Drohnenkrieg erreicht Ostsee
Ukraine kentert Putins Eisbrecher "Purga" und legt Energiehafen lahm
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
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Videoclip • 02:45 Min • Ab 12
Ein ukrainischer Drohnenangriff hat nach Angaben aus Kiew den russischen Militär-Eisbrecher "Purga" im Ostseehafen Wyborg schwer beschädigt. Gleichzeitig geriet im Energiehafen Ust-Luga ein wichtiges Exportterminal nach einem Drohnenangriff in Brand.
Das Wichtigste in Kürze
Die Ukraine meldet einen Drohnenangriff auf den russischen FSB-Eisbrecher "Purga" in Wyborg – es wäre der erste bekannte Treffer gegen ein russisches Kriegsschiff in der Ostsee.
Die "Purga" ist Teil der arktischen Mehrzweck-Eisbrecherklasse Projekt 23550, kostet laut russischem Fachportal Paluba rund 190 Millionen Euro und kann bis zu 1,7 Meter dickes Eis brechen.
In Ust-Luga geriet nach einem Drohnenangriff ein Ölterminal in Brand, mehrere Tanks standen in Flammen und der wichtige Energiehafen musste vorübergehend abgeschaltet werden.
Der ukrainische Generalstab meldet einen offenbar erfolgreichen Drohnenschlag gegen ein russisches Kriegsschiff in der Ostsee. Dem Bericht der Zeitung "Kyiv Independent" zufolge traf in der Nacht auf Mittwoch (25. März) ein Drohnenangriff den Patrouillen-Eisbrecher "Purga" im Hafen von Wyborg. Das Schiff gehört zum Grenzschutz des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB und lag zum Zeitpunkt des Angriffs in einer Werft. Es handelt sich nach ukrainischen Angaben um den ersten bekannten Treffer gegen ein russisches Kriegsschiff in der Ostsee seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Wyborg liegt in der Region Leningrad, nahe der finnischen Grenze – und fast 1.000 Kilometer von der Ukraine entfernt. In sozialen Netzwerken kursieren Bilder, die den Zustand des Schiffs nach dem Angriff zeigen sollen: Ein weißer Rumpf, deutlich auf die Seite gekippt, eingekeilt zwischen größeren Schiffen im Hafen. Die Aufnahmen konnten bislang nicht unabhängig verifiziert werden, werden aber in der internationalen Berichterstattung der "Purga" zugeordnet.
Der belgische Sender BNR berichtet, die "Purga" könne "sowohl als Eisbrecher, aber auch als reguläres militärisches Kriegsschiff" eingesetzt werden. Eisbrecher verfügen über verstärkte Rümpfe und sind dafür gebaut, Fahrrinnen durch Eis zu schlagen. Das russische Fachportal "Paluba" schätzt die Kosten für ein Schiff dieser Klasse auf rund 18 Milliarden Rubel, also etwa 190 Millionen Euro.
Die "Purga" gehört zur Schiffsklasse Projekt 23550, einer Serie von Mehrzweck-Eisbrechern. Wie das Portal "Naval News" erklärt, vereinen diese Schiffe die Funktionen von Schlepper, Patrouillenschiff und Eisbrecher. Sie sind für den Einsatz in arktischen Gewässern ausgelegt, können Eis von bis zu 1,7 Metern Dicke brechen und sollen Schiffe begleiten, Rettungsaktionen unterstützen und entlegene Regionen mit Nachschub versorgen.
Der getroffene Eisbrecher ist das erste Schiff der Grenzschutz-Variante innerhalb der Klasse 23550. Während die Marine-Variante "Iwan Papanin" als schwer bewaffnetes Kriegsschiff mit Raketenoption geplant ist, ist die "Purga" für die Aufgaben des FSB-Grenzschutzes angepasst und verfügt über eine weniger offensive Bewaffnung. Das Schiff ist nach russischen Angaben rund 114 Meter lang, etwa 20 Meter breit, verdrängt 9.000 Tonnen, erreicht bis zu 18 Knoten (circa 33 km/h) und kann mit einer Stammbesatzung von mindestens 60 Personen bis zu 70 Tage am Stück auf See bleiben.
Auch in den News:
Massiver Drohnenangriff auf Russland gemeldet
Parallel zu dem Angriff auf Wyborg meldete das russische Verteidigungsministerium eine groß angelegte Drohnenwelle. Nach offiziellen Angaben habe die Luftabwehr 389 ukrainische Drohnen abgeschossen. Betroffen gewesen seien 13 Regionen in Russland sowie die besetzte Krim. Diese Zahlen lassen sich unabhängig nicht überprüfen, westliche Medien verweisen darauf, dass beide Kriegsparteien ihre Erfolgsbilanz regelmäßig politisch ausschlachten.
In Wyborg selbst wurde nach Angaben des Gouverneurs der Region Leningrad zudem ein Wohnhaus im Stadtzentrum getroffen. Er bestätigte einen Einschlag, machte jedoch keine näheren Angaben zu Schäden oder möglichen Verletzten. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor.
Energie-Drehscheibe Ust-Luga in Flammen
Weiter südlich an der Ostseeküste wurde ein weiterer wichtiger Punkt der russischen Infrastruktur angegriffen. Im Hafen Ust-Luga, einem großen Energie-Exportterminal, brach nach einem Drohnenangriff ein Feuer aus. Laut dem Sender BNR sei die Anlage beschädigt, über die täglich bis zu 700.000 Barrel Öl verladen werden können. Ust-Luga gilt als zentrale Drehscheibe für russische Energieexporte nach Europa und darüber hinaus.
Der Gouverneur der Region erklärte, die Feuerwehr habe einen Brand gelöscht und sprach von keinen Toten oder Verletzten. Medienberichte schildern jedoch, dass mehrere Öllagertanks in Flammen standen und der Terminal vorübergehend abgeschaltet werden musste. Neben Öl werden über Ust-Luga auch Kohle, Getreide und Dünger exportiert – Güter, die für Russlands Einnahmen und den weltweiten Handel von Bedeutung sind.
Die jüngsten Angriffe zeigen, wie weit die Ukraine ihre Drohnenangriffe hinter die russischen Linien verlagert. Zugleich wird deutlich, dass neben militärischen Zielen zunehmend auch logistisch und wirtschaftlich wichtige Knotenpunkte ins Visier geraten.
Verwendete Quellen:
Kyiv Independent: "Russian military icebreaker damaged in unprecedented Baltic Sea drone strike, Ukraine claims"
BNR: "IJsbreker Russische Baltische vloot kapseist na Oekraiense drone-aanval"
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