Stromversorgung

Ukraine kontert Russlands Angriffe mit "Unbesiegbarkeitswaggons"

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von Michael Reimers

9. Januar 2026, Ukraine, Kiew: Einheimische stehen am Schauplatz des Drohnenangriffs vom Vortag, bei dem ein Wohngebiet im Osten der Hautpstadt getroffen und eine Person getötet wurde.

Bild: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa


Der vierte Kriegswinter bedeutet für die Ukraine eine gezielte Zerstörung ihrer Energie-Infrastruktur durch Russland. Als Reaktion auf die Angriffe, die Heizungen und Stromausfälle verursachen, setzt die Ukraine auf sogenannte "Unbesiegbarkeitswaggons". Was es damit auf sich hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der vorübergehende Aufenthalt in beheizten Zügen soll der ukrainischen Bevölkerung zumindest zeitweise etwas Wärme und Stromversorgung ermöglichen.

  • In der Region Kiew sind einem Medienbericht zufolge seit dieser Woche die ersten "Unbesiegbarkeitswaggons" unterwegs.

  • Diese stationäre Schutzräume bieten den Menschen Heizung, WLAN und kostenlosen Tee.

Trotz eisiger Temperaturen gelingt es der Ukraine im vierten Kriegswinter immer schlechter, die Energieversorgung des Landes aufrechtzuerhalten. Millionen Ukrainer:innen sind inzwischen bei strengem Frost ohne Strom, Heizung und Wasser, meldet die Deutsche Presse-Agentur am Montag (12. Januar). Für 35.000 Haushalte im südukrainischen Gebiet Odessa ist demnach infolge des jüngsten russischen Drohnenangriffs der Strom ausgefallen.

Wegen der schweren Luftattacken der vergangenen Tage gibt es in der Hauptstadt Kiew, in Dnipro, Odessa und anderen Städten der Ukraine dpa zufolge so gut wie keinen Strom. Deshalb fallen auch Heizung und Wasser aus. Zugleich herrsche strenger Frost mit Nachttemperaturen bis minus 18 Grad. Die Lage sei für Millionen Menschen äußerst angespannt. In der Millionenmetropole Kiew war seit Freitag zeitweise wegen anhaltender Reparaturarbeiten die komplette Energieversorgung unterbrochen. Bürgermeister Vitali Klitschko hatte die Bevölkerung dazu aufgerufen, die Stadt zu verlassen und zu Bekannten oder Verwandten zu ziehen, die über Heizung und Strom verfügen.

Waggons bieten Heizung, WLAN und kostenlosen Tee

Wie die "Frankfurter Rundschau" am Montag meldet, fahren seit Beginn dieser Woche in der Region um die ukrainische Hauptstadt die ersten "Unbesiegbarkeitswaggons". Dabei handele es sich um Zugabteile, die zu stationären Schutzräumen umgewidmet werden, um die Menschen Heizung, WLAN und kostenlosen Tee zu versorgen.

Allein in der Nacht zu Sonntag attackierte Russland die Ukraine mit mehr als 154 Raketen- und Drohnenschlägen, heißt es weiter. Vielerorts sei dadurch die Strom- und Wärmeversorgung unterbrochen worden. Wie die "Ukrainska Pravda" meldete, fielen in Saporischschja für 382.000 Haushalte das Licht und die Heizungen aus. In der südöstlichen Region Dnipropetrowsk waren am Wochenende nach russischen Attacken auf die Energie-Infrastruktur 800.000 Menschen ohne Stromversorgung. 50.000 Menschen waren in Dnipro betroffen.

Selenskyj: "Das ist bewusster, zynischer russischer Terror"

"Sie haben bewusst auf das Frostwetter gewartet, um die Situation für unser Volk zu verschlechtern. Das ist bewusster, zynischer russischer Terror, der sich gezielt gegen Zivilisten richtet", teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf X mit, zitiert der Bericht die Zeitung "Ukrainska Pravda". Die Angriffe im Ukraine-Krieg hätten sich gegen Energieanlagen und Wohngebäude ohne jede militärische Bedeutung gerichtet.

Selenskyj zufolge hat Russland in der vergangenen Woche fast 1.100 Angriffs-Drohnen, mehr als 890 gelenkte Fliegerbomben und über 50 Raketen verschiedener Typen auf die Ukraine abgefeuert.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

fr.de: "Mysteriöse 'Unbesiegbarkeits-Waggons': Ukraine findet bittere Antwort auf Putins Strom-Terror"

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