Verbraucherschützer schlagen Alarm
Experten fordern Verbot manipulativer Designs von Supermarkt-Apps
Aktualisiert:
von Benedikt Rammer:newstime
Verbraucherzentrale warnt vor Supermarkt-Apps
Videoclip • 01:22 Min • Ab 12
Supermarkt-Apps beeinflussen das Kaufverhalten ihrer Nutzer:innen durch spielerische Elemente und versprechen hohe Ersparnisse, die oft nicht realisiert werden. Verbraucherschützer:innen fordern ein Verbot manipulativer Designs und einen besseren Datenschutz für die Verbraucher:innen.
Das Wichtigste in Kürze
Supermarkt-Apps beeinflussen das Kaufverhalten und führen oft zu Mehrkonsum.
Die tatsächliche Ersparnis durch Rabatte ist geringer als angenommen – durchschnittlich nur zwei Prozent.
Verbraucherschützer:innen fordern ein Verbot manipulativer Designs und strengere Datenschutzrichtlinien.
Supermarkt-Apps wie Lidl Plus, Rewe Bonus und Kaufland geraten zunehmend in die Kritik. Eine aktuelle Befragung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt, wie stark sie das Kaufverhalten beeinflussen. Zwei Drittel der Nutzer:innen berichteten, dass sie in den vergangenen zwei Jahren zusätzliche Produkte gekauft haben, nur um weitere Rabatte freizuschalten oder Bonuspunkte zu sammeln. Dies führt laut Verbraucherschützer:innen zu einem Mehrkonsum, der oft nicht im Interesse der Kund:innen liegt.
Die versprochene Ersparnis durch Coupons und Rabatte bleibt dabei hinter den Erwartungen zurück. Laut dem Preisvergleichsportal Smhaggle beträgt die tatsächliche Ersparnis im Durchschnitt lediglich zwei Prozent – deutlich weniger als viele Verbraucher:innen glauben. Dies ist alarmierend, da 93 Prozent der Befragten angaben, sie hätten das Gefühl, durch die App regelmäßig Geld zu sparen.
Gamification als Verkaufsstrategie
Besonders kritisch bewerten Expert:innen die spielerischen Elemente innerhalb der Apps. Mechanismen wie Rabattstufen, digitale Rubbellose oder Gewinnspiele sollen Nutzer:innen nicht nur länger in der App halten, sondern auch zu verstärktem Konsum animieren. Ein Beispiel ist der "Bonus-Booster" bei Rewe, der gestaffelte Rabatte bei einem bestimmten monatlichen Einkaufswert freischaltet. Lidl lockt mit Gratisprodukten im Rahmen seines "Rabattsammlers".
Ramona Pop vom vzbv warnt: "Gerade in Zeiten hoher Lebensmittelpreise gilt: Rabatte dürfen nicht von der App-Nutzung abhängen." Sie fordert klare Regelungen, damit Verbraucher:innen nicht durch diese Designs manipuliert werden.
Persönliche Daten im Fokus
Ein weiteres Problem liegt in der Datenerhebung durch die Apps. Um Rabatte nutzen zu können, müssen Verbraucher:innen ein Nutzerkonto anlegen und persönliche Daten wie E-Mail-Adresse, Geburtsdatum oder Mobilfunknummer preisgeben. Zusätzlich erfassen die Apps einzelne Kauftransaktionen über QR-Codes an der Kasse. Diese Daten ermöglichen es den Supermärkten, detaillierte Profile über das Einkaufsverhalten ihrer Kund:innen zu erstellen.
Eine Untersuchung zeigt, dass viele Nutzer:innen unzureichend über die Verwendung ihrer Daten informiert sind. Nur 18 Prozent der Befragten haben die Datenschutzhinweise vollständig gelesen. Ein Großteil scrollt sie lediglich durch oder ignoriert sie komplett. Der vzbv fordert daher, dass Bonusprogramme auch ohne die Preisgabe personenbezogener Daten zugänglich sein müssen.
Förderung ungesunder Produkte
Die Verbraucherzentrale weist außerdem darauf hin, dass die angebotenen Rabattprodukte häufig ungesunde Inhaltsstoffe enthalten. Bei einer stichprobenartigen Untersuchung stellte sie fest, dass viele beworbene Artikel hochverarbeitet sind und einen hohen Anteil an Fett, Zucker oder Salz aufweisen. 18 Prozent der Befragten gaben an, besonders oft Rabatte für Süßigkeiten und Snacks zu erhalten. Die Verbraucherschützer:innen befürchten, dass personalisierte Werbung für solche Produkte schlechte Ernährungsgewohnheiten fördern könnte.
Der vzbv fordert deshalb ein Verbot manipulativer Designs sowie bessere Datenschutzregelungen. Ramona Pop betont: "Daten von Nutzer:innen dürfen nicht zu Werbeprofilen zusammengefasst werden." Verbraucher:innen müssten Zugang zu Rabattprogrammen haben, ohne persönliche Daten für Werbezwecke freizugeben.
Verwendete Quellen:
vzbv.de: "Supermarkt-Apps: Rabatte im Tausch gegen Daten"
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