Mit deutschem Rover
"Da kann viel schiefgehen": So riskant ist Japans Marsmond-Mission mit "Idefix"
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von Emre Bölükbasi:newstime
Japan startet Raumsonde zum Mars
Videoclip • 28 Sek • Ab 12
Aufregung in der Welt der Raumfahrt: Japan hat eine Sonde mit deutsch-französischem Mini-Rover zum Marsmond Phobos geschickt. Ex-Astronaut Ulrich Walter erklärt, warum die Mission so heikel ist.
Das Wichtigste in Kürze
Erstmals sollen Proben von einem Marsmond zur Erde kommen.
Mit dabei ist der deutsch-französische Mini-Rover "Idefix".
Ex-Astronaut Ulrich Walter erklärt, was dabei schiefgehen kann.
Der Start ist geglückt, die Spannung bleibt: Eine japanische H3-Rakete hob vom Weltraumbahnhof Tanegashima ab und brachte die Raumsonde der Mission "MMX" (Martian Moons eXploration) ins All. Ihr Ziel ist der Marsmond Phobos. Es handelt sich um die bisher größte japanische Raumfahrtmission ins Sonnensystem.
Mit an Bord ist der kleine deutsch-französische Rover "Idefix". Laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist er nur so groß wie eine Getränkekiste und wiegt etwa 25 Kilogramm. Wegen dieses geringen Gewichts und der schwachen Schwerkraft könne er direkt auf dem Marsmond landen. Danach soll er sich selbstständig aufrichten und die Oberfläche 100 Tage lang erkunden.
Auch in den News:
Rover kann plötzlich verschwinden
Ganz ohne Risiko ist das nicht. Ulrich Walter, ehemaliger Astronaut und Professor für Raumfahrttechnik, dämpft die Euphorie. "Da kann viel schiefgehen", sagt er im :newstime-Interview. Den langen Weg zum Mars beherrsche man inzwischen. Kompliziert werde es danach. Die Sonde müsse zunächst auf eine ganz bestimmte Umlaufbahn um den Mars einschwenken. Anschließend müsse sie diese Bahn so verändern, dass sie dem Mond extrem nahekomme.
(...) weil die Gravitation des Mondes extrem schwach ist, kann es sein, dass dieser Rover aufschlägt und dann auf Nimmerwiedersehen verschwindet.
Den heikelsten Moment sieht Walter beim Absetzen des Rovers. "Hört sich einfach an, aber weil die Gravitation des Mondes extrem schwach ist, kann es sein, dass dieser Rover aufschlägt und dann auf Nimmerwiedersehen verschwindet", warnt er. Laut DLR soll sich die Sonde für diesen Schritt auf etwa 40 bis 100 Meter über die Oberfläche herablassen.
Diese künstlerische Darstellung zeigt die MMX-Raumsonde, die aus drei Modulen besteht. Das Erkundungsmodul hat Landebeine, Probennehmer und einige Instrumente sowie den MMX-Rover an Bord.
Bild: -/JAXA via DLR/dpa
Warum die Mission bis 2031 dauert
Wer schnelle Ergebnisse erwartet, braucht Geduld. Laut Zeitplan soll "Idefix" 2029 auf Phobos aufsetzen. 2031 sollen die Proben mit einem Rückkehrmodul die Erde erreichen.
Walter erklärt, woher die lange Dauer kommt. Allein der Flug zum Mars und seinen Monden dauere ungefähr zwei Drittel eines Jahres. Das vorsichtige Herantasten an den Mond koste dann mehr als ein Jahr. Nach dem Abwurf von Rover und Sonde vergehe noch einmal ein halbes bis dreiviertel Jahr, bis die Probe genommen sei. Der Rückflug dauere rund 200 Tage. Sein Fazit: "Also alles zusammen ist schon sehr, sehr lange."
Deutsche Ingenieurskunst für den Marsmond
Entworfen wurde der Rover vom DLR und der französischen Raumfahrtbehörde CNES. Fahrwerk und Tragstruktur seien bei Airbus Bremen und am DLR-Standort in der Hansestadt entwickelt, gebaut und getestet worden. Betrieben werde "Idefix" von Kontrollzentren in Köln und Toulouse. Seine Erkundung soll auch helfen, die Muttersonde später möglichst gut vorbereitet auf Phobos zu bringen.
Walter hebt den deutschen Anteil an der Mission hervor: "Also das ist ein großer Beitrag der Deutschen. Das können wiederum andere nicht."
Vorbild Hayabusa2
Die Mission knüpft an eine Erfolgsgeschichte an. Die japanische Raumfahrtagentur Jaxa hatte 2014 die Sonde "Hayabusa2" zum Asteroiden Ryugu geschickt und nach sechs Jahren Proben zur Erde zurückgebracht. Auch damals war das DLR dabei.
Der gemeinsam mit der CNES entwickelte Lander "Mascot" setzte im Oktober 2018 auf Ryugu auf und erkundete den Asteroiden, der aus hochporösem Material besteht. Ob "Idefix" auf Phobos an diesen Erfolg anknüpfen kann, wird sich 2029 zeigen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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