Nach Besuch von Selenskyj

"Anfang eines größeren Krieges": Serbiens Präsident Vučić warnt vor Eskalation in Europa

Aktualisiert:

von Joachim Vonderthann

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Deshalb greift die Ukraine Wildberries an

Videoclip • 01:34 Min • Ab 12


Serbiens Präsident Aleksandar Vučić blickt pessimistisch auf den Krieg in der Ukraine. Er warnt vor einer deutlich größeren Eskalation, sieht kurzfristig keine Friedenschance und fordert Kompromisse statt einer Niederlage Russlands.

Das Wichtigste in Kürze

  • Serbiens Präsident Aleksandar Vučić warnt vor einem größeren Krieg in Europa.

  • Im Krieg Russlands gegen die Ukraine fordert er einen Waffenstillstand und Kompromisse statt einer vollständigen Niederlage Moskaus.

  • Den Besuch Selenskyjs in Serbien verteidigt Vučić gegenüber russischer Kritik.

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić warnt vor einer Ausweitung des Krieges in Europa. In der aktuellen Folge des Podcasts "MD MEETS" von Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner sagte Vučić: "Ich glaube, dass wir am Anfang eines größeren Krieges stehen."

Er habe gehofft, dass inzwischen jemand Schritte für Frieden unternommen habe. Das sei jedoch nicht geschehen – und werde auch nicht schnell geschehen. Deshalb stehe Europa aus seiner Sicht "am Rande eines viel, viel größeren Krieges".

Die Warnung kommt kurz nach dem ersten Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Belgrad seit dessen Amtsantritt 2019. Der Empfang Selenskyjs überraschte, weil Serbien traditionell als russlandfreundlich gilt. Das löste sowohl in Serbien als auch in Russland Kritik aus, wie "Welt" berichtet.

Auch in den News:

Serbiens Vučić sieht vorerst kein Ende des Ukraine-Krieges

Vučić rechnet nicht mit einem baldigen Ende der Kämpfe. Er sagte im Interview: "Ich sehe kein Ende des Krieges in diesem Jahr. Ich sehe kein Ende des Krieges vor dem kommenden Frühjahr."

Seine Begründung: Aus seiner Sicht müsse eine der beiden Seiten stärker und "auf die eine oder andere Weise" siegreich sein, damit der Krieg ende. In der gegenwärtigen Pattsituation erkenne er keine Möglichkeit für Kompromisse.

Als Kernproblem bezeichnete Vučić die fehlende Bereitschaft beider Seiten nachzugeben: "Wenn Sie die heutige Situation analysieren, glaube ich, dass niemand Frieden sehen will. Jeder will die Niederlage der anderen Seite sehen." Zugleich sagte er, die Führungen sowohl Russlands als auch der Ukraine stünden unter großem Druck. Es sei für niemanden leicht, wenn täglich Dutzende oder Hunderte Soldat:innen getötet würden.

"Ich weiß nicht, wie man gegen Russland gewinnen kann“

Der serbische Präsident sprach sich im Interview gegen das Ziel aus, das von Kreml-Machthaber Wladimir Putin regierte Russland militärisch vollständig zu besiegen. Stattdessen forderte er einen Waffenstillstand und eine Kompromisslösung. "Ich würde nicht auf die völlige Erschöpfung der russischen Truppen warten."

Und weiter: "Ich weiß nicht, wie man gegen Russland gewinnen kann, denn ich glaube nicht, dass das leicht geschehen wird. Denn letztlich ist Russland eine Atommacht und kann nicht ohne Weiteres von irgendjemandem angegriffen werden."

Vučić sagte, Europa brauche eine Lösung, die nicht auf die Niederlage einer Seite ausgerichtet sei. Dabei nahm er im Gespräch mit Döpfner auch die Perspektive Moskaus ein. Den von Russland gegen Deutschland – wie jüngst mutmaßlich bei dem Drohnen-Vorfall am Leipziger Flughafen – und andere europäische Staaten geführten hybriden Krieg verglich er mit der europäischen Unterstützung für die Ukraine und den Sanktionen gegen Russland.

Gleichzeitig stimmte Vučić zu, dass nicht die Ukraine den Krieg gegen Russland begonnen habe. Täter und Opfer dürften deshalb nicht verwechselt werden.


Selenskyj-Besuch sorgt für Kritik aus Russland

Beim Treffen mit Selenskyj vereinbarten Serbien und die Ukraine  der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, ihre Wirtschaftsbeziehungen auszubauen und bis Jahresende ein Freihandelsabkommen abzuschließen. Vučić bekräftigte dabei Serbiens Unterstützung für die Unabhängigkeit und territoriale Unversehrtheit der Ukraine, sagte aber keine Sanktionen gegen Russland zu.

Russische Propagandist:innen warfen Vučić laut "Welt" vor, die Partnerschaft mit Russland zu verraten und der Ukraine durch wirtschaftliche Vereinbarungen bei der Kriegsführung zu helfen. Ukrainische Regierungsvertreter:innen werteten den Besuch dem Bericht zufolge als Versuch, einen Keil zwischen Serbien und Russland zu treiben.

Vučić verteidigte den Empfang Selenskyjs im Interview: "Ich bin nicht hier, um es den Russen, Ukrainern oder irgendjemand anderem recht zu machen – außer den Serben." Vor Selenskyjs Besuch habe er Putin nicht informiert. "Serbien ist keine Marionette irgendeines anderen Landes auf der Welt", sagte Vučić. Mit Putin habe er nach eigenen Angaben 21 oder 22 Mal gesprochen, zuletzt aber weniger Kontakt gehabt als früher.



Verwendete Quellen:

Welt: "'Ich glaube, dass wir am Anfang eines größeren Krieges stehen' – Vučić fürchtet Eskalation"

Nachrichtenagentur Reuters

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