Welle der Gewalt befürchtet

Nach Tod von Drogenboss "El Mencho": Fußball-WM in Mexiko auf der Kippe?

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

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Mexiko: Chaos nach Tod von Drogenboss

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Der Tod des berüchtigten Drogenbosses "El Mencho" stellt Mexiko vor eine Zerreißprobe. Die Frage bleibt, ob das Land in eine neue Spirale der Gewalt stürzt oder die Regierung die Kontrolle behalten kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Tod von Drogenboss "El Mencho" droht Mexiko in eine neue Gewaltspirale zu stürzen.

  • Präsidentin Sheinbaum steht unter Druck, das Machtvakuum zu stabilisieren und Gewalt zu verhindern.

  • Die Sicherheit bei der Fußball-WM in Mexiko könnte durch die Unruhen gefährdet sein.

Der Tod des mächtigen Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als "El Mencho", hat Mexiko in Aufruhr versetzt. "El Mencho", Anführer des berüchtigten Kartells Jalisco Nueva Generación (CJNG), starb bei einer Schießerei mit Sicherheitskräften im Bundesstaat Jalisco. Seine Organisation gilt als eine der gefährlichsten weltweit und kontrolliert weite Teile Mexikos. Nun droht eine Eskalation der Gewalt, die das Land destabilisieren könnte.

Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum steht angesichts der Ereignisse unter enormem Druck. Während sie den Tod von "El Mencho" als Erfolg gegen die organisierte Kriminalität feiern könnte, bleibt unklar, ob dieser Triumph von Dauer ist. Nach dem Tod des Drogenbosses flammten im ganzen Land Unruhen auf: Straßen wurden blockiert, Banken niedergebrannt und Touristenregionen wie Puerto Vallarta in Angst und Schrecken versetzt. Besonders kritisch ist die Situation in Guadalajara, dem Hauptsitz des CJNG, wo bald auch Spiele der Fußball-WM stattfinden sollen.

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Eine angespannte Lage mit ungewisser Zukunft

Die Unsicherheit über die Nachfolge innerhalb des CJNG verstärkt die angespannte Lage. Anders als beim Sinaloa-Kartell, das nach der Verhaftung von Joaquín "El Chapo" Guzmán in Machtkämpfe verfiel, wurde das CJNG bislang zentral von "El Mencho" geführt. Ob es nun zu internen Kämpfen oder gar einem Bandenkrieg mit rivalisierenden Kartellen kommt, bleibt abzuwarten. Ein offener Krieg gegen den Staat – wie einst von Pablo Escobar in Kolumbien geführt – gilt jedoch als unwahrscheinlich. Die Kartelle in Mexiko haben sich meist mit lokalen Behörden arrangiert und vermeiden direkte Konfrontationen.

Trotzdem bleibt das Risiko hoch, dass rivalisierende Organisationen versuchen könnten, das Machtvakuum auszunutzen. Bereits jetzt ist das CJNG durch massive Korruption tief in der mexikanischen Politik und Justiz verankert. Die Devise "Plata o Plomo" – Geld oder Blei – sorgt dafür, dass viele lokale Beamte und Polizist:innen den Kartellen dienen oder bedroht werden.

Herausforderungen für Präsidentin Sheinbaum

Die mexikanische Regierung steht nun vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss die öffentliche Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig verhindern, dass das Land in eine neue Welle der Gewalt gerät. Präsidentin Sheinbaum erinnert dabei an die Fehler ihrer Vorgänger:innen. Besonders die Amtszeit von Felipe Calderón (2006–2012) gilt als abschreckendes Beispiel. Damals führte die Militarisierung des Drogenkriegs zu Zehntausenden Toten und einer endlosen Spirale der Gewalt.

Auch Sheinbaums Vorgänger Andrés Manuel López Obrador scheiterte mit seiner Strategie "Abrazos no balazos" („Umarmungen, keine Kugeln“) zur Deeskalation. Nun muss Sheinbaum einen neuen Weg finden, um das Land zu stabilisieren, ohne selbst Opfer der Gewaltspirale zu werden.

Die internationale Dimension des Konflikts verschärft die Lage zusätzlich. Die USA haben Mexiko wiederholt für die Verbreitung von Drogen verantwortlich gemacht. Donald Trump drohte sogar mit militärischen Interventionen, sollte Mexiko nicht energischer gegen die Kartelle vorgehen. Amerikanische Sicherheitsbehörden spielten auch eine entscheidende Rolle bei der Lokalisierung von "El Mencho". Die Kooperation zwischen den USA und Mexiko zeigt erste Erfolge, doch es bleibt abzuwarten, ob diese nachhaltig sind.

Gefahr für die Fußball-WM?

Neben den politischen und sozialen Folgen könnte auch die geplante Austragung der Fußball-WM in Mexiko unter den aktuellen Entwicklungen leiden. Guadalajara ist einer der drei Austragungsorte im Land – doch die jüngsten Unruhen gefährden die Sicherheit von Spieler:innen und Fans.

Ob Mexiko nach dem Tod von "El Mencho" in eine monatelange Welle der Gewalt stürzt oder die Regierung die Kontrolle zurückgewinnt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Klar ist jedoch: Der Kampf gegen das organisierte Verbrechen bleibt eine der größten Herausforderungen des Landes.


Verwendete Quellen:

Spiegel: "Wie Drogenkartelle Mexiko terrorisieren – und jetzt die Fußball-WM gefährden"

Nachrichtenagentur dpa

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