"Sie waren unfreundlich"

Trump droht Spanien mit Abbruch der Handelsbeziehungen – Merz verteidigt EU-Partner

Veröffentlicht:

von Jana Wejkum

:newstime

Merz und Trump: Einigkeit gegen den Iran

Videoclip • 01:28 Min • Ab 12


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Merz erlebt einen ausgesprochen freundlichen Empfang im Oval Office. Stattdessen teilt Trump gegen Spanien aus. Was der US-Präsident bemängelt und wie der Kanzler auf seine Drohungen reagiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trump droht Spanien angesichts ihrer mangelnden Unterstützung im Iran-Krieg mit wirtschaftlichen Konsequenzen.

  • Beim Treffen im Oval Office stimmt Bundeskanzler Merz der Kritik teils zu, betont aber anschließend, dass die Handelsverträge zwischen USA und EU auch für Spanien gelten.

  • Trump bemängelt außerdem die Haltung Großbritanniens im Iran-Krieg und äußert sich kritisch zur Ex-Kanzlerin Angela Merkel.

Wider Erwarten setzte US-Präsident Donald Trump beim Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dort an, wo er im Sommer 2025 aufgehört hatte: mit überschwänglichem Lob. Er begrüßte die Haltung Deutschlands zum Iran-Krieg. Es habe sich "großartig" verhalten. Er verzichte darauf, Deutschland aufzufordern, "Bodentruppen zu entsenden oder irgendetwas in der Art zu tun".

Merz bemühte sich bei dem Besuch in Washington, Trump bei seinen Zielen zuzustimmen: "Wir sind uns einig, dass dieses schreckliche Regime in Teheran beseitigt werden muss", sagte er. Bei einem Interview im ZDF-"heute-journal" berichtete der Kanzler später von offenen Fragen an Trump: "Was ist eigentlich eure Strategie für den Tag danach? Gibt es eine Vorstellung davon, wie dieses Land danach regiert wird?"

Für das Verhalten der NATO-Partner Spanien und Großbritannien hatte Trump dagegen wenig übrig. "Einige europäische Länder wie Spanien haben sich schrecklich verhalten", beklagte er. Ihm missfiel, dass Spanien den USA verbot, Luftwaffenstützpunkte auf seinem Territorium im Rahmen des Iran-Kriegs zu nutzen. Die USA hatten daraufhin 15 Flugzeuge und Tanker aus Südspanien abgezogen. Trump missbilligte außerdem Spaniens Weigerung, fünf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben.

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Trump: "Wir werden allen Handel mit Spanien unterbrechen"

Niemand könne den USA vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen hätten, behauptete Trump im Rahmen des Treffens. Wenn die USA wollten, könnten sie Spaniens Stützpunkte auch ohne Erlaubnis nutzen. "Sie waren unfreundlich."

Spanien habe "absolut nichts, das wir brauchen", verkündete Trump. Er habe seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, "alle Geschäfte" mit Spanien zu beenden. "Wir werden allen Handel mit Spanien unterbrechen", so Trump weiter, "wir wollen nichts mit Spanien zu tun haben".

Dieses Recht habe Trump, versicherte er. "Embargos – ich tue damit alles, was ich will. Und wir könnten das mit Spanien machen." Erneut äußerte er seine Frustration über das Urteil des Obersten Gerichts, das seine globalen Zölle für illegal unter einem Notstandsgesetz erklärt hatte.

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Merz reagiert verhalten – und legt dann nach

Merz stimmte Trumps Kritik an Spanien zunächst teilweise zu. Er kritisierte die Weigerung Spaniens, sich an das gemeinsame Ziel der NATO-Verteidigungsausgaben zu halten. Es sei "das einzige Land, das nicht bereit ist, dies zu akzeptieren", sagte Merz.

Im Nachgang verdeutlichte er in den ARD-"Tagesthemen", dass er von den Wirtschaftsdrohungen gegen Spanien nichts halte. Er habe Trump privat gesagt, dass Spanien nicht von dem Handelsabkommen ausgeschlossen werden könne, das im vergangenen Jahr zwischen der EU und den USA ausgehandelt wurde. "Ich habe ihm sehr deutlich gesagt: Du kannst hier keinen isolierten Vertrag mit Deutschland abschließen oder einen Vertrag mit ganz Europa, aber Spanien nicht", betonte Merz.

Die spanische Regierung gab später ein Statement ab, in dem sie die USA darauf hinwies, die Autonomie der Privatwirtschaft, internationale Gesetze und bilaterale Handelsverträge zwischen den USA und der EU zu berücksichtigen. Man wolle sich weiterhin für freien Handel und wirtschaftliche Kooperation mit Partnern einsetzen.

Trump zieht über Großbritannien und Merkel her

Spanien war nicht das einzige Land, über das Trump offen seine Meinung äußerte. Das Verhalten der Briten im Iran-Krieg sei "schockierend". Großbritannien hatte sich genau wie Spanien geweigert, Angriffe auf den Iran von britischen Stützpunkten aus durchzuführen. Premierminister Keir Starmer lenkte am Sonntag (1. März) ein. "Wir haben es hier nicht mit Winston Churchill zu tun", spielte Trump auf den britischen Premier an. Merz widerspricht bei dem Treffen nicht.

Auch als Trump über den Zollstreit mit der EU witzelte, schwieg der Kanzler. Trump bemerkte, an den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer gewandt: "Wie behandeln wir Deutschland? Ich denke, bei denen solltest du sehr, sehr hart zuschlagen." Der US-Präsident gab Merz dabei einen Klaps aufs Knie. Merz sagte im Anschluss an das Treffen, er habe den US-Präsidenten gedrängt, das EU-Handelsabkommen "schnellstmöglich" zu unterzeichnen.

Die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel ist ebenfalls kurz Thema. Mit ihr habe Trump "Differenzen" gehabt. "Ich habe gesagt: Sie schaden Ihrem Land mit der Migration und Sie schaden Ihrem Land mit der Energiepolitik." Merz hingegen sei in beiden Fragen "ziemlich das Gegenteil" seiner Vorgängerin, sagte Trump. Merz kommentierte auch diese Aussage nicht.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Nachrichtenagentur Reuters

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