Roger Rogoff
Nur 54 Minuten im Amt: Trump feuert neuen Bundesstaatsanwalt
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Trump ignoriert Justiz - neuer Zoll-Hammer
Videoclip • 01:07 Min • Ab 12
Nicht mal eine Stunde nach seiner Vereidigung als neuer Bundesstaatsanwalt von Seattle ist Roger Rogoff von US-Präsident Donald Trump entlassen worden. Rogoff arbeitete seit 20 Jahren als Staatsanwalt, als Bundesankläger und Richter.
Das Wichtigste in Kürze
US-Präsident Trump hat den neuen Bundesstaatsanwalt von Seattle direkt nach dessen Vereidigung entlassen.
Es handelt sich um Roger Rogoff, der zuvor einstimmig an die Spitze der Bundesstaatsanwaltschaft berufen worden war.
Die Entlassung per E-Mail der Trump-Regierung kam per E-Mail.
Direkt nach seiner Vereidigung als neuer Bundeststaatsanwalt von Seattle wollte Roger Rogoff seinen Amtersvorgänger Neil Flloyd treffen. Während er am Mittwoch (15. Juli) um 7:40 Uhr im Bundesgericht von Seattle auf diesen wartete, erreichte ihn eine E-Mail ders Weißen Hauses, meldet die "Frankfurter Rundschau" (FR). Darin stand, US-Präsident Donald Trump habe ihn aus dem Amt entfernt. Zu diesem Zeitpunkt war Rogoffs Ernennung gerade mal 54 Minuten her. Das bestätigen übereinstimmend mehrere US-Medien.
Unmittelbar davor hatten Bundesrichter:innen den früheren Richter und erfahrenen Staatsanwalt einstimmig an die Spitze der Bundesstaatsanwaltschaft Seattle im westlichen Teil des Bundesstaates Washington berufen, heißt es weiter bei der FR. In ihrem Schreiben beruft sich die Trump-Regierung auf die Verfassung und ein Bundesgesetz, das dem Präsidenten die Entlassung von Bundesstaatsanwält:innen erlaubt, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg eine Sprecherin des US-Justizministeriums.
Auch in den News:
Rogoff will Klage gegen seine Entlasssung einreichen
Nach seiner Entlassung noch vor dem ersten Arbeitstag als Bundesstaatsanwalt von Seattle prüft Rogoff nun rechtliche Schritte, meldet die "The Seattle Times". "Wir arbeiten gerade an einer Klage", sagte er der Tageszeitung. Rechtsstaatliche Prinzipien verlangten, dass Entscheidungen der Staatsanwaltschaft frei von politischer Einflussnahme blieben und rechtmäßige Ernennungen durch Gerichte respektiert würden, so Rogoff.
Wie es in dem FR-Bericht weiter hießt, leiten US-Bundesstaatsanwält:innen die Strafverfolgung des Bundes in ihrem jeweiligen Gerichtsbezirk. Normalerweise schlage der Präsident die Amtsinhaber:innen vor, anschließend sei die Zustimmung des Senats erforderlich. Für eine Übergangszeit könne die Regierung den Posten ohne Bestätigung besetzen. Wenn diese Frist jedoch abläuft, bevor ein:e Kandidat:in bestätigt wurde, dürfen die zuständigen Bundesrichter:innen den Recherchen zufolge eine vorläufige Besetzung bestimmen. So war es offenbar im Fall von Roger Rogoff.
Trump hatte Vorgänger Neil Flloyd nicht formell nominiert
Nachdem Trump im Oktober 2025 Neil Floyd vorübergehend eingesetzt hatte, reichte er laut FR keine formelle Nominierung für die Abstimmung im Senat ein. Als Floyds 120-tägige Amtszeit abgelaufen war, ernannte ihn demnach die Regierung zum ersten stellvertretenden Bundesstaatsanwalt. Der Chefposten sei unbesetzt geblieben.
Im Mai äußerte dem Bericht zufolge ein Berufungsgericht Zweifel an der Rechtmäßigkeit dieses Vorgehen. Daraufhin hätten die 17 aktiven und ehemaligen Bundesrichter:innen des Bezirks Seattle selbst die Suche nach der Nachfolge. übernommen. Eine überparteilich besetzte Kommission habe die Bewerbungen geprüft, was am Mittwoch zur einstimmigen Ernennung von Roger Rogoff durch die Richter:innen führte.
Häme von Bondis Nachfolger Todd Blanche
"Roger Rogoff wurde vom Präsidenten gefeuert", schrieb der amtierende US-Justizminister Todd Blanche in den sozialen Medien über die Entlassung. Zwar dürften Bundesrichter:innen einen vorläufigen Bundesstaatsanwalt einsetzen, der Präsident könne ihn aber wieder abberufen. Die Richter:innen hätten bei ihrer Auswahl nicht die übliche Abstimmung mit der Regierung gesucht, so Blanche, der seit der Entlassung von Justizministerin Pam Bondi im April 2026 kommissarisch eingesetzt ist.
Rogoff sei rechtmäßig ernannt worden und habe über Jahrzehnte seine Eignung für den öffentlichen Dienst bewiesen, kritisierte die demokratische Senatorin Patty Murray die Entscheidung Trumps. Die Regierung wolle keine parlamentarische Kontrolle, sondern politisch loyale Personen einsetzen. Mit einer schnellen Entlassung habe er gerechnet, sagte Rogoff. Die einstimmige Unterstützung der Richter:innen sei dennoch als große Auszeichnung für ihn.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
bloomberglaw.com: "White House Rapidly Fires Seattle Judges’ US Attorney Pic"
eciks.org: "Trump fires newly appointed Seattle prosecutor less than an hour after swearing in"
seattletimes.com: "rump fires new U.S. attorney in Seattle within an hour"
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