Iran

Protest in Teheran: Demonstranten benennen Straße symbolisch nach US-Präsident Trump

Veröffentlicht:

von Max Strumberger

US-Präsident Donald Trump spricht während einer Ansprache an die Nation.

Bild: Doug Mills/Pool The New York Times/dpa


Die jüngste Protestwelle im Iran erreicht neue Dimensionen: Aufnahmen zeigen, wie eine Straße in Teheran symbolisch nach Donald Trump benannt wird, während Sicherheitskräfte mit Tränengas und scharfer Bewaffnung reagieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im ganzen Iran fordern wütende Demonstrierende ein Ende der Islamischen Republik.

  • Dabei richtet sich die Bevölkerung mit Botschaften direkt an US-Präsident Trump.

  • Es wurde bereits symbolisch eine Straße nach dem Republikaner benannt.

Iranische Demonstrierende haben in den vergangenen 24 Stunden ihre landesweiten Proteste deutlich ausgeweitet und dabei in Slogans und Botschaften direkt an den US-Präsidenten Donald Trump appelliert. Auf Videoaufnahmen, die am Mittwoch veröffentlicht wurden, ist zu sehen, wie ein Demonstrant in Teheran eine Straße symbolisch nach Trump umbenennt. Andere Clips zeigen handgeschriebene Hilferufe mit der Aufschrift "Don’t let them kill us", wie der oppositionelle Sender Iran International berichtete. Die Sicherheitskräfte reagierten demnach mit einem verschärften Vorgehen, unter anderem mit dem Einsatz bewaffneter Einheiten und Tränengas in der iranischen Hauptstadt.

Die US-Iran-Expertin Holly Dagres vom Washington Institute veröffentlichte das Video der Straßenumbenennung auf der Plattform X. Sie erklärte, seit Trumps jüngsten Äußerungen zu den Protesten in Iran habe sie zahlreiche Videos gesehen, in denen Demonstrierende dem US-Präsidenten danken oder – wie in diesem Fall – Straßen symbolisch nach ihm benennen. Die Szenen illustrieren nach Einschätzung von Beobachtern, dass Teile der Protestbewegung gezielt internationale Aufmerksamkeit suchen, um Druck auf die iranische Führung zu erhöhen.

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Oppositionsführer: Noch nie dagewesene Gelegenheit für Regimewechsel

Der im Exil lebende Oppositionsführer Reza Pahlavi, der Sohn des  1979 gestürzten Schahs mit demselben Namen, bezeichnete die aktuelle Protestwelle als historische Chance für ein Ende der Islamischen Republik. "In all diesen Jahren habe ich noch nie eine Gelegenheit gesehen wie die, die wir heute in Iran sehen", sagte Pahlavi in einem am Dienstag in der US-Sendung "Hannity" ausgestrahlten Interview. Das iranische Volk sei entschlossener denn je, das Regime zu stürzen, die jüngsten Demonstrationen seien "beispiellos". Nach seinen Angaben haben sich die Proteste mittlerweile auf mehr als 100 Städte ausgedehnt.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Activists News Agency, auf die sich Iran International am Mittwoch berief, sind seit Beginn der aktuellen Proteste mindestens 36 Menschen ums Leben gekommen, darunter 34 Demonstrierende und zwei Angehörige der Sicherheitskräfte. Landesweit seien mehr als 2.000 Menschen festgenommen worden. Offizielle, aktualisierte Zahlen legten die iranischen Behörden bislang nicht vor. In neuen Videoaufnahmen der vergangenen Stunden waren brennende Barrikaden in den Straßen von Shiraz zu sehen, dazu Rufe wie "Tod Khamenei" – eine direkte Attacke auf den Obersten Führer Ali Khamenei.


Iran seit 1979 von den Mullahs regiert

Der iranische Schah Mohammad Reza Pahlavi wurde 1979 nach monatelangen Massendemonstrationen, Streiks und Unruhen gestürzt. Auslöser waren soziale Ungleichheit, autoritäre Herrschaft, Repression durch den Geheimdienst SAVAK und der Eindruck übermäßiger Westorientierung. Unter Führung von Ajatollah Ruhollah Khomeini entstand eine breite Oppositionsbewegung, die Monarchie brach zusammen, der Schah ging ins Exil und die Islamische Republik wurde ausgerufen.

Seit 1979 prägt ein theokratisches System den Iran, in dem religiöse Führer - die sogenannten Mullahs - großen Einfluss ausüben. Der Iran-Irak-Krieg (1980–1988) schwächte das Land schwer. In den 1990er- und 2000er-Jahren wechselten Phasen vorsichtiger Reformversuche mit konservativen Gegenbewegungen. Das Atomprogramm führte zu Sanktionen und internationaler Isolation. Protestwellen 2009, 2019 und 2022 zeigen anhaltende Unzufriedenheit, vor allem bei jungen Menschen und Frauen.

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