Entschuldigung gefordert

Sklaverei im Namen der Krone: Druck auf König Charles wächst

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

Der Druck auf König Charles wegen der Verstrickungen der britischen Krone in den Sklavenhandel wächst.

Bild: Chris Jackson/PA Wire/dpa


Die britische Monarchie steht unter Druck, eine offizielle Entschuldigung für ihre historische Rolle im transatlantischen Sklavenhandel auszusprechen. Noch schweigt der Buckingham Palace.

Das Wichtigste in Kürze

  • Expert:innen fordern König Charles auf, sich offiziell für die Rolle der Krone im Sklavenhandel zu entschuldigen.

  • Eine Entschuldigung müsse durch Wiedergutmachungsmaßnahmen ergänzt werden.

  • Ein neues Buch hat den Druck auf die britische Monarchie noch einmal deutlich erhöht.

Die britische Monarchie sieht sich mit zunehmendem Druck konfrontiert, sich offiziell für ihre Rolle im transatlantischen Sklavenhandel zu entschuldigen. Abgeordnete, Expert:innen und Aktivist:innen fordern König Charles III. dazu auf, die Verantwortung der Krone für die jahrhundertelange Unterstützung und Ausweitung dieses Verbrechens gegen die Menschlichkeit anzuerkennen.

Untersuchungen, unter anderem aus dem neu erschienenen Buch "The Crown’s Silence" ("Das Schweigen der Krone") der Historikerin Brooke Newman, zeigen auf, wie Monarchen von Königin Elizabeth I. bis Georg IV. den Handel mit versklavten Afrikaner:innen nutzten. Damit wurden Einnahmen der Krone gesteigert und das britische Empire gestärkt, wie "The Guardian" berichtet.

Britische Krone in Sklavenhandel verstrickt

Laut den Recherchen war die britische Krone bis zum Jahr 1807 einer der größten Käufer versklavter Menschen. Trotz der bereits geäußerten "persönlichen Trauer" König Charles über das Leid der Sklaverei haben weder die Krone noch die britische Regierung eine offizielle Entschuldigung ausgesprochen. Die Labour-Abgeordnete Bell Ribeiro-Addy betont, dass "persönliche Trauer" unzureichend sei, um einem der größten Verbrechen gegen die Menschheit gerecht zu werden. Sie fordert dem Bericht nach eine institutionelle Entschuldigung und konkrete Maßnahmen, um das Erbe von globalem Rassismus und Ungleichheit anzugehen.

Entschuldigung von König Charles gefordert

Ein Bericht des Runnymede Trust - einer britischen Denkfabrik für Rassengleichheit und Bürgerrechte - mit dem Titel "Reparations" schlägt einen umfassenden Entwurf für Wiedergutmachung vor. Eine Entschuldigung von König Charles, der sich kürzlich öffentlich zu seiner Krebserkrankung geäußert hatte, sei zudem ein symbolischer erster Schritt. Diese müsse jedoch durch substanzielle Maßnahmen unterstützt werden, um das wirtschaftliche und soziale Erbe der Sklaverei zu bewältigen. Liliane Umubyeyi vom African Futures Lab betont ebenfalls, dass eine bloße Anerkennung nicht ausreicht: "Es gibt sowohl eine rechtliche als auch moralische Verpflichtung zur Wiedergutmachung."

Expert:innen der Vereinten Nationen, darunter Michael McEachrane und Dominique Day, unterstreichen die Bedeutung von Wiedergutmachung für eine nachhaltige Zukunft. Day argumentiert, dass das Erbe der Sklaverei weiterhin in sozialen Missständen wie Polizeigewalt und diskriminierenden politischen Skandalen spürbar ist. Eine offizielle Anerkennung könnte Raum für Respekt, Mitgefühl und partnerschaftliche Zusammenarbeit schaffen.

2026 entscheidendes Jahr für den Monarchen?

Beim Treffen der Regierungschef:innen des Commonwealth in Antigua und Barbuda könnte Charles erneut mit dem Erbe der Sklaverei konfrontiert werden. Buchautorin Newman sieht darin eine Gelegenheit für den König, Verantwortung zu übernehmen. Das Commonwealth-Treffen "wird ein Moment der Inszenierung und der Proteste sein; 2026 könnte für Charles ein entscheidender Zeitpunkt zum Handeln sein.“ Der Buckingham-Palast hat bislang nicht auf das Buch und den wachsenden öffentlichen Druck reagiert.


Verwendete Quellen:

The Guardian: "Calls for King Charles to formally apologise for slavery after research shows crown’s role"

Mehr entdecken