Heißes Meer in Europa

Klimawandel treibt Europas Meere auf Rekordtemperaturen

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

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Einfluss des Klimawandels auf Waldbrände

Videoclip • 01:28 Min • Ab 12


Die Meere rund um Europa sind in diesem Sommer außergewöhnlich warm. Eine Attributionsstudie führt die Rekordwerte vor allem auf die menschengemachte Erderwärmung zurück.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine WWA-Studie führt die ungewöhnlich hohen Meerestemperaturen an Europas Küsten vor allem auf den menschengemachten Klimawandel zurück.

  • Besonders betroffen sind das westliche Mittelmeer, der Golf von Biscaya und die Iberische Halbinsel; dort treten deutlich häufiger marine Hitzewellen auf.

  • Die Erwärmung gefährdet Ökosysteme, Nahrungsketten und Fischbestände und kann zudem die Entstehung schwerer Stürme begünstigen.

Nicht nur an Land, sondern auch im Meer werden in Europa in diesem Sommer Rekordwerte gemessen. Nach einer Analyse der Organisation World Weather Attribution (WWA) liegen die Temperaturen an fast allen europäischen Küsten deutlich über dem Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2020. Besonders stark betroffen sind das westliche Mittelmeer, der Golf von Biscaya und die Küsten der Iberischen Halbinsel.

An manchen Orten ist das Wasser laut der Studie mehr als sechs Grad wärmer als üblich. Die Forschenden verglichen die Meerestemperaturen im Juli mit Klimamodellen und untersuchten, welchen Anteil die menschengemachte Erderwärmung daran hat. Ihr Ergebnis: Ohne den Klimawandel wären die aktuellen Temperaturen in vielen Regionen kaum möglich.


Mittelmeer besonders stark betroffen

Im Mittelmeer hat die Erderwärmung demnach zu einer zusätzlichen Erwärmung von etwa zwei Grad geführt. Am Golf von Biscaya und an der westlichen Küste der Iberischen Halbinsel beträgt der klimabedingte Anteil rund 1,4 Grad. Rund um Irland und an der britischen Westküste sind es etwa 1,3 Grad. Hauptursache ist laut WWA die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas.

Auch die Häufigkeit von marinen Hitzewellen hat sich durch den Klimawandel deutlich verändert. In diesem Jahr waren rund 90 Prozent der Küsten am Golf von Biscaya und an der Iberischen Halbinsel betroffen. Im westlichen Mittelmeer lag der Anteil bei etwa 80 Prozent. Ohne die menschengemachte Erwärmung wären es nach den Berechnungen jeweils nur rund 40 Prozent gewesen.

Folgen für Tiere, Nahrungsketten und Stürme

Die ungewöhnliche Wärme setzt marine Ökosysteme unter Druck. Hohe Temperaturen können Nahrungsketten verändern, Fischbestände schwächen und Meeressäuger sowie Seevögel gefährden. Vor der Südwestküste Englands berichten Fischer:innen zudem seit 2025 von deutlich mehr Gemeinen Kraken. Die Art lebt normalerweise in wärmeren Gewässern vor Nordafrika.

Claire Bergin von der irischen Maynooth University warnt: "Wärmeres Wasser zum Schwimmen mag für Strandbesucher in kühleren Ländern wie meinem eigenen verlockend klingen. Aber die Folgen für das Leben im Meer unter der Oberfläche sind ernster." Außerdem können wärmere Meere die Entstehung schwerer Stürme begünstigen. Die Forschenden verweisen dabei unter anderem auf die Überschwemmungen in der spanischen Region Valencia im Herbst 2024.

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Warnung vor unbekannten Entwicklungen

Die Erwärmung betrifft nicht nur Europa. Vorläufige Daten der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA zeigen, dass die globale durchschnittliche Meerestemperatur am vergangenen Sonntag bei 21,16 Grad lag. Das waren 0,75 Grad mehr als im Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Die Polargebiete sind in diesen Vergleich nicht einbezogen.

Der Klimaforscher Thomas Frölicher von der Universität Bern sagt: "Mit jeder zusätzlichen Tonne Kohlenstoff, die wir ausstoßen, drängen wir die Temperaturen und Ökosysteme der europäischen Küsten auf unbekanntes Terrain." Die Studie macht damit deutlich, dass der Schutz der Meere nicht nur eine Umweltfrage ist. Auch Fischerei, Tourismus, Küstenschutz und viele weitere Wirtschaftszweige hängen von stabilen marinen Ökosystemen ab.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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