Wissenschaftler erklärt
Super-El-Niño trifft Klimawandel: Warum das gefährliche Duo auch Deutschland erfasst
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Klima: Europa wärmt sich am schnellsten (29. April)
Videoclip • 30 Sek • Ab 12
Rekordtemperaturen, Dürren, Extremwetter: Wissenschaftler:innen warnen vor einem besonders starken El Niño. Klimaforscher Harald Kunstmann erklärt, was auf Deutschland zukommt – und warum es ein Fehler sei, sich in Sicherheit zu wiegen.
Das Wichtigste in Kürze
Das Wetterphänomen El Niño erwärmt die Meeresoberfläche und verändert global die Luft- und Windströmungen.
Im Interview mit :newstime erklärt der Wasser- und Klimaforscher Harald Kunstmann, warum dies vor allem angesichts des Klimawandels problematisch ist.
Gegen Weihnachten sei sogar mit einem möglicherweise monatelangen und extrem starken El Niño zu rechnen, inklusive Hochwasser und Dürre.
Starke Niederschläge, ausgetrocknete Flüsse, extreme Dürre: Hinter uns liegt ein Sommer der Extreme. Ein Zufall ist das nicht. Neben der globalen Klimaerwärmung setzt das sogenannte El-Nino-Phänomen Natur und Mensch zunehmend zu. Berechnungen von Wetterbehörden gehen sogar von einem "Super"-El-Niño aus, der schon in wenigen Monaten weite Teile der Weltbevölkerung erwartet. Der Wasser- und Klimaforscher Professor Harald Kunstmann erklärt im Gespräch mit :newstime, warum sich auch Deutschland wappnen muss.
Auch in den News:
El Niño: Warum er neue Extreme erreicht
Der El Niño ist per se ein natürliches Phänomen, bei dem die Meeresoberfläche im zentral-östlichen äquatorialen Pazifik erwärmt wird. Normalerweise drücken Passatwinde das warme Wasser nach Westen, anschließend strömt kühleres Wasser nach.
Bei El-Niño-Lagen sind diese Winde aber schwächer. Folglich steigt in den betroffenen Regionen warme, feuchte Luft auf, was die weltweiten Wind- und Luftströmungen verändert. Diese führen zu gegensätzlichen Effekten: In Regionen, wo normalerweise viel Regen fällt, kommt es zu Dürre. Andersherum werden trockene Regionen zu Hochwassergebieten.
"El-Niño-Jahre sind noch mal weit wärmer als die normalen Jahre", erklärt Harald Kunstmann gegenüber :newstime. Auf den Trend einer bereits fortgeschrittenen globalen Erderwärmung komme ein El-Niño-Jahr also noch obendrauf. Auch wenn El Niño, aus dem Spanischen "das Kind" beziehungsweise "das Christkind", klassischerweise um die Weihnachtszeit auftritt, müsse man sich bereits jetzt auf seine immensen Folgen vorbereiten. "Die Wahrscheinlichkeit eines extrem starken El Niños ist im Moment sehr hoch", schlussfolgert Kunstmann. Und: Er könne etliche Monate, wenn nicht sogar ein ganzes Jahr andauern.
Konkret nennt der Experte bereits absehbare Temperaturrekorde und ein starkes Aufkommen an Extremereignissen im kommenden Jahr. Aktuell befinde man sich in einer "Vorwarnzeit", in der sich Staaten und Landwirtschaft auf Dürre und starke Niederschläge einstellen müssten. Direkt sei Deutschland vergleichsweise wenig betroffen – doch die indirekten Folgen würden die Bevölkerung auch hierzulande stark zu spüren bekommen.
"Es wäre ein totaler Fehler, sich in Sicherheit zu wiegen"
"Wir sind als Teil einer Weltwirtschaft natürlich abhängig von Lieferungen weltweit", führt der Klimaforscher an. Deutschland beziehe Nahrungsmittel aus Regionen, die von vergleichsweise viel oder eben extrem wenig Wasser infolge des El Niño betroffen seien. Es könne demnach zu massiven Ernteausfällen und auch zu menschlichen Katastrophen infolge von Extremwetterereignissen kommen. Beides hat langfristig Auswirkungen auf Deutschland. Doch dabei bleibt es nicht.
"Je mehr El Ninos wir haben, je mehr auch die Klimaänderung voranschreitet, muss man das auch immer wieder neu überprüfen, inwieweit El Niño tatsächlich auch einen direkten Einfluss auf uns hat", erklärt Harald Kunstmann im Interview mit :newstime. Es sei ein Irrtum zu glauben, Deutschland sei von all dem nicht betroffen. Und das auch ohne El Niño, denn allein durch die Erderwärmung sei man in Deutschland "gut beraten".
"Es wäre ein totaler Fehler, sich in Sicherheit zu wiegen", warnt der Experte. "Es war doch bis jetzt alles ganz okay, es wird auch weiterhin okay sein – nein. Wir sind in einer Zeit eines sehr schnellen Wandels." Der Hitze-Sommer 2026 verdeutliche die große Belastung für Ökosysteme, Wirtschaft – und letztendlich auch für unseren Wohlstand. In Zukunft müsse man mehr und mehr mit solchen Extremjahren rechnen, so Klimaexperte Kunstmann, und diese auch ernst nehmen: "Jedes einzelne dieser beiden Jahre bedeutet ein massives Problem. Das müssen wir uns bewusst machen."
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Schwester von König Harald
Prinzessin Astrid von Norwegen: Hof verkündet Tag der Beisetzung

Pestizide, Mineralöl und Zucker
Studentenfutter im Test: Sechs Mischungen fallen bei Öko-Test durch

Erschreckendes Ergebnis
Speisesalz bei Öko-Test: Nur fünf Produkte sind unbedenklich

Hessen
Frankfurt am Main: Patient nach Malaria-Infektion gestorben

Deadline rückt näher
Führerschein-Umtausch: Frist endet im Januar 2027

Schieflage
Bilfinger streicht bis zu 1.500 Stellen – das ist der Grund





