Eindringliche Warnung

Putins Weizen-Waffe: Attackiert Russland jetzt auch deutsche Bauern?

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

:newstime

Russland greift Kiew massiv an – 15 Tote

Videoclip • 01:40 Min • Ab 12


Deutschlands Bauernpräsident Joachim Rukwied wirft Russland vor, große Getreidemengen als wirtschaftliches Druckmittel einzusetzen. Die Lage auf dem Weltmarkt entwickelt sich derzeit jedoch anders: Angriffe auf Häfen im Schwarzen Meer behindern auch Russlands eigene Exporte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bauernpräsident Joachim Rukwied sagt, Russland nutze Weizen als "strategische Waffe".

  • Volle russische Getreidelager könnten genutzt werden, um die Preise auf dem Weltmarkt zu drücken.

  • Allerdings sind die Weizenpreise aktuell aus mehreren Gründen noch nicht unter Druck.

Bauernpräsident: Putin setzt Weizen als Waffe ein

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, warnt vor einer möglichen russischen Strategie auf dem internationalen Weizenmarkt. Gegenüber "Bild" sagte er: "Putin nutzt Weizen als strategische Waffe gegen Deutschland, gegen Europa und die USA."

Nach Rukwieds Einschätzung könnte Russland seine vollen Getreidelager nutzen, um große Mengen Weizen auf den Weltmarkt zu bringen. Das würde die Preise drücken und westliche Landwirtschaftsbetriebe wirtschaftlich belasten. Der Bauernpräsident sprach von einer "aggressiven Preispolitik".

Für deutsche Betriebe käme ein sinkender Weizenpreis laut Rukwied zu einem schwierigen Zeitpunkt. Die Ernte falle wegen der anhaltenden Dürre schwächer aus. Gleichzeitig seien die Kosten für Diesel, Pflanzenschutz und Dünger infolge des Iran-Kriegs gestiegen. Rukwied betonte: "Viele haben finanzielle Engpässe."

Er forderte ein politisches Signal aus Berlin: "Die Bundesregierung ist jetzt gefordert. Ernährungssicherheit ist so wichtig wie Verteidigungsfähigkeit."

Auch in den News:

Russische Exportprobleme treiben Weizenpreise

Die von Rukwied befürchtete Entwicklung zeigt sich laut "Frankfurter Rundschau" (FR) bislang jedoch nicht am Markt. Im Gegenteil: Terminkontrakte auf Weizen sind dem Bericht zufolge auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren gestiegen.

Als Grund nennt die Zeitung Angriffe Russlands und der Ukraine auf Häfen und Handelsschiffe im Schwarzen Meer. Dadurch geraten die Getreideausfuhren beider Länder unter Druck. Betroffen sind demnach unter anderem der größte ukrainische Donauhafen sowie russische Schwarzmeer-Terminals in Noworossijsk.

Russland ist dem Bericht zufolge der weltweit größte Weizenexporteur, die Ukraine liegt auf Platz fünf. Zusammen decken beide Länder rund 30 Prozent der globalen Nachfrage nach Weizen. Oxford Economics rechnet dem Bericht zufolge damit, dass Störungen im Asowschen Meer und im Schwarzmeerraum die weltweiten Liefermengen in diesem Jahr um bis zu 86 Millionen Tonnen verringern könnten. Das entspreche rund 17 Prozent der weltweiten Getreideexporte.

Große Teile russischer Exportkapazitäten betroffen

Nach FR-Angaben sind derzeit rund 90 Prozent der russischen Getreide-Exportkapazitäten im Asowschen und Schwarzen Meer beeinträchtigt. Die Schifffahrt im Asowschen Meer sei bereits seit Juli unterbrochen.

Das trifft Russland auch finanziell: Die Ausfuhr von Getreide bringt dem Land laut Bericht jährlich rund 15 Milliarden US-Dollar ein. In der vergangenen Saison wurden 88 Prozent der russischen Getreidelieferungen auf dem Seeweg über das Asow-Schwarzmeer-Becken abgewickelt. Das entsprach 46,3 Millionen Tonnen.

Auch für russische Landwirt:innen ist die Situation demnach schwierig. Sie kämpfen mit sinkenden Preisen und einer seit Jahren angespannten Finanzlage. Ob die ausgefallenen Exportmengen später aufgeholt werden können, ist offen.


Deutscher Eigenbedarf laut Bericht gedeckt

Trotz der Dürre kann Deutschland seinen Getreidebedarf laut FR in diesem Jahr decken. Die erwartete Ernte liegt bei etwa 40 Millionen Tonnen und entspricht damit ungefähr dem durchschnittlichen Verbrauch in Deutschland. Im Vorjahr waren es dem Bericht zufolge noch rund 45 Millionen Tonnen gewesen. Allerdings hatte Bauernpräsident Rukwied bereits vor Ernteausfällen gewarnt und Entschädigungen gefordert. "Wir gehen von einer unterdurchschnittlichen Ernte bei Getreide, hier insbesondere beim Weizen, und bei Raps aus", sagte er vergangene Woche.

Größere Schäden zeigten sich demnach vor allem in Süddeutschland. Der Bauernverband forderte wegen der angespannten Situation vieler Höfe erneut Soforthilfen der Politik.



Verwendete Quellen:

Bild: "So greift Putin unsere Bauern an"

FR: "'Weizen als Waffe gegen Deutschland': Greift Putin die deutschen Bauern an?"

Nachrichtenagentur dpa

Mehr entdecken