Deutliche Ablehnung

Commerzbank weist Unicredit-Angebot zurück: Plan mit "erheblichen Risiken"

Veröffentlicht:

von dpa

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Commerzbank streicht 3.000 weitere Stellen (8. Mai)

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Unicredit will Deutschlands zweitgrößte Privatbank übernehmen und hat ein Tauschangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien vorgelegt. Das lehnt die Frankfurter Bank mit deutlichen Worten ab.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Commerzbank lehnt das Angebot von Unicredit ab – sie sieht das Vorgehen der Italiener als feindlich an.

  • Unicredit habe keinen belastbaren strategischen Plan vorgelegt, ein Zusammenschluss sei ein Risiko, so Vorstand und Aufsichtsrat des Frankfurter Konzerns.

  • Man sei überzeugt, dass die eigenständige Strategie mit erhöhten Gewinnzielen mehr Wert schaffe.

Die Commerzbank lehnt das jüngste Übernahmeangebot der italienischen Unicredit ab. "Die Unicredit bietet den Aktionären der Commerzbank keine angemessene Prämie und hat keinen nachvollziehbaren und belastbaren strategischen Plan für einen Zusammenschluss vorgelegt", heißt es in einer Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat, die der Dax-Konzern in Frankfurt veröffentlichte.

Der Plan sei vage und berge "erhebliche Risiken". Die Unicredit unterschätze Ertragsverluste, überschätze Synergien und rechne mit einer "unrealistischen Umsetzungsdauer".

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Das betreffe besonders den von der Unicredit geplanten Personalabbau, die komplexe IT-Integration sowie Ertragsverluste aus Überschneidungen im Firmenkund:innengeschäft. "Die von der Unicredit erwarteten Synergieannahmen sind in Summe weder belastbar noch überzeugend."

Vorstand und Aufsichtsrat raten den Commerzbank-Aktionär:innen, das Umtauschangebot nicht anzunehmen. Beide Gremien seien überzeugt, dass die eigenständige Umsetzung der jüngsten Strategie mit erhöhten Gewinnzielen mehr Wert schaffe. Aktionäre, die investiert blieben, profitierten davon.

"Was die Unicredit als Zusammenschluss bezeichnet, erweist sich als Restrukturierungsvorschlag, der massiv in unser bewährtes und profitables Geschäftsmodell eingreifen würde", sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp. Aufsichtsratschef Jens Weidmann ergänzte, die "unausgereiften Vorstellungen" der Unicredit gefährdeten die Kund:innenbeziehungen der Commerzbank ebenso wie die Motivation der Beschäftigten.

Unicredit sichert sich Zugriff auf mehr Anteile

Unterdessen sicherte sich die Unicredit den Kaufpreis für weitere Anteile an der Commerzbank. Nach Angaben vom Montag verfügten die Italiener über 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien und hatten über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere 3,22 Prozent. Mit zusammen 29,99 Prozent blieben sie somit knapp unter der Schwelle von 30 Prozent. Insgesamt melden sie jetzt allerdings eine Steigerung der Stimmrechte von 32,64 auf 38,87 Prozent. Darin enthalten sind Kaufpreis-Sicherungen für 8,88 Prozent der Aktien.


Übernahmepoker spitzt sich zu 

Die Unicredit aus Mailand hatte Anfang Mai ein freiwilliges Angebot für sämtliche Commerzbank-Anteile vorgelegt. Sie bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. So will die Unicredit bis zum 16. Juni weitere Aktien einsammeln, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen, was deutlich teurer wäre. Die Offerte kann bis 3. Juli verlängert werden.

Der rechnerische Angebotswert weise einen erheblichen Abschlag zum langfristigen Wertschöpfungspotenzial und dem aktuellen Kurs auf, kritisierte die Commerzbank. "Die Commerzbank-Aktie notierte nach der Ankündigung des Angebots zu jedem Schlusskurs oberhalb des Angebotswerts."

Die Unicredit ist in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank (HVB) aktiv und erwartet bei einer Commerzbank-Übernahme Milliardeneinsparungen. Die Commerzbank sieht das Vorgehen der Unicredit als feindlich an und erhält Unterstützung vom Bund, der gut zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile hält. Die Bank will ihre Aktionär:innen mit ambitionierten Gewinn- und Renditezielen bis 2030 von einem eigenständigen Kurs überzeugen. Erst kürzlich verkündete die Commerzbank den Abbau von rund 3.000 Stellen.


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