Experte äußert sich
Sardinen-Engpass bei Aldi, Lidl & Co.: Discounter kämpfen mit ausbleibendem Bestand im Fischregal
Aktualisiert:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Sardinen in Deutschland werden knapp
Videoclip • 01:13 Min • Ab 12
Leere Regale statt Dosenfisch: Sardinen-Fans müssen sich auf harte Zeiten einstellen. Mehrere Supermarktketten berichten von Lieferengpässen. Ein Experte erklärt, warum die Lage auch in Zukunft angespannt bleibt.
Das Wichtigste in Kürze
Zahlreiche Supermarktketten berichten von Lieferengpässen bei Sardinen und teilweise ausbleibenden Produkten.
Grund für die missliche Fischlage sind laut einem Experten der Klimawandel, veränderte Meeresbedingungen und hoher Befischungsdruck.
Zuletzt schrumpfte der Bestand etwa bei Europas größtem Fischlieferanten vor den Küsten Marokkos.
Schlechte Nachrichten für Sardinen-Liebhaber:innen: In zahlreichen Discountern ist das Lebensmittel-Angebot rund um die kleinen, silbrigen Schwarmfische stark ausgedünnt. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bei mehreren Handelsunternehmen. Ein Engpass-Ende sei derzeit nicht in Sicht.
Auch in den News:
Sardinen-Produkte bei Aldi, Lidl, Rewe & Co. eingeschränkt
Wie die Supermarktkette Aldi Nord mitteilte, sei die Verfügbarkeit von Sardinen-Produkten derzeit eingeschränkt. Als Grund nennt der Discounter "herausfordernde Bedingungen beim Fischfang". Auch Rewe sprach von einer "europaweit angespannten Rohwarensituation" von Eigenmarken- als auch von Markenartikeln.
Der Lebensmittel-Zustelldienst Picnic ist nach eigenen Angaben ebenfalls betroffen. Weiter berichten Kaufland sowie die Lidl-Filialen auf Nachfrage der dpa von Engpässen. Lidl erklärt dies mit "einer steigenden Nachfrage" nach Sardinen. Gemeinsam mit Lieferanten arbeite man daran, die Warenverfügbarkeit schnellstmöglich wiederherzustellen.
Stefan Meyer, Geschäftsführer des Fisch-Informationszentrums in Hamburg, nennt als Ursachen für die angespannte Lage die Folgen des Klimawandels, veränderte Meeresbedingungen und hohen Befischungsdruck.
Auch in Zukunft bleibt die Lage angespannt
"Die für den europäischen Markt wichtigste Sardinenfischerei vor den Küsten von Marokko und der Westsahara leidet seit Jahren unter rückläufigen Beständen", erklärt Meyer. "Für europäische Verarbeiter ist das besonders relevant, weil Marokko bislang der größte Lieferant war." So seien nach Angaben der marokkanischen Fischereiverwaltung 2022 noch 965.000 Tonnen Sardinen angelandet worden, 2024 war die Zahl auf nur noch 525.000 geschrumpft.
Im vergangenen Jahr habe sich die Lage ebenfalls nicht verbessert, so der Experte. Auch in Zukunft sei dies nicht absehbar. Die marokkanische Regierung lenkte demnach auf eine restriktive Bewirtschaftung um. Seit Februar 2026 seien die Exporte von etwa gefrorenen Sardinen stark eingeschränkt beziehungsweise ausgesetzt worden, um die Versorgung des Binnenmarktes sicherzustellen.
Einige Bestände hätten sich Meyer zufolge erholt, wie etwa im Nordostatlantik vor Spanien und Portugal. Dennoch reiche auch diese Fangmenge nicht aus, um die aktuelle Warenlücke zu schließen. Generell sei eine schnelle Entspannung auf dem Sardinenmarkt auch in Zukunft nicht zu erwarten. Das werden auch Endverbraucher:innen zu spüren bekommen. So hält der Experte etwa Preisanstiege für möglich. Weiter wichen Hersteller zunehmend auf sardinenartige Fischarten wie Sardinellen aus. Diese kämen überwiegend im Indischen Ozean, im westlichen Pazifik und in tropischen Atlantikgewässern vor.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Unbewachter Strand
Tragödie bei Biarritz: Zwei Deutsche ertrinken an französischer Atlantikküste

Deadline rückt näher
Führerschein-Umtausch: Frist endet im Januar 2027

Erpressung per Telefon
Toilettenpapier-Abzocke: Verbraucherzentrale warnt vor Betrugsmasche

Zahlungen an die Ukraine
Norwegen beschlagnahmt Kreuzfahrtschiff: Russland wirft Piraterie vor

Globale Raumfahrt-Pläne
NASA-Studie: Bakterien von der Erde könnten auf dem Mond überleben

Neue Funktionen
Girocard erobert die digitale Einkaufswelt: Bezahlen in Apps ab 2027



