Sorge vor neuem Eklat
"So viel wie möglich loben": Briten geben Selenskyj Tipps für Trump-Besuch
Aktualisiert:
von Joachim VonderthannUS-Präsident Donald Trump begrüßt Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, im Februar im Weißen Haus.
Bild: Ben Curtis/AP/dpa
An den letzten Besuch von Selenskyj im Weißen Haus denken viele Europäer mit Schrecken. Die britische Regierung hat dem ukrainischen Präsidenten jetzt eine Art Trump-Anleitung gebastelt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird an diesem Montag (18. August) erneut im Weißen Haus erwartet – zu einem Besuch bei US-Präsident Donald Trump nach dessen Gipfel mit Russlands Machthaber Wladimir Putin in Alaska. Nach einem eskalierten Treffen der beiden Staatschefs vor einem halben Jahr in Washington ist die Anspannung groß. Besonders in der Ukraine und Europa herrscht Sorge, dass ein erneuter Eklat die Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs belasten könnte.
Briten geben Selenskyj Tipps für Trump mit auf den Weg
Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer hat deshalb eine Kommunikationsstrategie entwickelt, um Selenskyj besser auf die schwierigen Gespräche vorzubereiten. Laut einem Bericht des "Telegraph" hat Großbritannien bereits seit Februar daran gearbeitet, Selenskyj Tipps für den Umgang mit Trump zu geben. Dabei spielen zwei Ereignisse eine zentrale Rolle: Zum einen der unglücklich verlaufene Besuch Selenskyjs in Washington, bei dem Trump seinen Gast mit Vorwürfen überzog. Zum anderen Starmers eigener Besuch bei Trump, der weitaus harmonischer verlaufen war.
Viel Lob - und nicht provozieren lassen
Jonathan Powell, ehemaliger Stabschef des früheren britischen Premiers Tony Blair und heute Sicherheitsberater von Starmer, entwickelte aus diesen beiden Ereignissen federführend die Strategie im Umgang mit Trump. Er rät Selenskyj zu vier Kernpunkten:
Nicht auf jede provokative Äußerung Trumps eingehen.
Öffentliche Konfrontationen mit Trump vermeiden.
Den US-Präsidenten öffentlich loben, um dessen Zustimmung zu gewinnen.
Hinter den Kulissen Einfluss nehmen, um nationale Interessen durchzusetzen.
Wie der "Telegraph" berichtet, hat Selenskyj bereits damit begonnen, diese Ratschläge umzusetzen. Besonders auffällig sei, dass er in Gesprächen mit US-Vertreter:innen häufig mit Dankesworten für die Unterstützung der USA beginnt – ein Punkt, den Trumps Vizepräsident JD Vance bereits im Februar lautstark eingefordert hatte.
Briten-Ratschläge sollten auch Merz einfangen
Die britische Strategie beschränkt sich jedoch nicht auf Selenskyj. Auch andere europäische Staats- und Regierungschefs wurden auf den Umgang mit Trump vorbereitet. So zeigte sich die britische Regierung vor einer Videoschalte der "Koalition der Willigen" vor dem Alaska-Gipfel – darunter auch der deutsche Kanzler Friedrich Merz – besorgt über potenziell kritische Äußerungen gegenüber Trump. Der Kanzler hatte etwa darauf bestanden, Selenskyj am Alaska-Treffen teilnehmen zu lassen – eine Forderung, die laut britischen Diplomaten riskierte, Trump zu verärgern. Stattdessen solle hinter den Kulissen diplomatisch agiert werden, so die Empfehlung aus London.
Trump schmeicheln als Strategie
Diese umschmeichelnde Strategie spiegelt sich auch in einer gemeinsamen Erklärung von Starmer, Merz und weiteren Staats- und Regierungschefs nach dem Alaska-Gipfel wider: "Die Staats- und Regierungschefs begrüßten die Bemühungen von Präsident Trump, das Töten in der Ukraine zu beenden, Russlands Angriffskrieg zu beenden und einen gerechten und dauerhaften Frieden zu erreichen."
Verwendete Quellen:
"Telegraph": "How Starmer taught Zelensky to speak Trump"
"Focus Online": "Vier Ratschläge, damit Trump nicht explodiert: So instruierten Briten Selenskyj"
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