Rabatte ohne Ende

Warum Deutschland immer stärker auf Sonderangebote schaut

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

:newstime

Umfrage: Hier sparen die Deutschen am meisten

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Rabatte bestimmen immer mehr Kaufentscheidungen in Deutschland. Für Händler:innen wird der Preiskampf zur Gefahr, weil viele Kund:innen nur noch das Günstigste suchen.

Wer aktuell durch deutsche Innenstädte geht, sieht schon Wochen vor dem eigentlichen Sommer-Schlussverkauf überall Preisnachlässe. Der gesetzlich geregelte Sommerschlussverkauf existiert zwar seit Jahren nicht mehr, trotzdem locken viele Geschäfte schon früh mit Sonderaktionen. Rolf Pangels vom Handelsverband Textil Schuhe und Lederwaren sagt: "Bei Rabatten gibt es inzwischen leider fast eine Dauerschleife. Es wird immer mehr."

Der Grund ist klar: Viele Menschen halten ihr Geld zusammen. Laut Befragungen des Handelsverbands Deutschland und des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen hat sich die Konsumstimmung zwar leicht verbessert, die Lage bleibt aber schwierig. Ob Kleidung, Lebensmittel oder Dekoartikel: Für viele zählt vor allem der Preis.


Rabatte steuern immer häufiger den Kauf

Wie stark Sonderangebote inzwischen wirken, zeigt eine Studie der Boston Consulting Group. Je nach Produktkategorie werden demnach bis zu 74 Prozent der Kaufentscheidungen von Rabatten beeinflusst. BCG-Expertin Karin von Funck sagt, Verbraucher:innen würden heute stärker abwägen, vergleichen und Ausgaben kritischer hinterfragen.

Auch eine Kantar-Umfrage im Auftrag von Idealo zeigt dieses Bild. 62 Prozent vergleichen demnach häufiger Preise verschiedener Anbieter, 56 Prozent achten stärker auf Sonderangebote. Besonders oft gespart wird bei Bekleidung, Gastronomie sowie bei Kino-, Konzert- und Clubbesuchen. Gleichzeitig legen viele Geld für Urlaube, Reisen oder Rücklagen beiseite.

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Preisdruck trifft Handel und Innenstädte

Der finanzielle Druck auf die Haushalte ist hoch. Laut der Idealo-Umfrage müssen 81 Prozent stärker darauf achten, wie viel sie ausgeben. Zwei Drittel sorgen sich, mit ihrem Geld nicht mehr auszukommen. 44 Prozent konsumieren weniger als im Vorjahr, nur 6 Prozent mehr. Als Gründe nennen sie vor allem steigende Preise sowie politische und wirtschaftliche Unsicherheiten.

Auch der Marktforscher YouGov sieht finanzielle Sorgen inzwischen ganz oben im Sorgen-Ranking. Dazu passt, dass Kund:innen bei Lebensmitteln häufiger zu Sonderangeboten und günstigen Eigenmarken greifen. Laut Statistischem Bundesamt sind die Nahrungsmittelpreise seit 2020 im Schnitt um gut 37 Prozent gestiegen. Für viele ist Sparen deshalb nicht nur Gewohnheit, sondern ein Schutzmechanismus.

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Gewinner und Verlierer des Spartrends

Für den Einzelhandel wird diese Entwicklung immer problematischer. BCG-Expertin von Funck warnt: "Wer dauerhaft mit hohen Preisnachlässen arbeitet, riskiert eine Entwertung seiner Marke und sinkende Profitabilität." Besonders kleine und mittelständische Händler:innen geraten dadurch unter Druck. Laut Ifo-Institut sieht inzwischen jeder sechste Einzelhändler seine Existenz bedroht.

Profitieren können dagegen Discounter, Billiganbieter und der Secondhand-Markt. Nach Angaben von IFH Köln gewinnen Ketten wie Action oder Woolworth in vielen Warengruppen Marktanteile. Gleichzeitig boomt gebrauchte Ware: 2025 wurden online in Deutschland 10,5 Milliarden Euro mit Secondhand umgesetzt, deutlich mehr als noch 2019. Für viele Verbraucher:innen ist das vor allem eine einfache Rechnung: gebraucht heißt oft deutlich günstiger.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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