Vor allem in Süddeutschland

Trotz Spritpreisbremse: Hunderte Tankstellen drehen auch nach 12 Uhr kräftig an der Preisschraube

Veröffentlicht:

von Max Strumberger

:newstime

April war teuerster Tankmonat aller Zeiten

Videoclip • 01:18 Min • Ab 12


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Die Spritpreisbremse sollte Autofahrer vor Preissprüngen an der Zapfsäule schützen – doch viele Tankstellen halten sich offenbar nicht daran. Neue Daten der App "mehr-tanken" zeigen hunderte Verstöße innerhalb nur einer Woche, vor allem im Süden Deutschlands.

Das Wichtigste in Kürze

  • Offiziell gilt seit 1. April eine klare Regel: Kraftstoffpreise dürfen an Tankstellen nur noch einmal täglich steigen.

  • In der Praxis sieht das offenbar oft anders aus.

  • Eine Auswertung der App "mehr-tanken" zeigt, wo die Spritpreisbremse besonders häufig missachtet wird.

Nachdem die Spritpreise durch den Iran-Krieg massiv gestiegen waren, hat die Bundesregierung das "Kraftstoffpreisanpassungsgesetz" auf den Weg gebracht – besser bekannt als Spritpreisbremse. Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen die Preise für Benzin und Diesel nur noch einmal täglich erhöhen, und zwar um Punkt 12 Uhr mittags. Danach sind bis zum nächsten Tag nur noch Preissenkungen erlaubt. Ziel der Regelung: mehr Transparenz an den Zapfsäulen und ein Ende des Minutentakts bei Preisaufschlägen.

Doch wie "Auto Motor und Sport" berichtet, halten sich zahlreiche Betreiber offenbar nicht an das Gesetz. Das Magazin stützt sich dabei auf Daten der App "mehr-tanken". Zwischen dem 29. April und dem 6. Mai registrierte das Analyseteam der App bundesweit 2.390 Preiserhöhungen nach 12.30 Uhr – trotz einer halbstündigen Kulanzzeit, um technische Ungenauigkeiten auszuschließen. Betroffen waren 777 von 16.963 erfassten Tankstellen, also 4,6 Prozent. Im Schnitt legten die Preise bei den illegalen Erhöhungen um 7,7 Cent pro Liter zu.


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Besonders viele Verstöße in Süddeutschland

Auffällig ist eine klare Ballung der Verstöße in Süddeutschland. Bayern führt das Ranking mit 543 Verstößen und 6,2 Prozent betroffenen Stationen an, dicht gefolgt von Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Thüringen liegt die Quote der Regelbrecher ebenfalls bei 6,2 Prozent, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau an absoluten Fällen. Am anderen Ende der Skala stehen Metropolen wie Berlin und Hamburg: Dort verstießen nur 0,6 beziehungsweise 0,4 Prozent der Tankstellen gegen die Spritpreisbremse – in Berlin dafür mit besonders kräftigen Aufschlägen von im Schnitt knapp 19 Cent pro Liter.

Noch deutlicher wird das Gefälle auf regionaler Ebene. Oberbayern sticht als Hotspot hervor: 10,7 Prozent der Tankstellen verzeichneten dort Verstöße, insgesamt 301 Fälle. Im Großraum München verdichten sich die Probleme weiter. In der Stadt waren 17 von 135 Stationen betroffen, in Landkreisen wie Erding, Fürstenfeldbruck, Traunstein oder Mühldorf am Inn kletterte die Quote teils auf über 15 Prozent. Gleichzeitig fallen kleinere Landkreise wie Lüchow-Dannenberg oder Hildburghausen durch extrem hohe Anteile betroffener Stationen bei relativ wenigen Fällen auf.

Auch in den News:

"mehr-tanken" erweitert App mit neuer Funktion

Die Zahlen zeigen nicht nur, wo besonders häufig gegen die Spritpreisbremse verstoßen wird, sondern auch, dass die Wucht der Preissprünge regional stark variiert. Um die Kontrolle zu verbessern, kündigt "mehr-tanken" nun eine neue Funktion an: Nutzer:innen sollen künftig in der App direkt melden können, wenn eine Tankstelle die Preise nach 12 Uhr unerlaubt erhöht. Neben dieser Meldefunktion bietet die App weiterhin Echtzeitpreise, Preisprognosen, die günstigsten Tankstellen in der Nähe sowie Informationen zu Ladepunkten und Strompreisen für E-Autos – und wird damit zum zentralen Werkzeug in einem Markt, in dem offenbar längst nicht alle nach den neuen Regeln spielen.


Verwendete Quellen:

Auto Motor und Sport

"mehr-tanken"

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