Unternehmensjubiläum

150 Jahre Henkel: So kam nach dem ersten Flop der Durchbruch mit Persil

Aktualisiert:

von Claudia Frickel

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Laut Test: Das ist das beste Waschmittel

Videoclip • 01:46 Min • Ab 12


Persil, Pril, Pattex: Die Marken von Henkel kennt fast jeder. Die Firmengeschichte begann vor 150 Jahren – mit einem Produkt, das nicht funktionierte.

Mit rund 50.000 Mitarbeiter:innen weltweit und einem Jahresumsatz von 20,5 Milliarden Euro zählt Henkel zu den großen deutschen Konzernen. Doch das Unternehmen fing vor 150 Jahren bescheiden an – und startete sogar mit einem Misserfolg.

Der damals 28‑jährige Fritz Henkel gründete "Henkel & Cie" am 26. September 1876 zusammen mit zwei Geschäftspartnern in Aachen. Die beiden anderen Männer waren die Inhaber der Rheinischen Wasserglasfabrik. Wasserglas ist eine wasserlösliche Silikatverbindung, die unter anderem als Bindemittel und Reinigungsmittel eingesetzt werden kann.

Das erste Produkt der jungen Firma war ein Waschpulver auf Wasserglas-Basis, das Henkel Universalwaschmittel nannte. Doch es erwies sich als Flop. Henkel beschreibt die Gründe auf seiner Webseite so:

Die Reinigungsleistung war nicht zufriedenstellend, und die Produktionskosten waren zu hoch.

Henkel über sein erstes Produkt

Die erste Persil-Packung von Henkel trug die Aufschrift "Modernes Waschmittel".

Bild: Henkel


Zwei Jahre später folgte der Durchbruch: Nach dem Umzug der Fabrik nach Düsseldorf kam 1878 "Henkels Bleich-Soda" auf den Markt. Das Pulver erleichterte das Waschen und Aufhellen der Wäsche und war dabei schonender zu den Fasern als herkömmliche Bleichmethoden. Vor allem wurde das Mittel bereits fertig dosiert verkauft. Andere Waschmittel zu dieser Zeit waren nur lose zu haben. "Henkels Bleich-Soda" war so erfolgreich, dass das gemietete Fabrikgebäude schon bald zu klein war.

1879 zogen sich die beiden Partner aus der Firma zurück und Fritz Henkel übernahm die alleinige Verantwortung. Schon 1899 knackte das Unternehmen die Marke von einer Million Mark beim Umsatz.

Was bedeutet der Name Persil?

Das Bleich-Soda gibt es zwar heute nicht mehr, aber dafür ein Produkt, das Henkel 1907 herausbrachte: Persil. Das Besondere: Persil galt als erstes selbsttätiges Waschmittel. Es vereinte Wasch- und Bleichwirkung, indem es beim Waschen Sauerstoff freisetzte. Dadurch musste die Wäsche nicht mehr mühsam von Hand gerieben werden, auch das separate Bleichen mit Chlor fiel weg. Der Name Persil setzt sich übrigens aus den beiden wichtigen Bestandteilen Perborat und Silikat zusammen.

Auch in den News:

Persil entwickelte sich rasch zum Verkaufsschlager: 1908 stellte Henkel 4.700 Tonnen davon her, 1915 war die Menge auf das Siebenfache gestiegen. Henkel wurde mit Persil zum Marktführer in Deutschland.

Von Anfang an setzte Henkel stark auf Werbung für Persil – und die war teilweise spektakulär. Zwischen den 1920er- und 1960er-Jahren warb die "Weiße Dame" auf Plakaten für das Waschmittel. Ab Mitte der 1920er-Jahre ließ Henkel in mehreren europäischen Ländern den Persil-Schriftzug mit Flugzeugen und weißem Rauch in den Himmel schreiben.

Sogar der allererste Werbespot im deutschen Fernsehen war von Persil: Er lief am 3. November 1956 kurz vor der "Tagesschau".

Persil ist heute in mehr als 50 Ländern erhältlich. In Deutschland werden nach Angaben von Henkel pro Tag mehr als vier Millionen Wäschen mit dem Waschmittel gewaschen.


Von Ata bis Schwarzkopf: Diese Marken gehören zu Henkel

Aus dem Waschmittelhersteller entwickelte sich über Jahrzehnte ein breit aufgestellter Konzern mit Produkten für Haushalt, Körperpflege und Kleben - viele Namen wurden zum Synonym für die jeweilige Produktkategorie.

  • 1920 – Ata: Mit dem Scheuerpulver stieg Henkel in den Wasch- und Reinigungsmarkt ein.

  • 1951  Pril: Das Spülmittel sollte den Abwasch erleichtern, indem es Fett und Speisereste löste.

  • 1954 – Fa: Mit der Marke stieg Henkel in die Körperpflege ein. Nach Seifen kamen später Duschgel und Deodorants dazu.

  • 1956 – Pattex: Der gebrauchsfertige Kontaktkleber erleichterte die Arbeit, denn vorher musste Leim häufig aufwendig erhitzt werden.

  • 1969 – Pritt: Henkel entwickelte den weltweit ersten Klebestift. Der Drehmechanismus war vom Lippenstift inspiriert. Pritt wurde im deutschen Sprachraum zum Synonym für Klebestifte.

Henkel übernahm zudem mehrere Unternehmen, die zuvor mit innovativen Produkten bekannt geworden waren. Dazu gehörte 1995 Schwarzkopf. Das Unternehmen hatte bereits 1903 das erste Shampoo in Pulverform entwickelt. 1949 brachte Schwarzkopf das Schauma-Shampoo heraus, das sich zu einer der bekanntesten Shampoo-Marken Deutschlands entwickelte. 1955 folgte mit Taft Europas erstes Haarspray.

Mit der Übernahme des US-Klebstoffherstellers Loctite baute Henkel ab 1997 sein Geschäft mit Industrieklebstoffen massiv aus.

Henkel vereint heute zwei große Unternehmensbereiche unter einem Dach: Adhesive Technologies mit Klebstoffen, Dichtstoffen und Beschichtungen sowie Consumer Brands mit Wasch- und Reinigungsmitteln und Produkten für die Haarpflege.


Verwendete Quellen:

Henkel-Webseite

Henkel: "150 Jahre Henkel"

Frankfurter Allgemeine: "Mit Waschpulver zum Weltkonzern"

Rheinische Post: "150 Jahre Pioniergeist – Aus Tradition wird Zukunft"

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