Neue Pläne aus Washington
Trump will US-Beiträge zur NATO spürbar senken
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
Europa ist Russland auch ohne die USA militärisch überlegen
Videoclip • 01:19 Min • Ab 12
Die USA wollen der NATO künftig deutlich weniger militärische Fähigkeiten bereitstellen. Europa soll entstehende Lücken schneller selbst schließen.
Das Wichtigste in Kürze
Laut "Spiegel" wollen die USA ihre militärischen Beiträge im NATO Force Model deutlich senken, unter anderem bei Kampfjets, strategischen Bombern, Drohnen und Kriegsschiffen.
Die NATO spricht von einer bisherigen "Überabhängigkeit" von den USA und sieht die Veränderungen als Teil einer Neuverteilung militärischer Verantwortung im Bündnis.
Für Europa wächst damit der Druck, eigene Fähigkeiten schneller auszubauen, weil die Trump-Regierung den Fokus ihrer Streitkräfte stärker auf Amerika selbst und den Indopazifik legen will.
Die USA planen offenbar, ihre militärischen Beiträge für die NATO deutlich zu reduzieren. Das berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf nicht genannte Quellen aus dem Bündnis. Demnach informierte ein Gesandter von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in der vergangenen Woche hochrangige Vertreter:innen der NATO-Staaten über die Pläne.
Im Mittelpunkt steht das sogenannte NATO Force Model, also die Streitkräfteplanung des Bündnisses. Laut dem Bericht wollen die Vereinigten Staaten dort künftig weniger militärische Schlüsselfähigkeiten einbringen. Betroffen wären demnach unter anderem Kampfjets, Drohnen, Tankflugzeuge, Kriegsschiffe und strategische Bomber.
Weniger Bomber, Jets und Schiffe
Konkret soll die Zahl der von den USA bereitgestellten strategischen Bomber laut Spiegel etwa halbiert werden. Bei den Kampfflugzeugen sei ein Rückgang um rund ein Drittel vorgesehen. Auch die US-Marine soll ihren Beitrag verringern: Weniger Zerstörer, gar keine U-Boote und insgesamt weniger Präsenz auf See sind demnach Teil der Überlegungen.
Hinzu kommt, dass die NATO-Partner künftig offenbar eigene Aufklärungsdrohnen stellen sollen. Das US-Militär wolle nur noch bewaffnete Drohnen in reduzierter Zahl bereitstellen. Der US-Gesandte Alexander Velez-Green habe die Bündnispartner laut "Spiegel" dazu aufgefordert, die dadurch entstehenden Lücken möglichst rasch zu schließen. Weitere Einzelheiten sollen bei einer NATO-Truppenstellerkonferenz im Juni folgen.
Trump setzt auf "America First"
Die Pläne passen in die neue Verteidigungslinie der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Washington hatte die europäischen NATO-Staaten bereits mehrfach dazu aufgefordert, die konventionelle Verteidigung Europas künftig weitgehend selbst zu übernehmen. Der Schwerpunkt der US-Streitkräfte soll sich stärker auf die Verteidigung des eigenen Territoriums, des amerikanischen Doppelkontinents und auf den Indopazifik verlagern.
Eine NATO-Sprecherin bestätigte zwar keine genauen Zahlen, machte aber die Stoßrichtung deutlich. In der Vergangenheit habe es eine "Überabhängigkeit" von den USA gegeben. Die militärische Verantwortung in der Allianz werde nun neu sortiert. Wörtlich sagte sie dem Magazin: "Die Veränderungen stärkt die NATO, indem sie die zu starke Abhängigkeit von einem Alliierten reduziert."
Auch in den News:
Europa unter Zugzwang
Für die europäischen NATO-Staaten würde ein solcher Schritt den Druck deutlich erhöhen. Viele Fähigkeiten, die die USA bislang fast selbstverständlich bereitstellen, lassen sich nicht kurzfristig ersetzen. Gerade bei Luftbetankung, strategischer Aufklärung und schweren Bombern sind europäische Armeen bisher nur begrenzt eigenständig einsatzfähig.
Sollten sich die Angaben des "Spiegel" bestätigen, wäre das ein weiterer Beleg dafür, dass Trump seine Außen- und Sicherheitspolitik noch konsequenter nach dem Prinzip "America First" ausrichtet. Für die NATO hieße das: mehr Eigenverantwortung für Europa – und deutlich weniger Spielraum, sich im Ernstfall auf amerikanische militärische Masse zu verlassen.
Verwendete Quellen:
Spiegel: "USA wollen militärische Beiträge für die Nato deutlich reduzieren"
Tagesspiegel: "Trump-Regierung will militärische Beiträge offenbar deutlich reduzieren"
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