Claude-Firma
KI-Riese Anthropic verzeichnet Mega-Verlust – und steuert trotzdem auf Börsengang zu
Veröffentlicht:
von Emre BölükbasiTrotz eines Riesenverlustes plant Anthropic einen Börsengang. (Symbolbild)
Bild: Adobe Stock
Der Claude-Entwickler Anthropic legt kurz vor seinem Börsendebüt schockierende Zahlen auf den Tisch. Rote Zahlen in historischem Ausmaß, ein explodierender Umsatz – und Investitionspläne, die die Fantasie sprengen.
Kurz vor dem Sprung aufs Börsenparkett hat Anthropic die Karten auf den Tisch gelegt – und die Zahlen haben es in sich. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 summieren sich die Verluste des Unternehmens auf astronomische 104 Milliarden Dollar. Das ist mehr als viermal so viel wie im gesamten Vorjahreszeitraum, als das Minus noch bei 25 Milliarden Dollar lag.
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Wachstum und Verlust – gleichzeitig auf Rekordkurs
Was das Bild besonders widersprüchlich macht: Anthropic wächst rasant. Der Umsatz schoss in den ersten drei Quartalen 2026 von 2,5 Milliarden auf 33,2 Milliarden Dollar hoch. Allein im dritten Quartal standen 17 Milliarden Dollar Umsatz zu Buche – doch gleichzeitig türmte sich ein Quartalsverlust von 23,3 Milliarden Dollar auf. Ein Großteil davon ist allerdings buchhalterischen Anpassungen geschuldet. Der operative Verlust lag im dritten Quartal bei 567 Millionen Dollar.
Das Unternehmen plant sein Börsendebüt an der Nasdaq unter dem Kürzel "ANT", begleitet von Goldman Sachs und Morgan Stanley. Der offizielle Investorenrundgang soll in der Woche ab Montag (9. November) beginnen. Damit überholt Anthropic seinen Erzrivalen OpenAI, der für 2026 keinen Börsengang mehr plant.
Fast eine Billion Dollar für Rechenzentren
Hinter den Verlusten steckt ein gewaltiger Investitionshunger: Im vergangenen Quartal gab Anthropic rund fünf Milliarden Dollar allein für Rechenkapazität aus. Für die kommenden Jahre sind Investitionen von insgesamt 895 Milliarden Dollar in Rechenzentren und Infrastruktur veranschlagt – davon werden knapp 450 Milliarden Dollar noch vor Ende 2030 fällig. Zum Vergleich: Das entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt der Niederlande.
Um den Kapazitätsbedarf zu decken, mietete sich Anthropic bereits ein gesamtes Rechenzentrum von Elon Musks SpaceX – für 1,25 Milliarden Dollar im Monat, zunächst bis Mai 2029.
Sicherheitsdebatte als Risikofaktor
Der Börsengang findet in einem aufgewühlten Umfeld statt. Hacking-Attacken durch eigenständig agierende KI-Software haben eine breite Debatte über die Risiken der Technologie ausgelöst.
Anthropic-Chef Dario Amodei sprach sich öffentlich dafür aus, das Entwicklungstempo bei hochentwickelter KI zu drosseln – und warnte, ein KI-Schwarm könnte in sechs bis zwölf Monaten das gesamte Internet übernehmen und Hunderte Milliarden Dollar Schaden anrichten.
Zugleich wächst unter Anlegern die Skepsis, ob die gigantischen Investitionen der KI-Branche jemals zurückverdient werden können. Anthropics Börsengang wird damit auch zum Stimmungstest für den gesamten Sektor.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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