Deeskalation?
Trumps "Grenzschutz-Zar" statt "Little Napoleon": Dieser Mann soll ICE-Razzien überwachen
Aktualisiert:
von Emre Bölükbasi:newstime
Trump zieht ICE-Einsatzleiter Bovino ab
Videoclip • 01:35 Min • Ab 12
Nach zwei tödlichen Vorfällen in Minneapolis wird der umstrittene ICE-Einsatzleiter Greg Bovino durch den "Grenzschutz-Zar" Tom Homan ersetzt. Beide gelten als Hardliner. Kann der Wechsel denn eine erste Deeskalation in der angespannten Lage bedeuten?
Das Wichtigste in Kürze
Nach zwei tödlichen Vorfällen zieht Washington die Reißleine: In Minneapolis wird der Einsatzleiter der ICE ausgetauscht.
Hardliner Greg Bovino geht, "Grenzschutz-Zar" Tom Homan übernimmt.
Ob der Wechsel die explosive Lage wirklich beruhigt, ist offen.
Nach dem zweiten Todesopfer von ICE-Razzien innerhalb weniger Wochen kommt es in der US-Stadt Minneapolis zu einem Führungswechsel bei den umstrittenen Abschiebe-Einsätzen. Der bisherige Einsatzleiter Gregory Bovino wird durch Tom Homan, Trumps "Grenzschutz-Zar", ersetzt.
Die Stimmung in Minneapolis und Saint Paul ist seit Wochen äußerst angespannt. Tausende maskierte Beamt:innen der Migrationsbehörde ICE führen Razzien durch, bei denen Menschen teils gewaltsam von der Straße und aus ihren Häusern geholt werden. Seit Jahresbeginn wurden zwei Menschen von Bundesbeamt:innen erschossen, was landesweit für Empörung sorgte.
US-Präsident Donald Trump hat nun angekündigt, den Kurs leicht zu ändern: "Wir werden ein wenig deeskalieren", sagte er in einem Interview mit Fox News. Details nannte er nicht. Einen Abzug der Einsatzkräfte schloss er jedoch zunächst aus: "Ich sehe darin keinen Abzug. Es ist eher eine kleine Veränderung."
Gregory Bovino: Der umstrittene "Little Napoleon"
Der 55-jährige Gregory Bovino ist zum Gesicht der umstrittenen Razzien in Minneapolis geworden. Mit seiner 30-jährigen Karriere bei der US-Grenzschutzbehörde Border Patrol hat er sich bereits in anderen US-Großstädten wie Chicago, Charlotte und New Orleans den Ruf gemacht, rücksichtslos gegen irreguläre Einwanderer:innen vorzugehen.
Seine "turn and burn"-Taktik – das blitzschnelle, aggressive Vorgehen gegen mutmaßlich irreguläre Einwanderer:innen und gegen Personen, die sich seinen Beamt:innen in den Weg stellen – hat viele Amerikaner:innen schockiert. Nach dem tödlichen Vorfall, bei dem der Krankenpfleger Alex Pretti von Bundesbeamt:innen erschossen wurde, trat Bovino vor die Presse und behauptete ohne Beweise, dieser habe ein "Massaker" unter seinen Leuten anrichten wollen.
Kritiker:innen werfen dem wegen seiner geringen Körpergröße als "Little Napoleon" verspotteten Bovino vor, sich in seinem Auftreten und durch seine Kleidung einer Nazi-Ästhetik zu bedienen. Der demokratische Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom, sagte kürzlich, Bovinos Garderobe sehe aus, als habe er gezielt bei Ebay nach einer SS-Kluft Ausschau gehalten – was Bovino zurückwies.
Nach den jüngsten Vorkommnissen in Minneapolis wird er nun nach Kalifornien versetzt, wie US-Medien unter Berufung auf das US-Innenministerium berichteten.
Tom Homan: Ein anderer Hardliner übernimmt
Den Einsatz in Minneapolis wird nun Tom Homan übernehmen. Der 64-Jährige blickt auf eine vier Jahrzehnte währende Karriere in verschiedenen Grenzschutzbehörden zurück und ist mit der Oberaufsicht über Trumps Abschiebe-Politik betraut.
Obwohl Homan ebenfalls als Hardliner gilt und im Wahljahr 2024 ankündigte, er werde "den größten Abschiebeeinsatz durchführen, den dieses Land je gesehen hat", wird er als weniger toxisch für die angespannte Situation in Minneapolis eingeschätzt. Medienberichten zufolge soll er dem aggressiven Vorgehen der ICE-Behörde in Minneapolis kritisch gegenüberstehen.
Umstritten ist Homan vor allem wegen seiner Rolle bei der Trennung von Familien in den Jahren 2017 und 2018. Als Teil einer "Nulltoleranz-Politik" wurden damals Kinder ihren Eltern weggenommen, wenn Familien beim irregulären Grenzübertritt in die USA festgenommen wurden.
Hintergrund: Tödliche Vorfälle in Minneapolis
Die Proteste in Minneapolis begannen, nachdem Anfang Januar die US-Bürgerin Renée Good von einem ICE-Beamten in ihrem Auto erschossen wurde. Die Regierung bezeichnete das Vorgehen als Notwehr, während Demokraten und Demonstranten von übermäßiger Gewalt sprachen.
Am vergangenen Samstag (24. Januar) wurde dann Alex Pretti, ein 37-jähriger Krankenpfleger, bei einem Einsatz von Bundesbeamt:innen erschossen. Die Eltern des Getöteten widersprechen der Darstellung der Regierung vehement: "Die abscheulichen Lügen, die die Regierung über unseren Sohn verbreitet, sind verwerflich und widerwärtig", heißt es in einer Stellungnahme der Familie. "Alex hält eindeutig keine Waffe in der Hand, als er von Trumps mordenden und feigen ICE-Gangstern angegriffen wird."
Der erste umfassende offizielle Bericht der Sicherheitsbehörden zu den tödlichen Schüssen auf Pretti bringt die Trump-Regierung in Bedrängnis. In dem vorläufigen Untersuchungsbericht ist laut US-Medien keine Rede davon, dass Pretti nach seiner Waffe gegriffen habe – was zuvor ein Kernelement der Rechtfertigung des Vorfalls als Notwehr durch die Regierung war.
Angespanntes Verhältnis zwischen Heimatschutzministerin und neuem Einsatzleiter
US-Heimatschutzministerin Kristi Noem dürfte der abrupte Austausch weniger gefallen. Einer Reporterin des US-Senders CBS News zufolge hatte sie Bovino gefördert und mit der Überwachung der Einwanderungsrazzien beauftragt. Zu Homan soll sie dagegen ein angespanntes Verhältnis haben.
Der Konflikt zwischen Noem und Homan könnte einen persönlichen Hintergrund haben, berichtet "Axios". Die Sprecherin des Heimatschutzministeriums, Tricia McLaughlin, bestritt jedoch, dass Bovino von seinen Pflichten entbunden worden sei.
Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, äußerte sich nach einem Gespräch mit Trump positiv. "Der Präsident stimmte zu, dass die aktuelle Situation nicht so weitergehen kann", schrieb er auf der Plattform X. Er werde sich mit Homan treffen, um weitere Schritte zu besprechen.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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