Umweltgefahr im Mittelmeer

Russischer Tanker vor Malta wird zur "schwimmenden Zeitbombe"

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

:newstime

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Ein schwer beschädigter russischer Gastanker treibt manövrierunfähig vor Malta. An Bord lagern große Treibstoffmengen – Umweltschützer:innen warnen vor einer "schwimmenden Zeitbombe".

Das Wichtigste in Kürze

  • Der russische Gastanker Arctic Metagaz treibt nach Explosionen manövrierunfähig vor Malta, an Bord sind noch große Mengen Heizöl, Diesel und Erdgas.

  • Umweltverbände warnen vor einer "schwimmenden Zeitbombe": Ein Leck oder eine Explosion könnten eines der artenreichsten Gebiete des Mittelmeers über Jahre schädigen.

  • Weil das Schiff in internationalen Gewässern liegt, ist unklar, wer handeln muss - Russland sieht sich als Flaggenstaat in der Verantwortung, verweist aber zugleich auf Pflichten der Küstenstaaten.

Der russische Gastanker Arctic Metagaz treibt seit fast zwei Wochen unkontrolliert im zentralen Mittelmeer und sorgt für wachsende Sorge bei Küstenstaaten und Umweltorganisationen. Das 277 Meter lange Schiff wurde Anfang März durch mehrere Explosionen schwer beschädigt und verlor die Manövrierfähigkeit.

Nach Angaben aus Moskau gehört der Tanker zu einer genehmigten russischen "Schattenflotte" und soll von ukrainischen Seedrohnen angegriffen worden sein. Die ukrainische Seite hat diese Darstellung bisher nicht kommentiert. Luftaufnahmen zeigen einen mehrere Dutzend Meter breiten Riss in der Bordwand nahe der Wasserlinie, der Rumpf ist großflächig durch Feuer geschwärzt.


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Explosionen, Evakuierung und große Mengen Treibstoff

Die Explosionen ereigneten sich am 3. März. Laut russischen Berichten mussten daraufhin 30 Besatzungsmitglieder, überwiegend aus Russland und von den Philippinen, evakuiert werden. Libysche Behörden erklärten das Schiff zunächst fälschlicherweise für ein Wrack, so groß schien das Ausmaß der Zerstörung.

Nach Informationen russischer Stellen sind an Bord weiterhin Knallgeräusche zu hören, es wurden Gasemissionen gemessen, und in einzelnen Abteilungen soll es weiterhin brennen. Zum Zeitpunkt der Evakuierung befanden sich demnach noch 450 Tonnen Heizöl, 250 Tonnen Dieselkraftstoff und "erhebliche Mengen Erdgas" in den Tanks. Fachleute warnen, diese Kombination erhöhe das Risiko eines unkontrollierten Notfalls "bis hin zur Explosion" deutlich.

Umweltschützer:innen warnen vor Langzeitfolgen

Die Nachrichtenagentur AFP lokalisierte den Tanker zuletzt rund 50 Seemeilen südwestlich von Malta, zwischen der Insel und den italienischen Eilanden Lampedusa und Linosa. Auf aktuellen Aufnahmen ist zu sehen, wie Heck und Bordwände stark verrußt sind.

Umweltschützer:innen sprechen von einer "schwimmenden Zeitbombe". Ein Leck oder eine Explosion könnten eines der artenreichsten Gebiete des Mittelmeers schwer treffen. Der WWF warnt, eine großflächige Kontamination könne "jahrelange Folgen" für Meeresleben, Küstenökosysteme und Fischerei haben. Fachleute betonen, der stark beschädigte Rumpf und weiter ablaufende Prozesse im Inneren machten die Lage schwer berechenbar.

EU-Staaten schlagen Alarm

Auch europäische Regierungen zeigen sich alarmiert. Italien, Frankreich und sieben weitere EU‑Länder haben in einem gemeinsamen Schreiben an die EU-Kommission vor einer "unmittelbaren und ernsten Gefahr" für die Region gewarnt. Sie fordern, dass mögliche Hilfs‑ und Schutzmaßnahmen vorbereitet werden, bevor der Tanker in nationale Hoheitsgewässer treibt.

Rettungsteams stehen nach Angaben aus Malta bereit, um einzugreifen, sollte sich das Schiff dem Inselstaat nähern. Bislang bleibt die Arctic Metagaz jedoch in internationalen Gewässern, was die Frage erschwert, wer offiziell zuständig ist, Bergungsmaßnahmen zu koordinieren oder anzuordnen.

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Streit um Zuständigkeiten

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte, Russland habe als Flaggenstaat "die Kontrolle über die Situation". Gleichzeitig betonte sie, nach internationalen Normen liege "die Verantwortung für die Verhinderung von Umweltschäden bei den Küstenstaaten".

Damit ist unklar, wer letztlich handeln muss, falls sich die Lage weiter zuspitzt. Während Russland auf seine Hoheitsrechte verweist, verlangen Nachbarstaaten Klarheit, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen wie Schlepper- oder Bergungseinsätze einleiten zu können. Solange keine Einigung besteht, treibt die Arctic Metagaz weiter durch das Mittelmeer – und mit jedem Tag steigt die Sorge, dass aus dem beschädigten Schiff tatsächlich ein schwerer Umweltunfall wird.


Verwendete Quellen:

Euro News: ""Schwimmende Zeitbombe": Russischer Tanker im Mittelmeer droht zu explodieren"

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