Expertin sieht Pressefreiheit bedroht

"Gender Gap" im Weißen Haus? Warum Donald Trump am liebsten Frauen beleidigt

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

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Neue Massenproteste gegen Trump (29. August)

Videoclip • 01:46 Min • Ab 12


Donald Trump sieht sich als Frauenliebhaber. Zwischendurch bezeichnet er diese gern mal als "fettes Schwein", "unattraktiv" oder "drittklassig". Die gehäuften Beleidigungen explizit gegenüber Frauen seien kein Zufall – das will eine Analyse des Nachrichtenportals "Axion" zeigen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das US-Nachrichtenportal "Axion" wertete öffentliche Trump-Aussagen gegenüber Journalist:innen aus.

  • Dabei sollen besonders Frauen Zielscheibe des Präsidenten gewesen sein – vor allem, wenn es um persönliche Beleidigungen geht.

  • Laut dem Weißen Haus seien Trumps Aussagen unabhängig vom Geschlecht, sondern lägen vielmehr im niedrigen medialen Vertrauen gegenüber dem Präsidenten.

Niemand hat mehr Respekt vor Frauen als der Präsident der Vereinigten Staaten – das sagt zumindest Donald Trump laut einem CNN-Bericht über sich selbst. Seine Gefühle für die weibliche Spezies gehen allerdings weit über das hinaus: "Ich respektiere Frauen, ich liebe Frauen, ich schätze Frauen", legte der Präsident 2015 in einer TV-Sendung nach.

Doch öffentliche Aussagen Trumps sprechen eine andere Sprache. Neben Gewaltandrohungen fallen hier Worte wie "unattraktiv", "schlecht" oder "zweitklassig" – alle gegenüber weiblichen Journalistinnen, wie das US-amerikanische Nachrichtenportal "Axios" berichtet. Die Online-Plattform hat nach eigenen Angaben zahlreiche Trump-Aussagen gegenüber Pressevertreter:innen ausgewertet und verglichen. Das Ergebnis: ein "gender gap", also eine Geschlechterlücke – auf Kosten der Frauen.

Auch in den News:

Frauen sollen leise sein – aber bitte nicht fett

Wie der "Spiegel" berichtet, bezeichnete Trump etwa seine Kollegin Kamala Harris im Wahlkampf 2024 als "drittklassig". Frankreichs First Lady Brigitte Macron sei dagegen "gut in Form", die Schauspielerin Rosie O'Donnell nannte er ein "fettes Schwein". Wenn Trump etwas zu Frauen zu sagen hat, dann scheint das meist persönlicher oder äußerlicher Natur zu sein.

Die von "Axios" ausgewerteten Aussagen gegenüber Journalistinnen bestätigen dies. Mindestens 13 Mal habe der Präsident innerhalb der letzten eineinhalb Jahre Reporterinnen verbal herabgewürdigt, beleidigt oder bedroht, so der Bericht.

Ende 2025, im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit, habe Trump die Reporterin Catherine Lucey vom Nachrichtenportal Bloomberg als "Schweinchen" bezeichnet, nachdem sie ihm eine Frage zum verurteilten Sexhändler Jeffrey Epstein gestellt hatte. Rachel Scott von ABC News sei dagegen "eine der schlechtesten Reporterinnen".

Weiter geht es mit Kristen Holmes von CNN, einer "lauten, ausgelassenen Person", die Trump aufgefordert haben soll, "still zu sein". Laut "Axios" sind vor allem Reporterinnen mit Migrationshintergrund ein ganz großes Dorn im Auge des Präsidenten. Wiederholt habe er diese als "zweitklassig" oder "unangenehm" bezeichnet und ihre Intelligenz in Frage gestellt.


Kritik sei "Bedrohung" für die USA

Trumps jüngste Äußerungen Ende August richteten sich an die "New York Times"-Reporterin Maggie Haberman und die Moderatorin der Sendung "Meet the Press", Kristen Welker. So sei Habermann eine "innerlich und äußerlich unattraktive Person" und eine "BETRÜGERIN". Alles in Großbuchstaben, ein Stilmittel, welches der Präsident häufig in seinen Posts auf Social Media verwendet.

Kristen Welker kommt jedoch nicht mit "nur" einer Beleidigung davon. Trump drohte der Moderatorin vergangenen Sonntag (31. August) laut dem Bericht, er werde sie bei der US-amerikanischen Bundesbehörde FCC melden, damit sie "gerügt oder bestraft" werde. Hintergrund sei ihre Aussage in "Meet the Press" gewesen. Welkers hatte geäußert, sie glaube, dass seine Unterstützung derzeit weniger politisches Gewicht habe als in vergangenen Jahren – eine "Bedrohung für unser Land", so Trump.


(K)eine Frage des Geschlechts?

Angesichts der Vorfälle zieht "Axios" eine klare Korrelation zwischen Geschlecht und den Anfeindungen. Donald Trump greife zwar auch männliche Reporter an, allerdings passierten diese auf oft weitaus weniger persönlichen Ebenen.

Olivia Wales, eine Sprecherin des Weißen Hauses, sieht in den Äußerungen einen anderen Grund. "Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun", so Wales gegenüber "Axios". "Es hat ausschließlich damit zu tun, dass das Vertrauen des Präsidenten und der Öffentlichkeit in die Medien auf einem historischen Tiefstand ist." Eine Umfrage der University of Massachusetts Amherst bezeugt dies. Laut aktuellen Werten seien zumindest Trumps Zustimmungswerte auf einem absoluten Tiefpunkt.

Doch die wiederholten Angriffe des Präsidenten auf Reporterinnen tragen kaum dazu bei, dieses Vertrauen wieder aufzubauen, so Lauren Harper, Inhaberin des Daniel-Ellsberg-Lehrstuhls für Regierungsgeheimnisse bei der Freedom of the Press Foundation, gegenüber "Axios".

"Das ist eine Fortsetzung seiner Angriffe auf die freie Presse und seiner Absicht, sie einzuschüchtern und für Berichterstattung zu bestrafen, die ihm nicht gefällt", sagt Harper. "Es ist (…) eine Fortsetzung der Angriffe insbesondere auf Frauen. Das ist ein wiederkehrendes Thema bei ihm." Wolle Trump sein Vertrauen in der Öffentlichkeit stärken, müsse er vor allem zu einem bereit sein: auch mit Skeptikerinnen seiner Politik ins Gespräch zu kommen.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Axios: "Trump's press attacks reveal a gender gap"

CNN: "12 times Donald Trump declared his 'respect' for women"

University of Massachusetts Amherst: "Over Two-thirds of Americans Disapprove of President Trump’s Handling of Iran War, as 4 in 5 Say the War Has Increased Food and Gas Prices"

Der Spiegel: "Trump irritiert mit Lob auf Harris’ Schönheit"

Die Zeit: "Trump kommentiert Brigitte Macrons Aussehen"

ntv: "Trump hat ein Problem mit Frauen"

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