Interne Leiharbeitsfirma
Volkswagen-Eklat: Chefs besprechen Fehlzeiten von Mitarbeitenden in großer Runde
Aktualisiert:
von Joachim Vonderthann:newstime
Brandgefahr: VW ruft rund 100.000 E-Autos zurück
Videoclip • 01:23 Min • Ab 12
Führungskräfte der internen Leiharbeitsfirma Volkswagen Group Services sollen in großen Konferenzen detaillierte Fehlzeiten und Krankengeschichten von rund 600 Mitarbeiter:innen besprochen haben. Der Vorfall gilt als klarer Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung.
Das Wichtigste in Kürze
VW-Führungskräfte sollen laut "Spiegel" in Konferenzen Fehlzeiten und Krankengeschichten von etwa 600 Mitarbeiter:innen diskutiert haben.
Der Vorgang gilt als Verstoß gegen die DSGVO, Volkswagen hat den "Datenschutzverstoß".
Mehrere Betroffene wollen Volkswagen verklagen.
Laut einer Recherche des Nachrichtenmagazins "Spiegel" sollen seit Juni 2025 im Rahmen der "Initiative Fehlzeitenquote" interne Konferenzen bei Volkswagen Group Services (VWGS) stattgefunden haben. Diese Treffen sollen alle zwei Wochen abgehalten worden sein. Dabei seien Mitarbeiter:innen in Powerpoint-Präsentationen mit Namen aufgeführt worden. Zusätzlich seien konkrete Informationen über deren Krankheiten und individuelle Fehlzeiten präsentiert und besprochen worden.
Datenschützer:innen sehen in einem solchen Vorgehen einen schweren Eingriff in Persönlichkeitsrechte. Gesundheitsdaten zählen laut Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu den besonders sensiblen Informationen. Sie dürfen nur unter sehr engen Voraussetzungen erhoben und verarbeitet werden – schon gar nicht in großen Runden detailliert diskutiert werden. Ihr unzureichender Schutz kann für Unternehmen gravierende Folgen haben – von Bußgeldern bis hin zu Schadenersatzforderungen betroffener Mitarbeiter:innen.
Auch in den News:
Der "Spiegel" berichtet, dass die Konzernrevision von Volkswagen derzeit versucht, die Verantwortlichen hinter den Konferenzen zu identifizieren. Die Treffen sollen unter dem Dach der "Initiative Fehlzeitenquote" gelaufen sein. Die Konzernführung von VW habe laut eigener Darstellung nichts von den Vorgängen gewusst.
Auf Anfrage des "Spiegel" bestätigte Volkswagen Group Services den Vorfall. In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen: "Datenschutz hat für die Volkswagen Group Services einen hohen Stellenwert." Man nehme die bekannt gewordenen Vorgänge sehr ernst und arbeite sie derzeit intern auf. Zugleich betonte VWGS, man lege Wert darauf, dass man "den vorliegenden Datenschutzverstoß selbst festgestellt und daraufhin unverzüglich reagiert" habe.
Volkswagen hat nach den Enthüllungen an die rund 600 betroffenen Mitarbeiter:innen ein Schreiben verschickt. In dem Brief wird eingeräumt, dass in den Konferenzen "besonders sensible Informationen zu Ihrer Gesundheit" besprochen worden seien.
Der zeitliche Rahmen und der Name "Initiative Fehlzeitenquote" deuten darauf hin, dass die Konferenzen im Zusammenhang mit dem großen Sparprogramm bei Volkswagen stehen könnten. Der Autobauer will mittelfristig rund 35.000 Stellen in Deutschland abbauen. Damit steht die Belegschaft schon länger unter erheblichem Druck.
Hinzu kommt die schwierige Lage auf dem globalen Automarkt. Die Verkaufszahlen des Konzerns waren im ersten Quartal des Jahres deutlich rückläufig. Konzernweit ging der Absatz um 4 Prozent auf noch 2,05 Millionen Fahrzeuge aller Marken zurück. Trotz dieser Rückgänge, so heißt es aus Wolfsburg, konnte der Konzern seinen weltweiten Marktanteil weitgehend stabil halten.
Der laxe Umgang mit den Gesundheitsdaten von Mitarbeiter:innen dürfte für den größten deutschen Autobauer ein juristisches Nachspiel habe: Beim Arbeitsgericht in Braunschweig sollen dem "Spiegel" zufolge bereits mehrere Klagen Betroffener eingegangen sein.
Verwendete Quellen:
Spiegel: "VW-Führungskräfte diskutierten persönliche Fehlzeiten Hunderter Mitarbeiter"
Nachrichtenagentur dpa
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