Ukraine-Krieg

Russland Mobilisierung im Ukraine-Krieg: Verluste höher als Rekrutierung?

Veröffentlicht:

von Damian Rausch

Russische Soldaten auf einem Kampfpanzer. Laut ukrainischen Angaben bleiben die Verluste im Ukraine-Krieg hoch, während die Mobilisierung neuer Kräfte zuletzt schwächer ausfällt.

Bild: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa


Russlands Verluste im Ukraine-Krieg bleiben hoch, doch die Zahl neuer Rekrut:innen sinkt offenbar. Ukrainische Militärangaben sprechen von einem negativen Saldo – trotzdem steht Moskau wohl nicht unmittelbar vor einer Personalkrise.

Das Wichtigste in Kürze

  • Russland soll im Januar rund 22.000 Soldat:innen rekrutiert, aber etwa 30.600 verloren haben.

  • Der Kreml könnte die Zahl der Vertragssoldat:innen bei Bedarf erhöhen und 2026 bis zu 400.000 Kräfte mobilisieren.

  • Zusätzlich wurden rechtliche Voraussetzungen geschaffen, um Reservist:innen schrittweise in den Ukraine-Krieg zu schicken.

Russlands Mobilisierung im Ukraine-Krieg gerät offenbar unter Druck. Nach ukrainischen Militärangaben sinkt die Zahl neu gewonnener Soldat:innen. Die russischen Verluste bleiben hoch. Eine unmittelbare Personalkrise lässt sich daraus jedoch nicht zwingend ableiten.

Wie n-tv berichtet, erklärte der Kommandeur der ukrainischen Drohneneinheiten, Robert "Magyar" Brovdi, im Januar seien rund 22.000 russische Soldat:innen rekrutiert worden. Im selben Zeitraum habe die Zahl der verifizierten eliminierten russischen Kämpfer etwa 30.600 betragen. Das entspreche einem negativen Saldo von 8.600 Soldat:innen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

Auch der ukrainische Armeechef Oleksandr Syrskyj schrieb, Moskau sei schon "seit Langem" nicht mehr in der Lage, seine Truppen ausreichend zu verstärken. Monatlich lägen die Verluste über der Mobilisierungsrate.


Hohe Verluste, sinkende Mobilisierung

Viele Beobachter:innen gingen bislang davon aus, dass Russland seine monatlichen Verluste von rund 30.000 getöteten oder schwer verwundeten Soldat:innen durch hohe Prämien für freiwillige Vertragssoldat:innen ausgleichen könne. Seit Ende vergangenen Jahres soll diese Strategie jedoch weniger effektiv greifen.

Dennoch sieht das Medium "Kyiv Independent" unter Berufung auf den ukrainischen Militärgeheimdienst keine akute Personalnot. Demnach könne der Kreml die Rekrutierung von Vertragssoldat:innen bei Bedarf deutlich erhöhen. Für 2026 werde mit mindestens 400.000 neu mobilisierten Kräften gerechnet.

Reservist:innen als strategische Reserve

Zusätzlich habe Russland laut dem US-Institut für Kriegsstudien (ISW) bereits im Herbst die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um Reservist:innen einzusetzen. "Der Kreml bereitet sich darauf vor, Reservisten schrittweise zu mobilisieren, um erstmals in der Ukraine zu kämpfen", erklärte die Denkfabrik unter Berufung auf russische Quellen.

Demnach verfüge die aktive Reserve über rund zwei Millionen Mitglieder:innen – ehemalige Wehrdienstleistende sowie Personen mit Vertrag beim Verteidigungsministerium. Sie bleiben bis zu einer Einberufung Zivilist:innen und erhalten eine finanzielle Entschädigung.

Eine groß angelegte Mobilisierung gilt weiterhin als politisch riskant. Die Teilmobilisierung von 300.000 Reservist:innen im Jahr 2022 führte dazu, dass Hunderttausende Männer zumindest zeitweise das Land verließen.

Gleichzeitig verfolgt die Ukraine das Ziel, monatlich 50.000 russische Soldat:innen kampfunfähig zu machen – vor allem durch verstärkten Drohneneinsatz. Sollte diese Strategie Wirkung zeigen, könnte die Russland Mobilisierung im Ukraine-Krieg langfristig stärker unter Druck geraten.

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Verwendete Quellen:

n-tv: "Brechen Russland die Freiwilligen für den Krieg weg?"

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