Keks-Hersteller

Bahlsen nutzte lange vor Ford ein Fließband – für seine Leibniz-Kekse

Veröffentlicht:

von Claudia Frickel

Die Lieblingsmarken der Deutschen

Hinter den Kulissen von Bahlsen: Die Kunst der Leibniz-Keks-Herstellung

Videoclip • 06:39 Min • Ab 6


Bevor Henry Ford das Fließband weltberühmt machte, setzte Bahlsen die Technik längst in seiner Fabrik ein: Schon ab 1905 liefen Kekse vom Band.

Beim Stichwort Fließband denken viele zuerst an die Autoindustrie – und an Henry Ford. Er gilt als Symbolfigur der industriellen Massenfertigung: Ab 1913 setzte Ford die Fließbandfertigung in der Automobilproduktion ein und machte sie weltweit bekannt. Dadurch sank die Produktionszeit eines Fords drastisch und die Fahrzeuge wurden zum Massenprodukt.

Doch ein deutsches Unternehmen war damals schon viel weiter: Bahlsen setzte ab 1905 ein Fließband in der Produktion ein – also acht Jahre vor Ford. Es war das erste in der deutschen Industrie. Vom Band liefen die Leibniz-Kekse, das Erfolgsprodukt der Firma. Gründer Hermann Bahlsen hatte das Gebäck 1891 auf den Markt gebracht, als erstes eigenes Produkt des Unternehmens.

Die Kekse waren ein Verkaufsschlager. Durch ihr Design mit den 52 Zähnen waren sie unverwechselbar. Für ihren "feinen Buttergeschmack" erhielt Bahlsen 1893 sogar eine Goldmedaille auf der Weltausstellung in Chicago/USA. Beliebt waren die Kekse auch, weil Bahlsen sie nicht lose verkaufte. Die Süßwaren bot die Firma in luftdichten Verpackungen an Bahnhöfen an. Dadurch blieben sie länger haltbar und konnten unkompliziert transportiert werden.

Bahlsen war Vorreiter mit seinen vorverpackten Leibniz-Keksen.

Bild: Adobe Stock


Um der Nachfrage gerecht zu werden, musste das Unternehmen mehr Leibniz-Kekse backen. "Unser Gründer Hermann Bahlsen strebte immer danach, einen Vorsprung im Markt zu haben", heißt es auf der Bahlsen-Webseite. So führte er die Fließbandproduktion in der Fabrik in Hannover ein – die erste in der europäischen Industrie.

Inspiriert wurde der Firmengründer wahrscheinlich bei seiner Reise in die USA. Dort besuchte er unter anderem Chicagoer Schlachthöfe, die zu dieser Zeit schon mit Fließbändern arbeiteten.

Bahlsen nutzte das Fließband vor allem zur Verpackung des Gebäcks. Das war für die damalige Zeit ungewöhnlich: Die Kekse konnten dadurch schneller und gleichmäßiger abgepackt werden. 1912 verließen mehr als zwölf Millionen Leibniz-Packungen die Fabrik, heißt es auf der Leibniz-Webseite.


Mehr moderne Ideen von Bahlsen

Auch beim Aufbau des Unternehmens setzte Bahlsen auf damals moderne Ideen. Er eröffnete einen Fabrikladen, in dem Kund:innen das Gebäck direkt probieren und kaufen konnten. Für seine Beschäftigten richtete er zudem eine Betriebskrankenkasse ein – eine damals fortschrittliche soziale Leistung.

Die neuen Produktionsmethoden trugen zum schnellen Wachstum der Firma bei: Hatte Bahlsen 1893 noch 100 Mitarbeiter:innen, waren es 1912 bereits knapp 1.000. Aus der kleinen Hannoverschen Keksfabrik entwickelte sich einer der bekanntesten deutschen Gebäckhersteller. Heute umfasst das Bahlsen‑Sortiment über 200 Produkte – der Leibniz‑Keks gehört immer noch dazu.

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Verwendete Quellen:

Newstime: Bahlsen: "Wie der Leibniz‑Butterkeks das Unternehmen groß machte"

Leibniz-Unternehmensseite

Dissertation: "Die Reklamekunst der Keksfabrik Bahlsen in Hannover von 1889-1945"

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