Notfälle auf hoher See

Krank auf Kreuzfahrt: Was an Bord medizinisch möglich ist

Veröffentlicht:

von Nadine von Parseval

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Hantavirus: Drei Tote auf Kreuzfahrt

Videoclip • 38 Sek • Ab 12


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Ein aktueller Krankheitsfall auf See sorgt für Aufmerksamkeit und wirft Fragen zur medizinischen Versorgung auf Kreuzfahrtschiffen auf. Zwar sind Schiffe gut ausgestattet, doch nicht jeder Notfall kann an Bord gelöst werden. Entscheidend sind Vorbereitung und richtige Absicherung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik sind drei Menschen mutmaßlich an einer Hantavirus-Infektion gestorben, weitere Fälle wurden bestätigt.

  • Bordhospitäler sind gut ausgestattet und können viele medizinische Probleme versorgen, ersetzen aber kein Krankenhaus an Land.

  • Laut Schiffsarzt Reinhard Friedl entstehen viele gesundheitliche Probleme durch vermeidbare Fehler bei Vorbereitung und Medikamenten.

Ein Krankheitsausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik sorgt aktuell für Aufmerksamkeit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind drei Menschen mutmaßlich an einer Infektion mit dem Hantavirus gestorben, weitere Fälle wurden bestätigt. Der Erreger kann schwere Atemwegserkrankungen auslösen und wird meist über Kontakt mit Ausscheidungen von Nagetieren übertragen.

Medizinische Versorgung an Bord: gut ausgestattet, aber begrenzt

Es sind zum Glück nicht immer so schwere Fälle wie eine Hantavirus-Infektion, aber auf hoher See braucht es regelmäßig ärztliche Hilfe. Moderne Kreuzfahrtschiffe verfügen heute über umfangreiche medizinische Einrichtungen. Auf AIDA-Schiffen etwa gibt es ein Bordhospital mit Ärzt:innen und Pflegepersonal, ausgestattet für Notfälle, Diagnostik und Erstversorgung. Dazu gehören laut der Homepage des Unternehmens unter anderem Sauerstofftherapie, Blutuntersuchungen, Wundversorgung und bestimmte Medikamente. Auch spezielle Behandlungen wie eine Bauchfelldialyse sind möglich.

Reinhard Friedl, Schiffsarzt einer deutschen Reederei, erklärt gegenüber "Travelbook": "Die Ausstattung an Bord ist vergleichbar mit einer Notaufnahme an Land: mehrere Sprechzimmer, Labor, Apotheke, Röntgen, Ultraschall, ein OP und eine Intensivstation. Ja, wir könnten einen Blinddarm operieren. Aber solche Eingriffe sind die absolute Ausnahme."

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Viele Fälle wären vermeidbar

Nach Einschätzung des ehemaligen Herzchirurges entstehen viele medizinische Probleme nicht erst an Bord, sondern durch mangelnde Vorbereitung. Häufig reisen Menschen bereits angeschlagen oder greifen bei Beschwerden zunächst zu frei verkäuflichen Mitteln, die nicht immer ausreichen.

Auch beim Umgang mit Medikamenten sieht er wiederkehrende Fehler. Besonders kritisch sei es, wenn blutdruck- oder gerinnungsrelevante Medikamente kurz vor der Reise verändert werden. Solche Anpassungen sollten idealerweise frühzeitig und ärztlich begleitet erfolgen. Ebenso wichtig: Medikamente gehören ins Handgepäck. Und wenn etwas fehlt, sollte nicht improvisiert werden. "Bitte nicht halbieren oder einfach weglassen, sondern im Bordhospital vorstellig werden", rät Friedl.

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Wenn es ernst wird: Behandlung und Evakuierung

Kommt es zu schweren medizinischen Notfällen, kann das Bordhospital nur begrenzt eingreifen. In solchen Fällen wird der/die Patient:in stabilisiert und anschließend so schnell wie möglich an ein Krankenhaus an Land übergeben. Die Evakuierung erfolgt häufig per Hubschrauber oder über Rettungsboote der Küstenwache – abhängig von Wetter und Seegang. Auf See selbst ist eine direkte Landung eines Helikopters meist nicht möglich, weshalb Patient:innen oft über ein Seil vom Schiff aufgenommen werden.

Kosten und Versicherung: oft unterschätzt

Ein entscheidender Punkt bleibt aber auch die Abrechnung. Medizinische Behandlungen an Bord gelten als Privatleistung und werden direkt über die Bordrechnung abgerechnet. Eine Zahlung über die gesetzliche Krankenkasse ist nicht möglich. Reisende müssen daher zunächst selbst zahlen und später eine Erstattung beantragen. Expert:innen empfehlen deshalb dringend eine Auslandskrankenversicherung sowie eine Reiseabbruchversicherung, um im Ernstfall abgesichert zu sein.


Verwendete Quellen:

TRAVELBOOK: "Schiffsarzt verrät: »Diese Fehler machen Kreuzfahrt-Passagiere immer wieder"

Crucero: "Gesundheitliche Notfälle an Bord: Das müssen Urlauber wissen"

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