Ukraine-Krieg
Nach Protesten gegen Fedorow-Aus: Selenskyj entlässt auch Armeechef Syrsky
Veröffentlicht:
von Max Strumberger:newstime
Selenskyj: Baldiges Kriegsende möglich
Videoclip • 32 Sek • Ab 12
Nächster Paukenschlag in Kiew. Nach der Entlassung von Verteidigungsminister Fedorow tauscht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jetzt auch Armeechef Syrsky aus. Das steckt hinter der brisanten Personalentscheidung.
Das Wichtigste in Kürze
Mitten im russischen Angriffskrieg ordnet Präsident Selenskyj die militärische Führung neu.
Nach mehreren Tagen Protesten wird der ukrainische Armeechef Syrsky abgelöst.
Der Schritt ist eine Reaktion auf Proteste und einen offenen Richtungsstreit im Krieg.
Nach Tagen wachsender Proteste hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seinen Armeechef Oleksander Syrsky entlassen. Neuer Oberbefehlshaber der Streitkräfte soll General Mychailo Drapaty werden, der bislang für übergreifende Einsätze der Teilstreitkräfte zuständig war. Die Personalentscheidung markiert einen abrupten Kurswechsel an der militärischen Spitze des Landes.
Auslöser der Krise war die umstrittene Entlassung von Verteidigungsminister Mychailo Fedorow, die landesweit für Empörung sorgte. Der erst 35-Jährige galt vielen Ukrainern als Symbol für Modernisierung, Tempo und den stärkeren Einsatz neuer Technologien im Krieg. Vor allem seine Unterstützung für den massiven Einsatz von Drohnen hatte ihm im In- und Ausland Anerkennung eingebracht.
Massenproteste nach Fedorow-Entlassung
Zwischen Fedorow und Syrsky war der Konflikt zuletzt offen eskaliert. Fedorow warf dem General vor, seine eigene Ablösung mit einem Ultimatum erzwungen zu haben und an langsamen, bürokratischen Strukturen festzuhalten. Statt Russland mit asymmetrischen Mitteln unter Druck zu setzen, habe die militärische Führung das Land gespalten, kritisierte er öffentlich. Syrsky wies die Vorwürfe zurück und verwies auf die Notwendigkeit geschlossener Fronten im anhaltenden Abwehrkampf gegen Russland.
Sechs Tage in Folge gingen daraufhin in Kiew und anderen Städten Tausende Menschen auf die Straße. Viele Demonstranten forderten nicht nur Fedorows Rückkehr, sondern vor allem Syrskys Ablösung. Selenskyj hatte zunächst an seinem Armeechef festgehalten, zugleich aber erklärt, er höre auf die Stimmen der Bevölkerung und führe Gespräche mit Militärs sowie den beiden Kontrahenten. Nun reagiert der Präsident offenbar auf den politischen Druck von der Straße.
Künftige Rolle von Fedorow bleibt offen
Trotz der Entlassung würdigte Selenskyj Syrskys militärische Verdienste, insbesondere bei der Verteidigung von Kiew und der Gegenoffensive im Raum Charkiw. Offen bleibt vorerst, welche Rolle Fedorow künftig spielen wird. Sein Ministeramt wird derzeit kommissarisch von Geheimdienstler Jewhenij Chmara geführt, dessen Nominierung noch vom Parlament bestätigt werden muss. Für die Ukraine beginnt damit mitten im Krieg eine heikle Neuordnung der Macht im Sicherheitsapparat.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Nachrichtenagentur Reuters
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