Weltwirtschaftsforum
Merz sieht "neue Welt der großen Mächte" – Reaktion auf Trumps Grönland-Wende
Aktualisiert:
von Michael Reimers:newstime
Merz: Zeitalter der Großmächte hat begonnen
Videoclip • 01:01 Min • Ab 12
Trump hat eine Wende in der Grönland-Politik angekündigt und die Zoll-Drohungen gegen Europa zurückgenommen. In Davos hat Kanzler Merz hierauf reagiert, aber dennoch vor einem "neuen Zeitalter" der Großmächte gewarnt.
Das Wichtigste in Kürze
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat Kanzler Friedrich Merz (CDU) von einer "neuen Welt der großen Mächte" gesprochen.
An seine europäischen Partner richtete Merz den Appell, einer von Großmächten bestimmten Weltordnung entgegenzutreten.
Donald Trumps Wende im Grönland-Konflikt bezeichnete Merz vorsichtig als "Schritte in die richtige Richtung".
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Europäer:innen mit deutlichen Worten auf eine neue Phase der internationalen Politik eingeschworen. "Ein neues Zeitalter hat bereits begonnen", erklärte er in seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. "Die neue Welt der großen Mächte ist auf Macht, Stärke und – wenn nötig – auch Gewalt ('force') gegründet. Sie ist kein kuscheliger Ort."
China habe es in die Reihen der Großmächte geschafft. Die USA würden in ihrer Vormachtrolle herausgefordert und ihre Außen- und Sicherheitspolitik drastisch verändern. "Um zu bestehen, müssen wir uns mit einer harschen Realität auseinandersetzen und den Kurs mit klarem Realismus bestimmen."
"Welt in der nur Macht zählt, ist gefährlicher Ort"
Merz rief die europäischen Partner dazu auf, einer von Großmächten bestimmten Weltordnung entgegenzutreten. "Eine Welt, in der nur Macht zählt, ist ein gefährlicher Ort", warnte er. Dies gelte "erst für kleine Staaten, dann für die mittleren Mächte, und letztlich für die großen".
Der Bundeskanzler betonte, dass die größte Stärke aus der Fähigkeit entstehe, Partnerschaften und Allianzen zu bilden, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt aufbauen. In diesem Zusammenhang hob er besonders die Bedeutung der NATO hervor.
Trump-Wende: "Schritte in die richtige Richtung"
Die Rede fand vor dem Hintergrund einer überraschenden Entspannung im Konflikt um Grönland statt. US-Präsident Donald Trump hatte am Vorabend nach einem Gespräch mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte seine Drohung mit Strafzöllen gegen Deutschland und andere europäische Länder zurückgenommen.
Trump verwies darauf, dass während des Treffens mit Rutte ein Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktisregion entstanden sei. Diese Lösung werde bei einer Umsetzung für die USA und alle NATO-Mitglieder von großem Nutzen sein, erklärte der US-Präsident.
Merz begrüßte diese Entwicklung, sprach aber vorsichtig nur von "Schritten in die richtige Richtung". Zugleich warnte er: "Neue Zölle würden die Fundamente der transatlantischen Beziehungen untergraben. Wenn sie umgesetzt würden, wäre Europas Antwort geschlossen, ruhig, angemessen und stark."
Merz fordert mehr Einsatz für Sicherheit im Norden
Der Christdemokrat betonte, dass Deutschland die Auffassung teile, dass die europäischen NATO-Partner mehr für die Sicherheit im Hohen Norden tun müssten. "Deutschland macht dies bereits", versicherte er. Die Bundesrepublik hatte sich zuletzt für einen stärkeren NATO-Schutz für Grönland eingesetzt.
Nach Angaben aus informierten Kreisen soll im Rahmen einer möglichen Einigung das Stationierungsabkommen für Grönland neu ausgearbeitet werden und das geplante US-Raketenabwehrsystem "Golden Dome" berücksichtigen. Zudem sollen die USA ein Mitspracherecht bei Investitionsvorhaben aus anderen Ländern in Grönland erhalten und ein stärkeres Engagement der europäischen NATO-Staaten im arktischen Raum geplant sein.
Jetzt reist Merz zum EU-Gipfel
Nach seiner Rede in Davos reiste Merz weiter zum EU-Gipfel nach Brüssel, wo ebenfalls über den Grönland-Konflikt beraten werden sollte. Der Kanzler hatte sich in den vergangenen Tagen bemüht, eine Eskalation des Konflikts und eine direkte Konfrontation mit Trump zu vermeiden. Man wolle als Europäer "besonnen und auch angemessen" auf "solche Herausforderungen" reagieren, hatte er vor seiner Abreise betont.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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