Krieg in der Ukraine

Putin verschärft Mobilisierung – jetzt müssen Firmen helfen

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

:newstime

So profitiert Putin vom Krieg im Iran

Videoclip • 02:45 Min • Ab 12


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Russlands Armee findet zu wenig neue Soldat:innen. Nun sollen Unternehmen Beschäftigte für Militärverträge benennen. Expert:innen sprechen von verdeckter Mobilisierung.

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Region Rjasan müssen Firmen mit 150 bis 500 Beschäftigten laut Dekret zwei bis fünf Mitarbeitende für Verträge mit dem Verteidigungsministerium benennen.

  • Das ISW wertet die neuen Regeln als Teil einer verdeckten Mobilisierung, mit der Russland hohe Verluste ausgleicht, ohne eine erneute Massenmobilmachung zu verkünden.

  • Unabhängige Recherchen von Mediazona und BBC haben bisher über 206.000 gefallene Russ:innen namentlich identifiziert – darunter viele Freiwillige und rekrutierte Häftlinge.

Russland kämpft offenbar zunehmend mit Nachwuchsproblemen im Ukraine-Krieg. Laut einer Analyse des US‑Instituts Institute for the Study of War (ISW) ist die Zahl der neu Rekrutierten im Januar 2026 erstmals unter die Verlustzahlen gefallen. Das Verteidigungsministerium in Moskau habe "Schwierigkeiten, neue Soldaten zu gewinnen", heißt es in dem Bericht.

Um die Lücken zu schließen, greift der Kreml demnach zu neuen Mitteln. Die Mobilisierung werde verschärft, ohne offiziell eine neue Massenmobilmachung auszurufen. Stattdessen setzt Russland auf regionale und verdeckte Maßnahmen.


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Unternehmen sollen Mitarbeiter:innen melden

Ein Beispiel liefert die Region Rjasan westlich von Moskau. Deren Gouverneur hat nach ISW‑Angaben am 20. März ein Dekret unterzeichnet. Es verpflichtet mittlere und große Unternehmen, Mitarbeiter:innen für Verträge mit dem Verteidigungsministerium auszuwählen. Firmen mit 150 bis 500 Beschäftigten müssten je nach Größe zwei bis fünf Personen benennen. Die Regelung gilt laut Agentsvo‑Bericht mindestens bis zum 20. September 2026 und stützt sich auf Erlasse, die Präsident Wladimir Putin bereits im Oktober 2022 unterschrieben hatte.

Die Auswahl, welche Beschäftigten gemeldet werden, liegt bei den Unternehmen selbst. Nach Einschätzung des ISW verlagert der Kreml so die Verantwortung für die Mobilisierung. Unmut und Angst der Betroffenen könnten sich eher gegen die Arbeitgeber oder regionale Behörden richten – und nicht direkt gegen Moskau.

Verdeckte Mobilisierung statt offenem Massenaufruf

In den vergangenen Jahren hatte das russische Militär vor allem mit hohen Einmalzahlungen und Prämien um Freiwillige geworben. Diese Anreize hätten gegen Ende 2025 deutlich an Wirkung verloren, schreibt das ISW. Viele junge Männer seien trotz Geldversprechen nicht mehr bereit, sich für den Fronteinsatz zu melden.

Die Analyse spricht von einer "fortlaufenden verdeckten Mobilisierung". Ziel sei, die Verluste der Armee auszugleichen, ohne die Bevölkerung mit einer erneuten großen Einberufungswelle zu schockieren. Nach mehr als vier Jahren Krieg in der Ukraine und anhaltenden Kampfhandlungen an mehreren Frontabschnitten muss Russland seine Truppen immer wieder auffüllen. Wie stabil dieses System regionaler Zwangsverträge ist, bleibt unklar.

Auch in den News:

Hohe Verluste – Freiwillige und Häftlinge besonders betroffen

Die Höhe der russischen Verluste ist schwer zu überprüfen. Der ukrainische Generalstab spricht inzwischen von 1.298.730 gefallenen oder kampfunfähig gemachten russischen Soldat:innen seit Kriegsbeginn – Zahlen, die international nicht unabhängig bestätigt werden können.

Einen vorsichtigeren Einblick liefert das unabhängige russische Portal Mediazona zusammen mit dem russischsprachigen Dienst der BBC. Auf Basis von Todesanzeigen, Behördenangaben und lokalen Medien haben die Journalist:innen bis Mitte März die Identität von 206.202 getöteten Russ:innen in Uniform bestätigt. Seit Mitte März seien 2.896 neue Namen hinzugekommen.

Nach dieser Auswertung entfallen mehr als 75.300 Tote auf Freiwillige, rund 23.100 auf rekrutierte Häftlinge, etwa 18.200 auf mobilisierte Soldat:innen und 6.948 auf Offizier:innen. Mediazona betont, dass diese Zahlen nur einen Teil der tatsächlichen Verluste abbilden – viele Fälle tauchen in offiziellen Listen gar nicht auf.

Für Russlands Gesellschaft und Wirtschaft bedeutet die neue Mobilisierungswelle zusätzlichen Druck: Beschäftigte in Industrie, Verwaltung und Dienstleistungsbetrieben könnten plötzlich mit der Aufforderung konfrontiert werden, einen Militärvertrag zu unterschreiben. Ob weitere Regionen dem Beispiel Rjasans folgen, ist laut ISW zu erwarten – ein weiteres Zeichen dafür, wie sehr der Krieg das Land inzwischen beansprucht.


Verwendete Quellen:

Frankfurter Rundschau: "Putin verschärft Mobilisierung: Jetzt müssen Unternehmen mithelfen"

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