Bayerische Tradition
Politischer Aschermittwoch: Spitzenpolitiker im polemischen Schlagabtausch
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Auch in diesem Jahr laden die Parteien zum schelmischen Schlagabtausch. (Archivbild)
Bild: Sven Hoppe/dpa
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Der politische Aschermittwoch hat seine Wurzeln in Bayern. Parteien dient er für teils unsachliche und scharfzügige Angriffe ihrer Gegner. In diesem Jahr will man aber auch für die Kommunalwahl Stimmen sammeln.
Das Wichtigste in Kürze
Am politische Aschermittwoch laden Parteien zur politischen Plänkelei gegen ihre Opponenten.
Die Tradition hat ihre Wurzeln in Bayern und reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück.
Vor dem Hintergrund der Kommunalwahlen in Bayern steht der diesjährige politische Aschermittwoch auch im Zeichen des Wahlkampfes.
Der Aschermittwoch markiert in der christlichen Tradition den Beginn der Fastenzeit. Doch neben der religiösen Bedeutung trägt Aschermittwoch auch eine politische. Die Ursprünge des sogenannten politischen Aschermittwochs führen in den Freistaat Bayern. Warum es ihn gibt, wie er seinen Anfang nahm und was in diesem Jahr zu erwarten ist? Dieser Beitrag klärt auf.
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Was ist der politische Aschermittwoch?
Die Tradition des politischen Aschermittwochs geht ursprünglich auf den Freistaat Bayern zurück. Dort gilt dieser Tag als Landestreffen aller größten deutschen Parteien. Daher gehören Bier und Fischsemmeln zum politischen Aschermittwoch traditionell dazu. Mittlerweile wird auch in anderen Bundesländern der politische Aschermittwoch von Parteien als schelmisches Sprachrohr genutzt.
Es geht dabei weniger darum, Ideen und Konzepte zu vermitteln. Vielmehr ist das Ziel, auf humoristische, aber durchaus schnippische, oder gar polemische Art und Weise den politischen Gegner:innen abzuwatschen. Persönliche und unsachliche Attacken auf Politiker:innen anderer Parteien stehen dabei auf der Tagesordnung. Von den Redner:innen werden zumeist emotionale Themen aufgegriffen, mit Bezug zu aktuellen Krisen: von Pflege, Rente oder Bürgergeld, bis hin zu Migration, Sicherheitspolitik sowie Schuldenbremse. Die politische Gefolgschaft soll dabei motiviert als auch mobilisiert, Gegner:innen im besten Fall Wähler:innen abgejagt werden.
Die CSU wird als Traditionsträger für den politischen Aschermittwoch angesehen, da die Partei die Versammlungen seit ihrer Entstehung in bayerischer Tradition fortlaufend als politische Bühne nutzte. Oppositionsparteien der CSU bekommen auf der Versammlung seither ihr Fett weg.
Der politische Aschermittwoch hat mittlerweile neben seiner traditionellen Bedeutung auch einen zweckmäßgen Stellenwert. Besonders wenn Wahlen im laufenden Jahr anstehen, wird der polemische Schlagabtausch auch als Wahlkampfveranstaltung genutzt.
Geschichte des politischen Aschermittwochs
Die Anfänge des politischen Aschermittwochs reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Bayerische Bauern trafen sich in Vilshofen an der Donau zum Vieh- und Rossmarkt. Wenn nicht akribisch um Preise gehandelt wurde, dann ging es um Themen des Tages. Später im 19. Jahrhundert wurde dann auch die königliche Politik in Bayern behandelt. Vilshofen galt traditionsgemäß bis 1975 als Heimat der politischen Veranstaltungen am Aschermittwoch.
Offiziell datiert man den Beginn des politischen Aschermittwochs jedoch auf das Jahr 1919. Damals rief der bayerische Bauernbund zu einer Versammlung auf, im Zuge derer vorwiegend Spitzenpolitiker der Bayernpartei (BP) und CSU gegeneinander debattierten.
Mitunter diente die Versammlung bis zum Ende der NS-Diktatur auch der NSDAP als Propagandaveranstaltung. Die Partei konnte mithilfe des politischen Aschermittwochs Popularität erlangen und der Veranstaltung zudem derzeit zu bundesweiter Bekanntheit verhelfen. Während des Zweiten Weltkrieges fanden keine Veranstaltungen statt.
1946 startete der politische Aschermittwoch erstmalig wieder mit Veranstaltungen in Vilshofen, zu welchem damals die Bayernpartei geladen hatte. Die CSU schloss sich in den 50er Jahren wieder unter Vorsitz von Franz Josef Strauß an. In den 60er Jahren gesellte sich dann auch die SPD hinzu. Wegen des Zulaufes weitere Parteien und einer wachsenden Anzahl an Zuhörer:innen zog der politische Aschermittwoch 1975 nach Passau, wo jedes Jahr seit 2004 ein humoristisches Scharmützel abgehalten wird.
Kommunalwahlen in Bayern: Am politischen Aschermittwoch auf Stimmenjagd
Am 8. März 2026 finden in Bayern Kommunalwahlen satt. Daher wird der diesjährige Aschermittwoch als Bühne für die Mobilisierung der Partei-Wählerschaft genutzt. Folgende Parteien laden in diesem Jahr zum scharfzügigen Schlagabtausch:
CSU in Passau, Dreiländerhalle: Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder sowie Generalsekretär Martin Huber als Redner
Grüne in Landshut, Bernlochner Saal: Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze und Bundestagsfraktionschefin Katharina Dröge als Redner:innen
Freie Wähler in Deggendorf, Stadthalle: Parteichef Hubert Aiwanger, Florian Wiedemann und Digitalminister Fabian Mehring als Redner
SPD in Vilshofen an der Donau, Wolferstetter Keller: Vizekanzler und Parteichef Lars Klingbeil sowie Bayern-SPD-Chefin Ronja Endres als Redner
Die Linke in Thyrnau, Kurgästehaus Kellberg: Stellv. Fraktionsvorsitzende im Bundestag Janine Wissler als Rednerin
AfD in Tiefenbach, Gasthof Knott: Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner, Landeschef Stephan Protschka und Vize-Bundestagsfraktionschef Markus Frohnmaier als Redner
BSW in Tiefenbach, Gasthof Knott: Bundesvorsitzende Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali als Redner
FDP in Dingolfing, Stadthalle: Vize-Parteichef Wolfgang Kubicki als Redner
ÖDP in Passau, Gasthof Aschenberger: Landesvorsitzende Agnes Becker und Tobias Ruff als Redner:innen
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Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
historisches-lexikon-bayerns.de: "Politischer Aschermittwoch"
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