Maybrit Illner
Militärexperte Carlo Masala über Iran-Krieg: "Für die Europäer hat sich die Sicherheitssituation keinen Jota verbessert"
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von Doris Neubauer:newstime
NATO-Aus? Trump beklagt mangelnde Hilfe
Videoclip • 01:57 Min • Ab 12
Tausende Tote und Millionen Vertriebene in rund 40 Tagen Krieg: Am Wochenende soll in Pakistan zwischen USA und Iran über eine Waffenruhe verhandelt werden: "Das war dann dazu gut, dass wir mit den Iranern an einem Tisch sitzen, an dem wir schon gesessen haben?", fragte Maybrit Illner zurecht ihre Gäste.
Das Wichtigste in Kürze
Milliardenkosten, tausende Tote – und wieder Gespräche mit Teheran.
In der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" zeichnen Masala, Röttgen und Gabriel ein Bild tiefer Unsicherheit.
Klar scheint nur eines: Europas Sicherheit hängt an einer fragilen Straße von Hormus und an Trumps Launen.
"Wir reden in einem großen Nichtwissen", stellte CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen bei "Maybrit Illner" früh fest. Am Freitag oder Samstag sollen in Pakistan die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA beginnen, in denen die Bedingungen einer Waffenruhe geklärt werden. Doch sei es nicht nur vollkommen ungewiss, wer für beide Regierungen am Tisch sitzt. "Wir wissen momentan nicht mal, was da verhandelt werden soll und was das Ergebnis dieser Verhandlungen sein kann", erklärte Militärexperte Carlo Masala in der ZDF-Talksendung, bei der das Thema "Trump und Iran: Sieg, Niederlage oder Chaos?" zur Diskussion stand. "Jetzt fängt man an zu verhandeln mit maximal voneinander entfernten Punkten", beschrieb er die Situation als schwierig. Zumindest zum Stand heute habe die USA eine strategische Niederlage erlitten - "das kann in zwei Wochen je nach Verhandlungsergebnis anders sein".
Man dürfe nicht erwarten, dass in 14 Tagen auch nur eine einzige der Fragen geklärt sei, gab der ehemalige Außenminister und SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel zu bedenken, "Am ehesten zu erwarten ist ein Prozess", gab sich der Transatlantik-Politiker pragmatisch. "Am Ende kommt etwas raus, das nicht so weit entfernt ist vom früheren Atomabkommen", fügte er hinzu und verwies auf die neuen Machthaber, die "eine Runde dümmer, eine Runde radikaler" seien als die alten.
Carlo Masala: "Rutte hat einen Job: Donald Trump zu bespaßen und bei der Stange zu halten"
"Das war dann dazu gut, dass wir mit den Iranern an einem Tisch sitzen, an dem wir schon gesessen haben?", konnte sich Moderatorin Maybrit Illner angesichts der Milliarden-Ausgaben, tausenden Toten, Verletzten und Vertriebenen einen kritischen Kommentar nicht verkneifen.
"Ja, das kann man sehr zynisch so sagen", bestätigte Masala. Er wollte und konnte auch NATO-Generalsekretär Mark Ruttes Aussage nicht zustimmen, dass alle Europäer froh seien über die Situation und dass die Militäraktionen Europa wesentlich sicherer gemacht habe. "Rutte hat einen Job: Donald Trump zu bespaßen und bei der Stange zu halten - also wahr ist daran nichts", erklärte er und formulierte klar: "Für die Europäer hat sich die Sicherheitssituation keinen Jota verbessert durch diesen Krieg."
Auch in den News:
Immerhin habe der Iran Schätzungen zufolge 60 bis 80 Prozent seines Waffenarsenals verloren, widersprach die deutsche Journalistin Souad Mekhennet von der "Washington Post". "Was wir von Sicherheitskreisen hören, klingt schon danach, dass diesem Regime großer Schaden zugefügt wurde."
Man dürfe nicht nur die kurzfristige Momentaufnahme betrachten, warf Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh mit Blick auf die Zukunft ein. "Diese Art des Vorgehens spielt eher den Menschen in die Karten, die das Fantasma des feindseligen Westens verbreiten", ließe sie an der völkerrechtswidrigen "Mad-Man-Strategie" von US-Präsident Donald Trump kein gutes Haar. Damit würden eher Hardliner gestärkt werden. Es sei ihrer Meinung nach Trump weder um einen Regimewechsel gegangen noch darum, den Menschen vor Ort zu helfen. "Es ist eine aus meiner Sicht unsinnige und sehr destruktive Angelegenheit. Darin nicht verwickelt zu werden, müsste deutsches und europäisches höchstes Interesse sein." Zudem sei das Stellen eines Ultimatums keine Art, wie man unter respektablen Verbündeten umgehe.
Norbert Röttgen (CDU): "Die Bundesregierung sagt, es gibt kein Ultimatum"
Sie bezog sich auf die Frist, die Trump den NATO-Partnern für eine militärische Unterstützung in der Straße von Hormus gegeben haben soll. "Die Bundesregierung sagt, es gibt kein Ultimatum", sah CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen darin eher einen Versuch des Republikaners, die Europäer auf seine Seite zu ziehen. Statt Maßnahmen brauche es seiner Ansicht nach aber jetzt eher Diplomatie und Rhetorik. Denn: "Dieser Krieg geht uns verdammt viel an! Wir sind auch Geiseln der Straße von Hormus, wir merken es auch an der Zapfsäule." Dementsprechend sei eine "dauerhafte Geiselnahme der Golfstaaten, der Region, der Weltwirtschaft und der Europäer" ein inakzeptables Ergebnis, das es zu verhindern gelte. Dann bestehe für die USA die "Gefahr einer strategischen Niederlage", erklärte er. Und die sei auch unsere Gefahr.
Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sei richtig, pflichtete Sigmar Gabriel den Aktionen von Bundeskanzler Merz bei, hatte dann aber doch einen Ratschlag für den CDU-Chef parat: "Der Hinweis an die arabischen Staaten, dass Deutschland sich verpflichtet, zur Seite zu stehen, wäre ein gutes Signal gewesen", so der ehemalige Außenminister.
Verwendete Quellen:
ARD
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