Baden-Württemberg

CDU-Kandidat Hagel wegen Video in Kritik: Das sagt seine Ehefrau

Veröffentlicht:

von Jana Wejkum

Franziska Hagel, hier beim Landespresseball, stärkt ihrem Ehemann Manuel Hagel den Rücken. (Archivbild)

Bild: Bernd Weißbrod/dpa


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Ein Spruch über eine Schülerin vor acht Jahren sorgt für Wirbel im Landtagskampf. Wie Manuel Hagels Frau und sein Wahlkampfgegner dazu stehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der baden-württembergische CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel steht wegen Sexismusvorwürfen in Bezug auf ein acht Jahre altes Video in der Kritik.

  • Seine Ehefrau verteidigt ihn im gemeinsamen "Bunte"-Interview – sie sagt: "Das hat irgendwie gar nicht zu ihm gepasst" und "Ich würde ihn sofort wieder heiraten."

  • Eine Umfrage legt nahe, dass die Meinung von Wähler:innen diesbezüglich gleichgültig bis gespalten ist – auch der Grünen-Kandidat Cem Özdemir gibt sich gelassen.

Wenige Sätze aus einem 2018 erschienenen TV-Interview haben den baden-württembergischen CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel in Bedrängnis gebracht. Jetzt hat sich seine Ehefrau Franziska Hagel eingeschaltet.

"Na ja, dass dieser Satz mal solche Wellen schlägt, hätte ich, ganz ehrlich gesagt, nicht gedacht", sagte sie in einem gemeinsamen Interview mit ihrem Mann dem Magazin "Bunte". Den strittigen Satz habe sie "aber einfach nicht gut" gefunden. "Das hat irgendwie gar nicht zu ihm gepasst", befand Franziska Hagel.


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Hagel schwärmt nach Schulbesuch von "rehbraunen Augen"

In dem Video berichtet der damals 29-jährige Landtagsabgeordnete von einem Schulbesuch. Die Klasse habe aus "80 Prozent Mädchen" bestanden. "Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen", sagt er in dem Video. Hagel beschreibt daraufhin eine Schülerin:  "Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen."

Das Video wurde von einer Grünen-Bundestagsabgeordneten aus Karlsruhe, Zoe Mayer, gepostet. Der Post fällt in die heiße Phase des Landtagswahlkampfs, bei dem in Baden-Württemberg am Sonntag (8. März) gewählt wird. CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel lag in Umfragen vor Grünen-Kandidat Cem Özdemir, der Abstand hatte sich zuletzt aber verringert.

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Franziska Hagel: "Würde ihn sofort wieder heiraten"

Die Meinung seiner Ehefrau habe sich durch das Video nicht geändert. Im "Bunte"-Interview betont sie, dass sich viele Menschen gemeldet hätten, "die Manuel auch kennen und sagen: 'Das ist nicht der Mensch, den wir kennen und erleben.'".

Franziska Hagel könne das nach fast zehn Jahren Ehe bestätigen: "Ich würde ihn sofort wieder heiraten." Ihr Ehemann sei ein Partner "auf Augenhöhe". Ihr Mann rede "oft sehr launig, wenn er politische Sachverhalte entlang von Menschen erklärt, die er getroffen hat". Er hinterfrage sich jedoch permanent und entwickle sich weiter.

Hagel selbst hatte sich bereits in der vergangenen Woche von seiner Aussage distanziert. Seine Frau habe ihm "damals direkt den Kopf gewaschen". Im Interview mit "Bunte" bezeichnete er den Satz erneut als "Mist".

Gemischte Reaktionen auf Hagel-Video

Die Grünen-Politikerin Zoe Mayer, die das Video ursprünglich gepostet hatte, kritisierte Hagels Wortwahl scharf. Sie fragte, weshalb der CDU-Politiker überhaupt das Aussehen der Schülerin kommentiere. Ihr Post ging viral. In den Kommentaren finden sich sowohl Nutzer:innen, die Empörung ausdrücken, als auch solche, die ihn verteidigen.

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge habe das Video die Meinung von 47 Prozent der Befragten über Hagel eher verschlechtert, sofern es ihnen bekannt war. Eine Minderheit (13 Prozent) bekam ein positiveres Bild von ihm, 38 Prozent zeigten sich unbeeindruckt. Viele der rund 1.000 über 16-jährigen Befragten in Baden-Württemberg hatten gar nichts von der Debatte mitbekommen.

Auch in den News:

Politikexperte: "Schmutzige Geschichten sind Teil des Wahlkampfs"

Gegenüber der "Tagesschau" analysiert der Freiburger Politikexperte Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung den Vorfall. Ihm zufolge gehören derartige Themen zum Wahlkampf dazu: "Teil des Wahlkampfs sind auch schmutzige Geschichten."

Auch Kandidat:innen anderer Parteien müssten sich für Fehltritte verantworten. So habe die AfD mit dem Thema Vetternwirtschaft zu kämpfen. Der SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch werde in der "Stuttgarter Zeitung" aufgrund des Einkaufs von Luxuslebensmitteln nach einem Besuch bei der Tafel kritisiert.

Hagels größter Gegner, Grünen-Kandidat Cem Özdemir, hat das Video im Wahlkampf nicht gegen ihn genutzt. Er nahm ihn bei einer Debatte im SWR in Schutz. Hagel würde dies heute nicht mehr so formulieren, da sei er sich sicher. Wie die "Tagesschau" berichtet, habe Özdemir sich zwar von Hagels Aussage distanziert, aber auch betont, dass das Video nicht seitens seiner Partei, sondern von einer einzelnen Abgeordneten veröffentlicht wurde.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Tagesschau: "Aussage über Schülerin: Welchen Einfluss hat Video von CDU-Spitzenkandidat Hagel im Wahlkampf-Endspurt?"

Stuttgarter Zeitung: "Stoch besucht Tafel – dann soll Fahrer für ihn Delikatessen in Frankreich holen"

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