Krise der Trendfiguren

Playmobil kämpft nach Werkschließung weiter ums Überleben

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

:newstime

Playmobil schließt Werk in Bayern

Videoclip • 01:22 Min • Ab 12


Bei Playmobil verschärft sich die Krise: Die Fabrik in Dietenhofen ist geschlossen, hunderte Arbeitsplätze fallen weg und die Horst-Brandstätter-Group schreibt erneut mehr als 115 Millionen Euro Verlust.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Playmobil-Fabrik in Dietenhofen wurde geschlossen, rund 350 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz, die Produktion wandert nach Malta und Tschechien.

  • Die Horst-Brandstätter-Group schrieb 2024/25 erneut mehr als 115 Millionen Euro Verlust, der Umsatz sank auf rund 409 Millionen Euro.

  • Playmobil setzt für die Trendwende auf neue Produkte, Fußballserien und attraktivere Markenkooperationen.

Mehr als 700 Posten aus dem Playmobil-Werk im fränkischen Dietenhofen sind kürzlich beim Auktionsportal Restlos.com versteigert worden. Darunter waren Büromaterial, Gabelstapler sowie eine Lackier- und Trocknungsanlage. Auch zwei große Playmobil-Figuren mit Desinfektionsmittelspender kamen unter den Hammer.

Für den Spielzeughersteller ist die Auktion jedoch kein Erfolg, sondern ein Zeichen des Umbruchs. Die Horst-Brandstätter-Group (HBG), zu der Playmobil gehört, hat das Werk Ende Juni geschlossen. Rund 350 Beschäftigte verloren dadurch ihren Arbeitsplatz. Die Produktion soll künftig in Malta und Tschechien stattfinden.


Umsatz und Ergebnis brechen weiter ein

Die HBG hat im Geschäftsjahr 2024/25 erneut einen hohen Verlust verbucht. Nach Angaben aus dem Geschäftsbericht lag der Fehlbetrag bei mehr als 115 Millionen Euro. Im vorherigen Geschäftsjahr hatte der Konzern bereits fast 119 Millionen Euro Verlust gemacht.

Auch der Umsatz sank weiter – um rund neun Prozent auf 409 Millionen Euro. Playmobil machte dabei etwa 82 Prozent des Konzernumsatzes aus. Der Umsatz der Spielwarenmarke ging jedoch um mehr als elf Prozent zurück. Als Gründe gelten eine schwächere Nachfrage, gestiegene Lohn- und Energiekosten sowie Produkte, die sich nicht wie erhofft entwickelten.

Vorwürfe gegen die Führung

Nach dem Tod des Firmengründers Horst Brandstätter im Jahr 2015 geriet der Konzern zunehmend unter Druck. Aktuelle und ehemalige Beschäftigte sowie Manager:innen beschrieben die Unternehmenskultur gegenüber dem "Spiegel" als "toxisch". Sie berichteten demnach von Misstrauen, Machtkämpfen und Inkompetenz. Playmobil weist diese Vorwürfe zurück.

Zusätzlich kam es immer wieder zu Konflikten zwischen Konzern und Gewerkschaft. Zuletzt berichtete der Bayerische Rundfunk, dem Betriebsratsvorsitzenden des Dietenhofener Werks sei fristlos gekündigt worden. Die Hintergründe sind umstritten.

Auch in den News:

Hoffnung auf neue Produkte und Lizenzen

Playmobil-Chef Bahri Kurter setzt nun auf neue Produkte und Kooperationen. Dazu gehört unter anderem der Mini-Rucksack "Hi!", der Geschichten abspielen kann, sobald er einer Figur aufgesetzt wird. Außerdem soll das Lizenzgeschäft ausgebaut werden. Während Konkurrent Lego mit Marken wie "Star Wars" hohe Umsätze erzielt, hatte Playmobil Lizenzen lange zurückhaltend eingesetzt.

Neue Serien zur deutschen Fußballnationalmannschaft und zur Bundesliga sollen zusätzliche Kund:innen ansprechen. Kurter erklärte, die neuen Produkte und Kooperationen stießen auf großes Interesse. Das habe sich bereits im Weihnachtsgeschäft und in den Marktdaten des ersten Quartals gezeigt.


Verwendete Quellen:

Spiegel: "Jetzt kommen bei Playmobil sogar die Lackieranlagen unter den Hammer"

Nachrichtenagentur dpa

Mehr entdecken