Wetterphänomen wird besonders stark erwartet
Super-El-Niño droht Lebensmittel- und Energiepreise zu treiben
Veröffentlicht:
von Max Strumberger:newstime
Warnung vor Super-El-Niño: Das droht
Videoclip • 01:09 Min • Ab 12
Der erwartete Super-El-Niño könnte Kaffee, Kakao, Zucker, Getreide und Palmöl verteuern. Gleichzeitig steigen die Risiken für Stromversorgung, Kupferproduktion und Energiepreise – weltweit spürbar.
Das Wichtigste in Kürze
Meteorolog:innen rechnen mit einem besonders starken El Niño.
Dies könnte globale Lieferketten in einer ohnehin angespannten Lage weiter destabilisieren und die Verbraucherpreise bis 2028 belasten.
Mit spürbaren Folgen an der Supermarktkasse.
Ein besonders starker El Niño könnte die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren mit einem neuen Preisschock belasten. Nach Einschätzungen von Ökonomen besteht eine historisch hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Wetterphänomen 2026 und 2027 eine außergewöhnliche Stärke erreicht. Die Folgen könnten bis in die zweite Hälfte des Jahres 2028 spürbar bleiben. Gleichzeitig treiben der Krieg mit Iran, knappe Düngemittel- und Energieangebote sowie gestörte Lieferketten die Preise bereits nach oben.
El Niño entsteht, wenn sich die Meeresoberfläche im zentralen und östlichen tropischen Pazifik deutlich erwärmt. Das verändert Wind-, Temperatur- und Niederschlagsmuster weltweit. Nach Angaben der US-Klimabehörde NOAA lag die Wahrscheinlichkeit für einen Anstieg der Meerestemperaturen um mehr als zwei Grad zeitweise bei 63 Prozent. Die Weltwetterorganisation und mehrere Banken rechnen mit einem der stärksten Ereignisse seit Jahrzehnten. Goldman Sachs hält einen Anstieg der globalen Agrarrohstoffpreise um 15,8 Prozent für möglich. Der Klimarisikoanbieter Risilience warnt in einem Extremszenario sogar vor einem Rückgang der weltweiten Agrarproduktion um 14,3 Prozent.
Preis für Kaffee, Kakao, Zucker und Palmöl könnte steigen
Besonders gefährdet sind sogenannte Soft Commodities wie Kaffee, Kakao, Zucker und Palmöl. Dürren in Vietnam könnten die Robusta-Produktion beeinträchtigen, während Starkregen in Brasilien die Arabica-Ernte und deren Qualität gefährden könnte. Frühere starke El-Niño-Phasen gingen laut UBS häufig mit Kaffeepreissteigerungen von 20 bis 50 Prozent und Zuckerpreisanstiegen von 20 bis 60 Prozent einher.
Auch Weizen und Mais stehen unter Druck: In Australien könnten schwere Dürren die Weizenernte massiv reduzieren, in Brasilien wird ein Rückgang der Maisproduktion erwartet. Für mehrere afrikanische Länder besteht laut Afrikanischer Entwicklungsbank sogar das Risiko einer Verdopplung der Maispreise. Hinzu kommt, dass durch den Ukraine-Krieg der russische Weizenexport aktuell stark leidet.
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Nicht nur Lebensmittel betroffen
Die Auswirkungen beschränken sich jedoch nicht auf Lebensmittel. Überschwemmungen in Chile und Peru könnten den Abbau von Kupfer beeinträchtigen, da beide Länder zusammen einen großen Anteil der weltweiten Förderung stellen. In Europa verschärfen Hitze, niedrige Flusspegel und hohe Wassertemperaturen die Lage für Kraftwerke. Frankreich, die Schweiz und osteuropäische Staaten mussten die Leistung einzelner Anlagen bereits einschränken. Zugleich erhöht der Einsatz von Klimaanlagen den Strombedarf. Niedrige europäische Gasvorräte, die Konkurrenz um Flüssiggas mit Asien und ein extrem niedriger Rheinpegel könnten zusätzlich Strom-, Gas- und Transportkosten antreiben.
An den Energiemärkten ist die Unsicherheit bereits sichtbar. In Brasilien sanken kurzfristige Stromkontrakte wegen überdurchschnittlicher Regenfälle im Süden deutlich: Der September-Kontrakt fiel Anfang August um 9,45 Prozent, der Oktober-Kontrakt um 6,42 Prozent. Lieferungen für Dezember 2026 und das erste Quartal 2027 verteuerten sich dagegen um 2,26 beziehungsweise 2,68 Prozent. Die Marktbewegung zeigt eine gespaltene Erwartung: kurzfristig Entspannung durch volle Wasserspeicher, mittelfristig Vorsicht wegen möglicher Dürren und höherer Nachfrage. Brasiliens Stromsektor hat deshalb bereits präventive Maßnahmen eingeleitet und die Abflüsse aus Wasserkraftwerken reduziert. Für Verbraucher weltweit bedeutet der Super-El-Niño damit ein Risiko, das Ernten, Energieversorgung und Inflation gleichzeitig treffen könnte.
Verwendete Quellen:
Guardian
Handelsblatt
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