BPA in Konserven
Öko-Test: Dosenlebensmittel im Vergleich - Markenprodukt stark belastet
Aktualisiert:
von Claudia Scheele:newstime
Öko-Test und Stiftung Warentest im Vergleich
Videoclip • 01:35 Min • Ab 12
Öko-Test hat 52 Dosenlebensmittel untersucht. Das Ergebnis: In den meisten Produkten finden sich hohe oder sehr hohe Mengen hormonwirksamer Bisphenole.
Das Wichtigste in Kürze
Öko-Test fand bei 42 von 52 untersuchten Dosenlebensmitteln hohe oder sehr hohe Bisphenol-Belastungen.
BPA, BPS und BPF können aus Beschichtungen in Lebensmittel übergehen und stehen wegen möglicher hormoneller und fortpflanzungsschädigender Wirkungen in der Kritik.
Verbraucher:innen sollten möglichst frische Lebensmittel kaufen und angebrochene Konserven in ein Schraubglas umfüllen.
Konserven gelten seit Langem als mögliche Quelle für Bisphenol A (BPA). Die Chemikalie kann aus Beschichtungen im Inneren von Dosen oder von deren Außenlack in Lebensmittel übergehen. Öko-Test hat deshalb 52 Produkte im Labor untersuchen lassen – darunter Linseneintöpfe, Ravioli, Gemüse, Ananas, Heringsfilets und Getränke in Dosen.
Das Ergebnis fällt laut Öko-Test ernüchternd aus: Bei 42 von 52 Produkten war die Belastung mit Bisphenolen "hoch" oder "sehr hoch". Bei einigen Konserven lagen die gemessenen BPA-Mengen demnach mehr als 100-fach über der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegten tolerierbaren Tagesdosis.
Darunter auch ein beliebtes Markenprodukt: Die "Maggi Ravioli in Tomatensauce" seien das Testprodukt mit dem höchsten nachgewiesenen BPA-Gehalt. Dieser liege für eine Portion von 400 Gramm 833-mal so hoch wie der Wert, den die EFSA bei einer täglichen Aufnahme für noch akzeptabel hält.
Nur wenige Produkte kaum belastet
Sechs Produkte waren laut Öko-Test nicht messbar oder nur mit sehr geringen Spuren von BPA, BPS oder BPF belastet. Der überwiegende Teil der getesteten Dosen enthielt jedoch die umstrittenen Stoffe. Auch Bisphenol S (BPS) und Bisphenol F (BPF) wurden in mehr als der Hälfte der untersuchten Lebensmittel nachgewiesen. Für diese Stoffe gibt es laut Öko-Test noch keinen eigenen TDI-Wert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nimmt jedoch ähnliche Wirkmechanismen wie bei BPA an.
Bisphenol A steht im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen. Die Substanz wurde in der EU als reproduktionstoxisch eingestuft. Die EFSA senkte ihre tolerierbare Tagesdosis 2023 nach einer Neubewertung der Studienlage drastisch. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung kam allerdings zu einer weniger strengen Einschätzung.
Verbot gilt schrittweise
Seit Januar 2025 ist die absichtliche Verwendung von BPA und weiteren gefährlichen Bisphenolen in Materialien mit Lebensmittelkontakt EU-weit verboten. Für Hersteller gelten jedoch Übergangsfristen. Seit dem 21. Juli 2026 dürfen bestimmte Getränkedosen nicht mehr mit absichtlich eingesetztem BPA in Verkehr gebracht werden. Für Dosen mit Gemüse, Obst oder Fisch gilt eine weitere Frist bis zum 21. Januar 2028.
Das Problem betrifft laut Öko-Test nicht nur die innere Beschichtung. Auch der Außenlack kann eine Rolle spielen. Beim Stapeln können Innen- und Außenseiten miteinander in Kontakt kommen, sodass ein sogenannter Abklatsch möglich ist. Einige Hersteller seien bereits auf BPA-freie Außenlacke umgestiegen, bei anderen dauere die Umstellung noch an.
Auch in den News:
Was Verbraucher:innen tun können
Öko-Test empfiehlt, möglichst häufig auf frische Lebensmittel auszuweichen. Wer Konserven verwendet, sollte angebrochene Inhalte nicht in der Dose lagern, sondern in ein Schraubglas umfüllen und im Kühlschrank aufbewahren. Dadurch lässt sich der weitere Übergang von Stoffen aus der Verpackung in das Lebensmittel verringern.
Die Untersuchung zeigt zugleich, dass das neue EU-Verbot nicht sofort alle belasteten Produkte aus den Regalen verschwinden lässt. Wegen der Übergangsfristen können ältere Dosen noch längere Zeit verkauft und befüllt werden.
Verwendete Quellen:
Öko-Test: "BPA und Co. in Konserven: So belastet sind Lebensmittel aus Dosen"
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