Wirtschaftspolitik

Nvidia-Deal zum Start: Halbes Kabinett beim Investitionsgipfel in Berlin

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

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Nvidia-Chef rechnet mit Deutschland ab

Videoclip • 01:50 Min • Ab 12


Die Bundesregierung empfängt 200 internationale Firmenbosse, um sie zu Investitionen in Deutschland zu bewegen. Zum Start von "Invest in Germany" wurde eine KI-Kooperation mit Nvidia geschlossen.

Die Bundesregierung will mehr private Investoren aus aller Welt nach Deutschland locken. Zum Auftakt eines ersten Investitionsgipfels am Montagabend (19. Oktober) in einem stillgelegten Kraftwerk in Berlin rollte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den roten Teppich aus. Die Botschaft: "Red Carpet for Investments" – roter Teppich für Investitionen.

"Deutschland ist offen für Investitionen, Deutschland ist offen für Geschäfte - und Deutschland ist bereit, schneller zu wachsen", sagte Merz. Deutschland sei ein stabiler und verlässlicher Partner. "Stargast" der Eröffnung war der Chef des US-Chipherstellers Nvidia, Jensen Huang. Die Bundesregierung vereinbarte eine Kooperation mit Nvidia bei der Künstlichen Intelligenz.

Beim eigentlichen Konferenztag am Dienstag ist neben Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) das halbe Kabinett versammelt. Tagungsort ist die private Wirtschaftshochschule ESMT am Schlossplatz im Herzen der Bundeshauptstadt, im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR. Eingeladen sind Großunternehmen, Investmentbanken oder Fonds. Die Rede ist von rund 200 internationalen und deutschen Vorstandschefs.

"Willkommens-Signal" an internationales Investment

Mit dem ersten Gipfel dieser Art will die Bundesregierung ein "starkes Willkommens-Signal" an internationale Investoren senden, wie es aus Regierungskreisen hieß. Ziel sind konkrete Investitionen.

Vorbild ist ein jährlicher "Choose France"-Gipfel von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im prächtigen Schloss von Versailles, der ausländische Investoren nach Frankreich locken soll.

Deutschland soll den Investoren als Top-Standort schmackhaft gemacht werden: solide Finanzen – Deutschland ist das einzige G7-Land mit einem Triple-A-Rating. Dazu: ein stabiler Rechtsstaat, die höchsten Patente unter den europäischen Ländern, gute Universitäten, gut qualifizierte Fachkräfte, der zollfreie EU-Binnenmarkt und die Lage in der Mitte Europas.

Aber es gibt Nachholbedarf: Einer Studie von Allianz Research zufolge gingen zwischen 2019 und 2025 die Gesamtinvestitionen in Deutschland um 6,4 Prozent zurück – während sie im übrigen Euroraum um 6,7 Prozent und in den USA um 20,2 Prozent stiegen. Daraus ergebe sich eine riesige Investitionslücke. Zu den Gründen für die Zurückhaltung in Deutschland zählten: hohe Energiekosten, eine hohe Steuer- und Abgabenbelastung und eine übermäßige Bürokratie.

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KI als Schlüsseltechnologie

Bei der Künstlichen Intelligenz (KI) hinkt Deutschland bei großen Sprachmodellen international hinterher. Großes Potenzial aber wird bei der industriellen KI gesehen, weil Deutschland durch seine Industrie und den industriellen Mittelstand über sehr viele Daten verfügt. Siemens-Chef Roland Busch nannte die industrielle KI eine "Jahrhundertchance für Deutschland". Es müsse aber nun Tempo gemacht werden: "Die Welt wartet nicht auf uns."

Mit der Zusammenarbeit mit Nvidia soll die industrielle Nutzung von künstlicher Intelligenz in Deutschland massiv vorangetrieben werden. Wie Merz und der Nvidia-Chef am Abend sagten, soll die Kombination aus deutscher Ingenieurskunst und modernster KI-Technologie den Wirtschaftsstandort nachhaltig stärken. Ziel der Kooperation ist es, die digitale Transformation der deutschen Industrie, insbesondere des Mittelstands, zu beschleunigen und die technologische Souveränität des Landes zu sichern.

Jensen Huang unterstrich das Vertrauen seines Unternehmens in den Standort Deutschland. Nvidia hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Dollar in Deutschland investiert und ist an zahlreichen Start-ups sowie etablierten Unternehmen beteiligt.

Reformkurs der Regierung

Merz sagte den Investoren am Abend zu, dass die Regierung ihren Reformkurs fortsetzt. Es geht um Reformen der Sozialsysteme, um Sozialausgaben zu stabilisieren, um die Digitalisierung der Verwaltung, Flexibilisierungen im Arbeitsmarkt, aber auch kürzere Planungs- und Genehmigungsverfahren etwa für Rechenzentren. Allerdings sind in der schwarz-roten Koalition Vorhaben etwa bei der Rentenreform umstritten.

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier nannte den Investitionsgipfel ein wichtiges Signal. "Entscheidend ist aber, dass aus dem Format konkrete und zusätzliche Investitionen werden." Dafür müsse die Bundesregierung die Standortbedingungen dauerhaft verbessern. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, sagte: "Unternehmen entscheiden sich nicht wegen einer Werbeveranstaltung für Deutschland. Entscheidend ist, ob sie am Standort Geld verdienen."


Merz überzeugt von Aufholkurs Europas

In einem Bloomberg-Interview zeigte sich Merz davon überzeugt, dass sich Europa zwischen den großen Volkswirtschaften USA und China behaupten kann. "Wir sind ein großer Markt, 450 Millionen Verbraucher, das sind 100 Millionen mehr als die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir haben also etwas zu bieten", betonte der Kanzler. "Und wir sind inzwischen selbstbewusst genug zu sagen: Ja, wir können aufholen. Und wir werden das tun." Gelingen werde dies etwa durch Investitionen und den Abbau von Bürokratie.

In diesen Top-Bereichen soll investiert werden

Die Unternehmensinitiative "Made for Germany" identifizierte fünf zentrale Investitionsfelder. Neben industrieller Künstliche Intelligenz seien dies Transformation und Zukunftstechnologien, daneben Energiesysteme, Infrastruktur sowie Sicherheit und Verteidigung. Für diese fünf Bereiche beziffert ein Report ein Investitions- und Finanzierungspotenzial von rund 2,9 bis 4,1 Billionen Euro bis 2035.

Die Bundesregierung sieht daneben lohnende Chancen auch bei der geplanten neuen "Kapitalrente" in der Altersvorsorge.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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