasserstand ist auch noch etwas gesunken, was es für ihn jetzt erschwert, sich zu befreien."
Zudem sei nicht klar, ob er dann überhaupt den Weg zurück in die Nordsee finden werde. "Wir wissen nicht genau, was für Krankheiten er eventuell hat. Und ob und inwiefern seine Orientierung und sein Allgemeinzustand so sehr geschwächt sind, dass er jetzt auch durch menschliche Einflüsse und die verbliebenen Netzreste, die er noch im Maul hat, so geschwächt ist, dass er einfach nicht richtig klarkommt und sich nochmal verirrt."
Das Experten-Team will die Hoffnung auf ein Überleben und Freischwimmen nicht aufgeben, wie Saalmann weiter sagte. "Die Überlebenschancen werden leider nicht besser, (...) wenn er in der Ostsee weiter bleibt, allein wegen des Salzgehalts und weil es einfach nicht seine natürliche Heimat ist."
Der Wal müsse eigentlich dringend die Ostsee verlassen. "Wir hoffen, dass er die Kraft zusammenkriegt, und wir beratschlagen auch darüber, welche Maßnahmen wir anschließen können, um ihn bestmöglich zu unterstützen."
Wal seit Anfang März an Ostseeküste unterwegs
Seit Anfang März war der Wal den Angaben zufolge immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich demnach in einem Netz verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.
Am 23. März war der Meeressäuger dann auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand bei Lübeck entdeckt worden. Eine umfangreiche Rettungsaktion startete, und in der Nacht zu Freitag (27. März) befreite sich der Buckelwal dann selbst durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne. Am Samstag (28. März) war der Wal dann allerdings wieder gestrandet - und zwar in der Wismarbucht.
Seitdem hält das Drama um den Buckelwal an. In der Nacht zu Sonntag (29. März) konnte sich der Meeressäuger bei steigendem Wasserstand zunächst selbst von einer Sandbank vor der kleinen Insel Walfisch in der Wismarbucht freischwimmen. Doch wenig später lag er erneut fest - ganz in der Nähe, an einer etwa zwei Meter tiefen Stelle. Augenscheinlich regungslos lag er am Sonntag dort, nur ab und zu stieß er eine Wasserfontäne in die Luft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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