Rentenreform in Deutschland

Rente mit 70? Experten arbeiten an Vorschlägen für neues Rentensystem

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

:newstime

CDU-Spitzenkandidat Hagel bringt Rente ab 70 ins Spiel

Videoclip • 01:00 Min • Ab 12


- Anzeige -

- Anzeige -

Eine 13-köpfige Expert:innengruppe der schwarz-roten Bundesregierung soll bis Ende Juni Vorschläge für eine große Rentenreform vorlegen. Bei ihrem nächsten Treffen steht ein heikles Thema auf der Agenda: ein mögliches Anheben des Rentenalters – bis auf 70 Jahre.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine 13-köpfige Expert:innengruppe (ASK) arbeitet im Auftrag der Bundesregierung bis Ende Juni an Vorschlägen für eine große Rentenreform, inkl. möglicher Rente mit 70.

  • Diskutiert werden Abschläge bei früherem Rentenbeginn, Prämien für Arbeiten über 70, Einzahlungen von Beamt:innen und Politiker:innen sowie ein stärkerer Einsatz von Aktien in der Vorsorge.

  • Die Kommission arbeitet nach eigenen Angaben "sachlich und ideologiefrei"; ihr Motto: "Die Regierung bekommt klare Empfehlungen und keine Ausreden!" – der Abschlussbericht soll die Grundlage für politische Entscheidungen bilden.

Die Ampel ist Geschichte, im Bund regiert jetzt Schwarz-Rot – und die neue Koalition plant eine umfassende Reform der Alterssicherung. Dazu hat sie die Alterssicherungskommission (ASK) eingesetzt, eine Expert:innengruppe mit 13 Mitgliedern aus Politik und Wissenschaft. Ihr Auftrag: Bis zum 30. Juni konkrete Vorschläge liefern, wie das angeschlagene Rentensystem langfristig stabil bleiben kann.

Wie "Bild" berichtet, kommt die Kommission am 23. Februar erneut zusammen. Bei diesem Termin soll ein besonders umstrittenes Thema diskutiert werden: eine Anhebung des gesetzlichen Rentenalters, in den Papieren ist sogar von einer "Rente mit 70" die Rede.

Auch in den News:

- Anzeige -

- Anzeige -

Rente mit 70 und Belohnungen fürs Weitermachen

Nach Informationen aus Kommissionskreisen sind verschiedene Modelle denkbar. Die Expert:innen wollen etwa darüber sprechen, welche Abschläge gelten sollen, wenn jemand vor 70 in Rente geht. Umgekehrt soll das Arbeiten über 70 hinaus attraktiver gemacht werden. In den Planungen ist von einer "sehr großzügigen" Belohnung für Menschen die Rede, die über das reguläre Rentenalter hinaus weiterarbeiten.

Klar ist: Hintergrund der Überlegungen ist die demografische Entwicklung. Immer mehr Ruheständler:innen stehen immer weniger Beitragszahler:innen gegenüber. Ohne einschneidende Änderungen drohen entweder höhere Beiträge, geringere Renten – oder beides.

Beamte, Politiker und der Blick an die Börse

Die Kommission unter Vorsitz der Sozialrechtlerin Constanze Janda (Uni Speyer) und des früheren Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, will außerdem prüfen, ob künftig auch Beamt:innen und Politiker:innen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen sollen. Nach Angaben aus der Runde ist aber allen klar: Allein mehr Einzahler:innen lösen das strukturelle Problem der Alterung der Gesellschaft nicht.

Deshalb schaut die Expert:innengruppe auch auf den Aktienmarkt. Einigkeit besteht laut Bericht darin, dass private und betriebliche Vorsorge stärker auf Aktien setzen soll. Gleichzeitig soll das Risiko begrenzt werden: Keine spekulativen Einzelwerte, keine "Zockerrisiken" kurz vor Rentenbeginn. Als Vorbild dienen Rentensysteme in Schweden, Norwegen und den Niederlanden, in denen breit gestreute Fonds eine größere Rolle spielen.


Sachlich, ideologiefrei – und ohne Ausreden

Nach Informationen von "Bild" arbeitet die Kommission "überraschend sachlich und ideologiefrei". Minderheitsvoten sind nicht vorgesehen, abweichende Positionen sollen lediglich im Bericht erwähnt werden, aber nicht als eigene Gegenberichte ausgearbeitet werden. Lediglich Annika Klose (SPD) sorge "ab und zu für Klassenkampf-Folklore", heißt es aus der Runde – etwa, wenn es um Verteilungskonflikte oder höhere Beiträge für Gutverdienende geht.

Das selbst gewählte Motto der Kommission lautet: "Die Regierung bekommt klare Empfehlungen und keine Ausreden!" Die Botschaft dahinter: Am Ende sollen konkrete, umsetzbare Vorschläge auf dem Tisch liegen – auch wenn sie unpopulär sind. Welche Empfehlungen zur Rente mit 70, zu Einzahlungen von Beamt:innen und Politiker:innen und zu einem stärkeren Aktienanteil tatsächlich im Abschlussbericht stehen werden, dürfte eine der wichtigsten sozialpolitischen Debatten des Jahres auslösen.


Verwendete Quellen:

Bild: "Jetzt geht’s um die Rente mit 70!"

- Anzeige -

- Anzeige -

Mehr entdecken