Jahresbericht
"Nicht effektiv": Wehrbeauftragter kritisiert Bundeswehr-Strukturen
Aktualisiert:
von Christopher Schmitt:newstime
Bundeswehr bekommt Kamikaze-Drohnen (26. Februar)
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Der Jahresbericht des Wehrbeauftragten offenbart den Nachholbedarf der Bundeswehr. Wo es bergauf geht – und wo die Truppe dringend nachlegen muss.
Das Wichtigste in Kürze
Im Jahresbericht des Wehrbeauftragten Henning Otte wird deutlich: Die Bundeswehr hat an vielen Stellen Nachholbedarf.
Demnach bewertet Otte die Streitkräfte der Bundesrepublik als "zu kopflastig, zu kompliziert und in großen Teilen nicht effektiv".
Die Personalstärke hat sich deutlich erhöht, doch vom Frauenanteil von 20 Prozent ist man nach wie vor weit entfernt.
Die Bundeswehr leidet nach Einschätzung ihres neuen Wehrbeauftragten Henning Otte unter schwerfälligen Strukturen und einer Schieflage beim Personal. Wie aus Ottes Jahresbericht hervorgeht, seien sowohl das Verteidigungsministerium als auch die Streitkräfte selbst "zu kopflastig, zu kompliziert und in großen Teilen nicht effektiv". Otte bewertet deshalb die Funktionalität der Landes- und Bündnisverteidigung als "fraglich".
Fast so viele Offiziere wie Mannschaftssoldat:innen
Besonders kritisch bewertet Otte die Zusammensetzung der Truppe. Laut Bericht liege der Anteil der Mannschaftssoldat:innen bei lediglich 29,3 Prozent, während Offizier:innen 21,6 Prozent und Unteroffizier:innen sogar 49,1 Prozent ausmachten. Rechnerisch kommt damit auf eine:n Mannschaftssoldat:in nahezu ein:e Offizier:in. Otte warnt, dass dies langfristig die Einsatztauglichkeit der Bundeswehr beeinträchtigen könnte.
Personalwachstum – aber ohne klare Strategie
Zwar habe sich die Personalstärke zum Jahresende 2025 deutlich erhöht. Rund 3.000 Soldat:innen mehr als im Vorjahr seien verzeichnet worden, insgesamt etwa 181.000 – das einstellungsstärkste Jahr seit Aussetzung der Wehrpflicht 2011.
Doch ohne eine nachhaltige Personalstrategie drohe laut Otte eine wachsende Lücke zwischen politischen Erwartungen und militärischer Realität. Sollten freiwillige Modelle nicht ausreichen, sei die Rückkehr zu einer Wehrpflicht aus seiner Sicht der "konsequente nächste Schritt". Dann müsse der Staat jedoch auch Ausbildungskapazitäten, Infrastruktur und einen Ersatzdienst rechtzeitig sicherstellen.
Bürokratie bremst – besonders die Reserve
Scharfe Kritik übt der Wehrbeauftragte an der ausufernden Verwaltung. Vor allem in der Reserve zeigten sich die Probleme exemplarisch: immer gleiche Formulare, Anträge und Meldepflichten zu Freistellung, Lohnersatz oder Sozialversicherung. Der Eindruck vieler Betroffener sei, dass die Bürokratie nicht ab-, sondern weiter zunehme. Diese Papierlast binde Personal und verzögere Abläufe – ein Risiko in Zeiten wachsender Bedrohungen.
Auch in den News:
Frauenanteil stagniert und neue Sicherheitsrisiken
Auch bei der Gleichstellung sieht der Wehrbeauftragte Nachholbedarf. Der Frauenanteil sei nur minimal auf 13,71 Prozent (2024: 13,62 Prozent) gestiegen und bleibe deutlich unter den gesetzlichen Zielvorgaben von laut Gleichstellungsgesetz 20 Prozent.
Diskriminierung und sexistisches Verhalten würden laut Bericht weiterhin beanstandet. Gleichzeitig nehme die Bedrohung von außen zu: Sabotageversuche und Drohnenüberflüge könnten sich künftig häufen. Besonders beunruhigend sei ein Vorfall gewesen, bei dem ein neues Waffensystem kurz vor Inbetriebnahme ausgespäht worden sei, ohne dass eine wirksame Drohnenabwehr möglich gewesen sei.
Der Jahresbericht zeichnet damit ein klares Bild: Mehr Personal allein reicht nicht. Ohne schlankere Strukturen, weniger Bürokratie und eine ausgewogenere Personalstruktur drohten der Bundeswehr nach Einschätzung ihres Fürsprechers im Bundestag gravierende Probleme.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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