Greift Putin nach Privatvermögen?
Russlands Wirtschaft unter Druck: Kunden plündern ihre Bankkonten aus Angst
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Russen heben Milliarden von ihren Konten ab
Videoclip • 01:16 Min • Ab 12
In Russland ziehen Sparer:innen und Unternehmen offenbar Milliarden von Bankkonten ab. Hintergrund ist die Sorge, der Kreml könnte private Einlagen zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine beschlagnahmen.
Das Wichtigste in Kürze
Russ:innen und Unternehmen hoben allein in den ersten zwei Augustwochen rund 2,9 Milliarden Euro von Konten ab.
Als Grund gilt die Sorge, der Kreml könne private Einlagen zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine beschlagnahmen.
Die hohen Abhebungen könnten Banken unter Druck setzen, denen für Staatsanleihen und andere Geschäfte zunehmend Kapital fehlt.
Russische Haushalte und Unternehmen haben in den vergangenen Monaten offenbar große Summen von ihren Bankkonten abgezogen. Allein in den ersten beiden Augustwochen wurden nach Angaben der russischen Zentralbank 286,4 Milliarden Rubel abgehoben – umgerechnet rund 2,9 Milliarden Euro. Im Juli waren es demnach etwa 6,3 Milliarden Euro, im Juni rund 3,9 Milliarden Euro.
Darüber berichten unter anderem "Bild" und "Tagesspiegel" unter Berufung auf die russische Zentralbank sowie auf Recherchen der "Washington Post". Viele Menschen im von Kreml-Machthaber Wladimir Putin regierten Russland fürchten demnach, der Staat könnte auf private Einlagen zugreifen, um den Krieg gegen die Ukraine weiter zu finanzieren.
Auch in den News:
Angst vor Enteignung: Russische Sparer:innen misstrauen Putin
Ein ehemaliger hochrangiger russischer Finanzbeamter beschrieb gegenüber der "Washington Post" die wachsende Unsicherheit mit Blick auf ukrainische Angriffe auf russisches Hinterland so: "Drohnen fliegen. Gebäude brennen nieder. Die Nervosität wächst."
Viele Menschen wollten ihr Geld lieber als Bargeld zu Hause aufbewahren als auf Konten, auf die der Staat möglicherweise zugreifen könnte. Der frühere Beamte sagte, einige Banken seien auf diese Entwicklung nicht vorbereitet gewesen, weil sie ihr verfügbares Geld bereits anderweitig angelegt hätten.
Auch die Wirtschaftsexpertin Alexandra Prokopenko vom Carnegie-Zentrum in Berlin sieht laut "Tagesspiegel" einen deutlichen Vertrauensverlust. Sie sagte: "Das bedeutet, dass die Menschen kein Vertrauen mehr in das russische Bankensystem oder das russische Finanzsystem haben." Die hohen Abhebungen seien eine Folge der Sorge, die Regierung könne Maßnahmen im Bankensektor ergreifen und Einlagen verstaatlichen.
Putins Banken drohen Probleme
Für die russischen Banken könnte der Abzug von Bargeld zum Problem werden. Laut dem Finanzvorstand der staatlich geprägten Sberbank, Taras Skworzow, ziehen auch größere Unternehmen Geld ab, um es dem möglichen Zugriff russischer Behörden zu entziehen.
Skworzow rechnet damit, dass die Abhebungen im laufenden Jahr fast doppelt so hoch ausfallen könnten wie im ersten Jahr nach Beginn der groß angelegten russischen Invasion der Ukraine. Bereits jetzt liege die Gesamtsumme der Abhebungen in diesem Jahr über den rund zwei Billionen Rubel, die im ersten Jahr nach Beginn des Krieges im Februar 2022 von Konten abgezogen worden seien.
Zugleich sind russische Banken für die Finanzierung des Krieges wichtig. Russland verkauft Staatsanleihen, die vor allem von Banken gekauft werden. Den Berichten zufolge fehlt vielen Banken dafür inzwischen jedoch Kapital.
Enteignungen nähren die Sorge der Russ:innen
Die Befürchtungen der russischen Bevölkerung kommen nicht aus dem Nichts. Nach offiziellen Angaben hat Russland zwischen 2022 und Ende 2025 bereits Vermögenswerte im Umfang von rund 6,5 Billionen Rubel verstaatlicht. Das entsprach damals etwa 72 Milliarden Euro.
Prokopenko hält eine umfassende Verstaatlichung privater Bankeinlagen zwar für unwahrscheinlich. Sie schloss aber nicht aus, dass die Behörden Beschränkungen für Bargeldabhebungen verhängen könnten.
Der finanzielle Druck auf den Kreml wächst unterdessen weiter. Das russische Haushaltsdefizit belief sich nach den Berichten im ersten Halbjahr 2026 auf umgerechnet 65,5 Milliarden Euro. Ursprünglich geplant waren rund 38,5 Milliarden Euro. Erst kürzlich war Russlands Top-Ökonom entlassen worden, weil er eine Niederlage seines Landes im Krieg gegen die Ukraine nicht ausschloss.
Verwendete Quellen:
Bild: "Russen plündern Konten aus Angst vor Putin"
Tagesspiegel: "Menschen lagern Bargeld lieber unter Kopfkissen“:"
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