Versicherer schlägt Alarm
El Niño könnte Deutschland 2027 Milliarden kosten und Inflation antreiben
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
Alle Klimamodelle sehen Rekord-El-Niño
Videoclip • 01:18 Min • Ab 12
Ein besonders starker El Niño könnte die deutsche Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um rund 5,5 Milliarden Euro verringern. Gleichzeitig könnten Lebensmittel und andere Waren teurer werden.
Das Wichtigste in Kürze
Ein starker El Niño könnte Deutschland 2027 rund 5,5 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung kosten.
Die deutsche Inflationsrate könnte um 0,13 Prozentpunkte und die Lebensmittelinflation um 0,21 Prozentpunkte steigen.
Die Allianz fordert mehr Investitionen in Klimaanpassung, Frühwarnsysteme und Vorsorge.
Ein besonders starker El Niño könnte Deutschland im Jahr 2027 wirtschaftlich deutlich treffen. Zu diesem Ergebnis kommt der "Allianz Climate Risk Tracker" von Allianz und Allianz Trade. Die Versicherer untersuchten darin, welche Folgen das Klimaphänomen für Wirtschaft und Preise haben könnte. Wie das Wetterphänomen El Niño zu seinem Namen kam, liest du hier.
Für Deutschland errechnet die Studie einen möglichen Verlust von rund 5,5 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung. Das entspricht etwa 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Gleichzeitig könnte die Inflationsrate um 0,13 Prozentpunkte höher ausfallen.
Warum El Niño Deutschland betrifft
El Niño entsteht durch eine ungewöhnliche Erwärmung der Meeresoberfläche im tropischen Pazifik. Obwohl das Phänomen weit von Europa entfernt auftritt, beeinflusst es die großräumige atmosphärische Zirkulation. Dadurch können sich Wetterlagen auch in weit entfernten Regionen verändern.
"El Niño mag geografisch weiter entfernt sein als eine Hitzewelle im europäischen Sommer", sagte Milo Bogarts, Deutschland-Chef von Allianz Trade. Die wirtschaftlichen Folgen seien jedoch auch in Europa spürbar – sowohl bei der Wirtschaftsleistung als auch bei der Lebensmittelinflation.
Lebensmittel könnten teurer werden
Veränderte Temperaturen und Niederschlagsmuster können die Landwirtschaft belasten. Wenn Ernten geringer ausfallen oder Produktionsbedingungen schwieriger werden, können die Preise für Lebensmittel steigen.
Nach dem Szenario der Allianz könnte die Nahrungsmittelinflation in Deutschland um 0,21 Prozentpunkte zunehmen. Auch andere Wetterextreme wie Hitze können die Wirtschaft schwächen. Beschäftigte sind bei hohen Temperaturen häufig weniger produktiv, müssen mehr Pausen machen oder fallen krankheitsbedingt aus.
Größere Folgen für die EU
Für die gesamte Europäische Union schätzt die Allianz den möglichen Verlust der Wirtschaftsleistung auf rund 21 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 0,09 Prozent des EU-Bruttoinlandsprodukts.
Die Gesamtinflation könnte in der EU um 0,31 Prozentpunkte steigen. Bei Lebensmitteln wird ein Anstieg der Inflation um bis zu 0,5 Prozentpunkte erwartet. Weltweit wären die möglichen Folgen noch deutlich größer: Für 144 untersuchte Volkswirtschaften kommt die Studie auf einen Verlust von rund 392 Milliarden Euro. Fast 60 Prozent dieser Einbußen würden dem Szenario zufolge auf China, die USA und Indien entfallen.
Auch in den News:
Hitzesommer kostet bereits Milliarden
Die Allianz untersuchte außerdem die wirtschaftlichen Schäden durch die Hitzewellen in Europa im Jahr 2026. Deutschland liegt dabei unter den 30 untersuchten Ländern auf Platz zwei. Die deutsche Wirtschaftsleistung dürfte demnach um rund 25 Milliarden Euro geschrumpft sein. Nur für Italien wird mit etwa 28 Milliarden Euro ein höherer Schaden errechnet.
In Europa summieren sich die geschätzten Einbußen auf 113 Milliarden Euro. Insgesamt lagen die Schäden durch Extremwetter in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren laut Allianz bei rund 50 Milliarden Euro. Nur etwa ein Drittel davon war versichert.
Allianz fordert mehr Vorsorge
Die Expert:innen der Allianz empfehlen deshalb höhere Investitionen in Anpassung und Prävention. Klimaökonom Hazem Krichene sagte: "Dauerhafte Prävention, vorausschauende Finanzierung und klare Verantwortlichkeiten sind wirtschaftlich sinnvoller als immer höhere Ausgaben für die Reparatur bereits eingetretener Schäden."
Als Beispiel nennt die Allianz Marokko. Das Land investiert seit 2016 in Frühwarnsysteme und Risikokarten. Auch die Europäische Investitionsbank stellt zwischen 2025 und 2027 insgesamt 15 Milliarden Euro für Maßnahmen zur Wasser-Resilienz bereit.
Verwendete Quellen:
"Allianz Climate Economics Report 2026: A year of escalating costs"
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